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Schon die Menschen der Steinzeit wussten, wie man Kaviar zubereitet

Schon die Menschen der Steinzeit wussten, wie man Kaviar zubereitet
Rekonstruktion eines 6000 Jahre alten Gefäßes aus der archäologischen Fundstätte Friesack 4. Verkohlte Krusten verraten, was und wie die Menschen damals gekocht haben.
Foto: © Shevchenko et al. MPI-CBG / BLDAM
STEINZEIT BOCUSE Einem Forscherteam des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden ist es gelungen, ein neues Analyse-Verfahren zu entwickeln, mit dem man nicht nur herausfinden kann, was prähistorische Menschen gegessen haben, sondern auch wie sie ihre Speisen zubereiteten.
Das neue Verfahren wurde von einem Forscherteam unter der Leitung von Anna Shevchenko entwickelt und nennt sich Proteomik-Analyse. Und die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. So hat man festgestellt, dass Menschen, die vor über 6000 Jahren in der Nähe von Berlin gelebt haben, eine Vorliebe für "Kaviar" hatten.

Alte Proteine sind schwer zu identifizieren

Nahrungsmittelkrusten sind verbrannte Speisereste, die auf archäologischen Keramikgefäßen zu finden sind. Sie sind sehr schwer zu analysieren, da ältere Proteine durch den Kochvorgang und durch die natürliche Alterung weitgehend abgebaut und mit Verunreinigungen aus der Umwelt - zum Beispiel Bodenbakterien oder Pflanzen - vermischt werden.
Anna Shevchenko: "Wir mussten uns mit der Frage auseinandersetzen, wie Lebensmittelproteine in verkohlten Ablagerungen auf archäologischen Scherben überleben können und wie wir die ursprünglichen Proteine von modernen Verunreinigungen wie menschlicher Haut, Speichel oder Pflanzen, die einst auf dem Ausgrabungsfeld angebaut wurden, unterscheiden können."
Diese Hürden haben die Dresdner Forscher genommen. Dank der neuen Proteomik-Analyse sind sie nun in der Lage, versteinerte Essensreste zu analysieren, die sich bislang beharrlich geweigert haben, ihre Geheimnisse preiszugeben.

Die alten Berliner liebten Paläo-Kaviar

Interessante Ergebnisse lieferte die Untersuchung eines über 6000 Jahre alten Tongefäßes aus der archäologischen Fundstätte Friesack 4 in der Nähe von Berlin. Das Artefakt wurde bereits im Jahr 1979 ausgegraben, doch mit den herkömmlichen Techniken war man nicht in der Lage, die Zusammensetzung der Lebensmittelrückstände zu ermitteln.
Anna Shevchenko und ihr Team haben mit ihrem neuen Analyseverfahren 300 alte Proteine gefunden, die verraten, welche Nahrungsmittel damals im Kochtopf landeten und wie sie zubereitet wurden. Dabei stellten sie fest, dass die damaligen Menschen eine Vorliebe für den Rogen von Karpfen hatten, den sie in einer Fischbrühe kochten. Und elektronenmikroskopische Bilder zeigen, dass der Tontopf dabei mit Blättern bedeckt wurde. Mit anderen Worten: Die alten Berliner haben so etwas wie Paläo-Kaviar hergestellt.

Friesack 4 diente vor 6000 Jahren als Jagdstation

Auf einer anderen Tonscherbe fanden die Forscher Schweinekollagen. Sie vermuten, dass das Schweinefleisch komplett mit Knochen, Sehnen oder Haut gekocht wurde. Das passt zu Fossilfunden von Wildschweinknochen, die man ganz in der Nähe gefunden hat.
Damit verdichten sich die Hinweise, dass die archäologische Fundstätte Friesack 4 einst als Jagdstation diente, wo Menschen aus der Mittelsteinzeit ihre Beutetiere zerlegt und in Tongefäßen zubereitet haben.
"Dass die Untersuchungen mit der neuen Methode so erfolgreich durchgeführt werden konnten, dürfte ein Meilenstein in der Annäherung an die Lebensgewohnheiten unserer Jäger- und Sammler-Vorfahren sein", sagt Günter Wetzel, ehemaliger Archäologe des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und einer der Co-Autoren der neuen Studie.
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Steve Jones

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