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Harte Winter: Die Kinder der Neandertaler waren häufig krank

Harte Winter: Die Kinder der Neandertaler waren häufig krank
Tanya Smith und zwei Zähne von Neandertaler-Kindern. Der Zahnschmelz zeigt deutliche Spuren sehr harter Winter und vieler Krankheitsphasen.
Foto: © Griffith University
Neandertaler-Kinder hatten es nicht leicht. Sie waren vor allem im Winter häufig krank. Außerdem waren sie Umweltgiften ausgesetzt, die sie mit dem Trinkwasser oder durch den Rauch von Lagerfeuern zu sich nahmen. Das hat die Analyse von zwei 250.000 Jahre alten Neandertaler-Zähnen aus Frankreich ergeben.
Tanya Smith, eine biologische Anthropologin der Griffith Universität im australischen Brisbane, hat zusammen mit ihren Kollegen in mühevoller Kleinarbeit die Wachstumslinien im Zahnschmelz von zwei Neandertaler-Kindern analysiert, deren Fossilien man in Frankreich gefunden hat. Außerdem hat sie Isotopen-Untersuchungen durchgeführt, um nach Schwermetallen wie Blei zu suchen.

Viele Stresslinien im Zahnschmelz

Beide Zähne weisen starke Stresslinien auf, die vor allem im Winter gehäuft auftreten, schreibt Tanya Smith in ihrer Studie, die im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Neandertaler-Kinder harte Winter überstehen mussten und häufig krank waren. Denn Stresslinien sind deutliche Hinweise auf eine Störung des Schmelzwachstums.
Außerdem haben die Forscher festgestellt, dass die Neandertaler-Kinder mit Blei belastet waren. Da die Fossilien ganz in der Nähe einer Bleimine gefunden wurden, vermuten Smith und ihre Kollegen, dass die Kinder das giftige Blei mit dem Trinkwasser oder dem Essen aufgenommen haben oder einatmeten, wenn sie am Lagerfeuer saßen.

Neandertaler-Kinder wurden 2,5 Jahre lang gestillt

Ansonsten verlief das Leben von Neandertaler-Kindern nicht viel anders als das von Homo sapiens-Kindern, sagen die Forscher. Das hat der Vergleich mit den fossilen Zähnen eines Sapiens-Kindes ergeben, das vor 5400 Jahren in der gleichen Region gelebt hat.
Neandertaler-Kinder wurden 2,5 Jahre lang von ihren Müttern gestillt, bevor sie entwöhnt wurden. Das hat eine Analyse der Barium-Marker ergeben, die den Milchkonsum dokumentieren. Diese Zeitspanne entspricht etwa der heutiger Jäger und Sammler-Kulturen, so Tanya Smith.
Einen gravierenden Unterschied gab es allerdings doch. Die Zähne des Homo sapiens-Kindes weisen deutlich weniger Stresslinien auf. Dies deutet darauf hin, dass das Klima vor 5400 Jahren viel milder und angenehmer war als zu Zeiten der Neandertaler.

Viel Arbeit für die Neandertaler-Mutter

Fazit der Forscher: Neandertaler-Mütter mussten ihre Kinder durch viele harte Winter bringen und sie häufig pflegen, weil sie krank waren. Dies lässt vermuten, dass sich Neandertaler-Mütter ähnlich intensiv und fürsorglich um ihren Nachwuchs gekümmert haben wie heutige Mütter.
Das Forscherteam um Tanya Smith will seine neuen Analysetechniken nun auf weitere ausgestorbene Menschenarten anwenden, um herauszufinden, wie diese Menschen gelebt haben und welchen Umwelteinflüssen sie ausgesetzt waren.
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