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Alle südafrikanischen Fossilien stammen aus sechs Trockenperioden

Alle südafrikanischen Fossilien stammen aus sechs Trockenperioden
Mineralablagerungen aus einer südafrikanischen Höhle. Solche Flowstone-Schichten entstehen nur, wenn es in einer Region feucht ist und häufig regnet.
Fotomontage: © Robyn Pickering (1), CC0 (1)
MINERALISTISCH Die Höhlen in Südafrika (Sterkfontein, Rising Star) gehören zu den wichtigsten Fundstätten für menschliche Fossilien auf der Welt. Fast 40 Prozent aller Hominiden- und Frühmenschenfunde stammen aus dieser Region. Doch bislang war es unmöglich, die Fossilien aus den verschiedenen Höhlen in einen gemeinsamen zeitlichen Kontext zu stellen.
Anders als in Ostafrika, wo man alle Fossilien in Sedimentschichten aus Vulkanasche gefunden hat, die man zeitlich zuordnen kann, war das in in den südafrikanischen Höhlen bislang unmöglich. Doch das scheint sich gerade zu ändern. Forscher der Universität Cape Down haben eine neue Datierungsmethode entdeckt, die in allen Höhlen der "Wiege der Menschheit" funktioniert.

Ablagerungen durch fließendes Wasser

"Der Schlüssel zum zeitlichen Ablauf sind die Flowstone-Schichten", sagt die Geochemikerin Dr. Robyn Pickering. Dabei handelt es sich um Mineralablagerungen, die durch fließendes oder tropfendes Wasser entstehen. "Sie bilden sich nur in feuchten Perioden, wenn es draußen häufig und stark regnet. Jetzt können wir endlich die Fundschichten in den verschiedenen Höhlen miteinander verknüpfen und bekommen ein besseres Bild von der Evolutionsgeschichte im südlichen Afrika."
Pickering und ihre Kollegen haben die Flowstone-Schichten in acht südafrikanischen Höhlen untersucht und das Alter mittels einer Uran-Blei-Datierung bestimmt. Die Ergebnisse zeigen, dass alle Fossilien, die man dort gefunden hat, aus einem engen Zeitfenster stammen - nämlich aus der Zeit vor 3,2 bis 1,3 Millionen Jahren.

Nur sechs Schichten enthalten Fossilien

Außerdem haben die Forscher festgestellt, dass sich in den südafrikanischen Höhlen nur Fossilien gebildet haben, wenn es draußen sehr heiß und trocken war. Und das war relativ selten der Fall. Alle Fossilien stammen aus nur sechs Fundschichten.
Dr. Robyn Pickering: "In den von uns untersuchten Höhlen gibt es nur Fossilien, die aus den trockenen Perioden stammen. Unser Bild von der frühen menschlichen Evolution ist also sehr unvollständig und schief."

Enorm wichtige Entdeckung

Sollten die Datierungen von Robyn Pickering und ihren Kollegen korrekt sein, dann hat der Vormensch Australopithecus Südafrika erst vor 3,2 Millionen Jahren erreicht. Da die Vormenschen-Fossilien aus Ostafrika deutlich älter sind, kann man davon ausgehen, dass die Gattung Australopithecus in Ostafrika entstanden ist und sich erst später nach Südafrika ausgebreitet hat.
Wie das berühmte Fossil "Little Foot" in dieses Bild passt, auf dessen wissenschaftliche Beschreibung wir seit 20 Jahren warten, muss man abwarten. Im Frühjahr 2018 veröffentlichte Entdecker Ron Clarke ein vermutliches Alter von 3,6 Millionen Jahren. Doch das kann, sollten Pickerung und Co. richtig gemessen haben, nicht stimmen.
Professor Bernard Wood von der amerikanischen George Washington Universität ist jedenfalls ganz begeistert von der neuen Technik. "Das ist der wichtigste Fortschritt seit der Entdeckung dieser Fossilien", schreibt er im Fachjournal Nature. "Das Alter von Fossilien ist natürlich wichtig. Und der Ablagerungskontext spielt dabei eine große Rolle."
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EVOLUTION & MEINUNG

Der Nachweis der Evolution ist nach wie vor erstaunlich lückenhaft. Ironischerweise haben wir im Hinblick auf evolutionäre Zwischenstufen heute sogar weniger vorzuweisen als zu Darwins Zeiten.
David M. Raup

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