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Mrs. Ples war ein Vormensch. Aber war sie auch eine Frau?

Mrs. Ples war ein Vormensch. Aber war sie auch eine Frau?
War Mrs. Ples wirklich eine Frau? Südafrikanische Forscher zweifeln an dieser Interpretation ihrer Entdecker.
Foto: © Ditsong National Museum of Natural History
Irren ist menschlich, sagt der Volksmund. Doch den Paläoanthropologen wird nachgesagt, nur wenig von dieser Formel zu halten. Sie klammern sich an ihre Theorien wie Schiffbrüchige an ein Rettungsboot. Doch manchmal müssen selbst Paläoanthropologen loslassen.
Das Fossil von Mrs. Ples, einer Australopithecus-Dame, die vor 2,5 Millionen Jahren in Südafrika lebte, gehört zu den bedeutenden Funden der Paläoanthropologie. Zum einen handelt es sich um einen nahezu vollständig erhaltenen Schädel, was überaus selten ist, zum anderen stammt der Fund genau aus jener Zeit, als sich der Mensch entwickelte. Mrs. Ples könnte also unsere Uroma gewesen sein.

Von wegen Mrs, das war ein Mister

Doch nun der Schock. Mrs. Ples ist in Wahrheit ein Mister Ples. Das behaupten die südafrikanischen Paläoanthropologen Gaokgatlhe Mirriam Tawane und Francis Thackeray. Tawane und Thackery haben sich noch einmal die feminin kleinen Zahnwurzeln der Urzeitdame angeschaut und dabei eine überraschende Entdeckung gemacht.
Mrs. Ples wurde als weiblicher Australopithecus eingeordnet, weil sie kleine Zahnwurzeln hatte. Und kleine Zahnwurzeln stammen von kleinen Zähnen - weiblichen Zähnen. Das haben die Entdecker auch ganz richtig erkannt, schreiben Tawane und Thackeray in ihrer Studie. Doch sie haben ein Detail übersehen.

Behandlung mit Chemikalien

Die beiden südafrikanischen Forscher glauben Hinweise dafür gefunden zu haben, dass die Schädelknochen von Mrs. Ples nach ihrer Entdeckung mit Chemikalien gereinigt wurden - was früher durchaus üblich war. Und diese Chemikalien haben das umliegende Knochenmaterial der Zahnwurzeln zerstört. Dadurch erscheinen die Zahnwurzeln kleiner, als sie ursprünglich mal waren. Salopp formuliert: Mrs. Ples hatte große Zähne. Männliche Zähne. Sie war ein Mister Ples.
Wieviele Paläoanthropologen sich dieser neuen Interpretation anschließen, muss man abwarten. Wahrscheinlich wird es nicht lange dauern, bis eine Studie erscheint, die genau das Gegenteil behauptet. Denn nicht nur irren ist menschlich, sondern auch das verteidigen des eigenen Standpunktes.
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