HOMO SAPIENS
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Archaische moderne Menschen und seltsame Hybriden aus China

Archaische moderne Menschen und seltsame Hybriden aus China
Jahrzehntelang hat sich die Forschung auf Afrika und Europa konzentriert. Doch immer neue spektakuläre Fossilien aus Asien rütteln an den alten Theorien.
Foto: © Curnoe, Xueping
Das Evolutionsmodell des Menschen, das sich die Paläoanthropologen aus den Fossilfunden in Afrika und Europa zurecht gezimmert haben (Australopithecus, Homo erectus, Neandertaler/Homo sapiens), droht an asiatischen Klippen zu zerschellen. Immer neue Fossil- und Werkzeugfunde aus Südostasien und China rütteln an den etablierten Theorien.
Wir reden hier von Homo sapiens-Knochen, die 110.000 Jahre alt sind. Von archaischen Urmenschen, die noch vor 11.500 Jahren gelebt haben. Von 2,1 Millionen Jahre alten Steinwerkzeugen, die von Homo erectus-ähnlichen Populationen hinterlassen wurden. Von Zwergmenschen, die erst vor 60.000 Jahren ausgestorben sind ... Der Fossilbestand in Asien gleicht einem paläoanthropologischen Überraschungs-Ei.

Moderne Urmenschen und seltsame Hybriden

Ein gutes Beispiel für dieses chaotisch anmutende Fossilbild sind die sogenannten Rotwildhöhlen-Menschen, die im Jahr 2012 erstmals von Darren Curnoe von der australischen Universität New South Wales und von Ji Xueping vom chinesischen Yunnan-Institut beschrieben wurden.
Die Fossilien stammen aus zwei Höhlen (Maludong, Longlin) in Südwestchina und passen in kein Evolutionsmodell. Die Maludong-Fossilien gehören zu "modernen" Menschen, die vor 11.500 Jahren gelebt haben, aber noch enorm viele ursprüngliche Merkmale aufweisen, wie man sie vom archaischen Urmenschen kennt. Curnoe und Xueping vermuten, dass sich diese Menschen bereits vor 200.000 Jahren von der klassischen Homo sapiens-Linie abgespalten und ähnlich wie der Neandertaler parallel zum modernen Menschen entwickelt haben.
Noch ungewöhnlicher sind Fossilien aus der Longlin-Höhle. Zumindest ein Indiviuum scheint ein Hybrid aus Rotwildhöhlen-Mensch und Denisova-Mensch zu sein. Zu diesem Ergebnis kommen Curnoe und Xueping in einer zweiten, im Jahr 2015 veröffentlichten Studie. Und eine Datierung der fossilen Knochen hat ergeben, dass dieser Hybrid - nennen wir ihn mal Rotwild-Denisova - noch vor 10.500 Jahren gelebt hat - also zu einer Zeit, als Jericho erbaut wurde.

Die alten Theorien wackeln

Die paläoanthropologische Forschung hat sich jahrzehntelang auf Afrika und Europa konzentriert. Doch seit einigen Jahren wird auch in Asien intensiv gegraben. Und die dort freigelegten Fossilien - vor allem aus China - passen nicht in die etablierten Entwicklungsmodelle.
Der Homo sapiens kann Afrika nicht erst vor 60.000 Jahren verlassen haben. Und der Homo erectus oder eine dem Homo erectus ähnliche Population hat schon vor über 2 Millionen Jahren in Asien gelebt. Nicht zu vergessen der geheimnisvolle Zwergmensch Homo floresiensis mit seinem winzig kleinen Gehirn und seinen seltsamen Hobbit-Füßen. Das Ganze ähnelt - frei nach Tim White - der berühmten Weltraumbar in Star Wars.

Stammbäume sind Schall und Rauch

Der deutsche Paläoanthropologe Friedemann Schrenk hat einmal in einem Interview gesagt hat: "Stammbäume sind Schall und Rauch." Er vermutet, dass in asiatischen Museen noch unzählige Fossilien lagern, die noch nicht erforscht sind und möglicherweise von bislang unbekannten Menschenarten stammen.
Vieles deutet darauf hin, dass immer neue Fossilien aus China und Südostasien unser Bild über die Entstehung und Ausbreitung des Menschen in den nächsten Jahren revolutionieren werden. Schließlich hat die Erforschung des Kontinents gerade erst begonnen. Und die bislang extrem afrika- und euro-zentrierte Forschergilde wird viele Fragen beantworten müssen.
Wie die Sache ausgeht, ist völlig offen. Vielleicht haben wir eines Tages vierzig Menschenarten. Oder man beschließt, mit dem Arten-Gedönse aufzuhören und sagt: Das waren alles Menschen. Große, kleine, dicke, dünne, moderne, archaische ... aber alles Menschen
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