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Trotz Bauern aus dem Nahen Osten blieben einige Europäer Fischer

Trotz Bauern aus dem Nahen Osten blieben einige Europäer Fischer
Ein 8.000 Jahre altes Kochgefäß aus dem Donautal im Grenzgebiet zwischen Serbien und Rumänien. Die Lebensmittelrückstände verraten, was die Bewohner der Region damals gegessen haben.
Fotos: © University of Bristol, C. Bonsall, M. Todera
FLEISCH, NEIN DANKE Als die ersten Bauern aus dem Nahen Osten vor 8.000 Jahren in Südosteuropa aufkreuzten, veränderten sich auf dem Balkan die Ernährungsgewohnheiten der Menschen. Statt wie in den Jahrtausenden zuvor viel Fisch und andere aquatische Nahrung zu essen, landeten nun vor allem Fleisch und Milchprodukte von Nutztieren auf dem Teller.
Doch im Donautal zwischen Serbien und Rumänien war das anders, sagen Archäologen der Universität Bristol. Die Menschen dort nutzten zwar die gleichen Tongefäße wie die zugewanderten Bauern, blieben aber ansonsten ihrer traditionellen Ernährung treu. Sie lebten weiterhin als Fischer.

Neue Töpfe, aber weiterhin viel Fisch

Die britischen Forscher haben tönerne Kochgefäße aus der gesamten Balkanregion untersucht. Und bei der chemischen Analyse der Lebensmittelrückstände auf der Keramik stellten sie fest, dass es vor 8.000 Jahren zu einer signifikanten Umstellung der Ernährung kam. Die mesolithische Lebensweise mit viel Fisch und anderen Wassertieren verschwand und wich der neolithischen Ernährung, die vor allem aus Fleisch und Milchprodukten bestand.
Allerdings fanden die Forscher eine Ausnahme. Im Donautal zwischen Serbien und Rumänien übernahmen die Menschen zwar die neolithische Keramik der Bauernkultur, blieben aber ihrer traditionellen mesolithischen Ernährung treu. Und die bestand zu einem großen Anteil aus Fisch.
Studienleiterin Dr. Lucy Cramp: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der hier untersuchten neolithischen Töpfe für die Verarbeitung von Fisch oder anderen aquatischen Ressourcen verwendet wurde."

Unterschiedliche Lebensweisen

Dass die Menschen im Donautal Kontakt zu den neolithischen Bauern hatten, beweist die Tatsache, dass sie deren Töpfertechniken übernahmen. Allerdings blieben sie ihrer traditionellen Ernährung treu. Anstatt Bauern zu werden und Nutztiere zu halten, lebten sie weiterhin als Fischer, die sich von dem ernährten, was die Donau zu bieten hatte.
Dr. Lucy Cramp und ihre Kollegen bieten dafür zwei Erklärungen an. Zum einen halten sie es für möglich, dass die zugewanderten Bauern vom reichhaltigen Nahrungsangebot der Donau (z.B. riesige Störe aus dem Schwarzen Meer) so angetan waren, dass sie den Lifestyle der "Eingeborenen" übernahmen und sich unter sie mischten.
Eine andere Erklärung wäre, dass die zugewanderen Bauern aus dem Nahen Osten und die mesolithischen Ureinwohner des Donautals zwar Kontakt hatten, Handel trieben und Wissen austauschten, aber ansonsten ihren gewohnten Lebensstil beibehielten.
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