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Extreme Kälteeinbrüche führten zum Aussterben der Neandertaler

Extreme Kälteeinbrüche führten zum Aussterben der Neandertaler
Vor 44.000 und 40.800 Jahren gab es in Mittelosteuropa zwei extreme Kälteeinbrüche. Das belegen neue Klimadaten aus zwei rumänischen Tropfsteinhöhlen.
Symbolbild
Der Neandertaler ist ausgestorben, weil er schlechter mit dem Klima der Eiszeit zurecht kam als der moderne Mensch Homo sapiens. Diese Theorie ist nicht neu, war aber bislang nicht ausreichend mit Fakten belegt. Das hat sich nun geändert.
Ein internationales Forscherteam, zu dem auch der Geologe Michael Staubwasser von der Universität Köln gehörte, hat Klimadaten und Fossilfunde von Neandertalern miteinander abgeglichen und festgestellt, dass es in der Zeit vor 44.000 bis 40.000 Jahren in Mittelosteuropa mehrere abrupte Klimawechsel gab, die der Population des Neandertalers schwer zugesetzt haben müssen.

Das Klima steckt in den Stalagmiten

Michael Staubwasser und seine Kollegen haben Kalksteinstalagmiten aus zwei rumänischen Tropfsteinhöhlen analysiert und daraus das Klima in Mittelosteuropa zur Zeit der Neandertaler rekonstruiert. Und die Forscher haben Hinweise darauf gefunden, dass es mindestens zwei extreme Kälte- und Trockenperioden gab, die dem Neandertaler schwer zugesetzt haben.
Der erste Kälteeinbruch ereignete sich vor 44.000 Jahren und dauerte etwa 1000 Jahre. Der zwei Kälteeinbruch begann vor 40.800 Jahren und dauerte 600 Jahre. Die Temperaturen sanken damals um bis zu 10 Grad. Und beide Klimaereignisse haben die Landschaft und das Nahrungsangebot dramatisch verändert. Der Waldbestand ging stark zurück und wurde durch eine tundrenähnliche Graslandschaft ersetzt.

Der Neandertaler verschand, der Homo sapiens rückte nach

Der Abgleich der Klimadaten mit Neandertaler-Fundorten entlang des Donau-Tales und in Frankreich hat anschließend ergeben, dass genau während dieser beiden Kälte- und Trockenperioden der Bestand an Neandertaler-Fossilien und Werkzeug-Artefakten deutlich zurückging. Die Forscher schließen daraus, dass die Zahl der Neandertaler damals extrem schrumpfte.
"Die Daten weisen darauf hin, dass die Neandertaler-Populationen erheblich zurückgingen. Die weitgehend entvölkerten Gebiete besiedelte dann der moderne Mensch", heißt es in der neuen Studie.
Warum genau der Homo sapiens die Klimaveränderungen besser überstand als der Neandertaler, können die Forscher nicht sagen. Möglicherweise ernährte sich der moderne Mensch anders oder er verfügte über bessere Jagdtechniken, die ihm das Überleben in diesen schwierigen Jahrhunderten sicherten.

Internationale Stimmen

Die neue Studie wurde in der internationalen Forscherszene sehr unterschiedlich aufgenommen. So gab Neandertaler-Expertin Katerina Harvati bei abc-News zu bedenken, dass nicht wirklich gesichert ist, ob die Neandertaler in den von den Forschern beschriebenen Zeiträumen tatsächlich ausgestorben sind. Die Untersuchungen, auf die sie sich berufen, würden auf limitiertem Datenmaterial basieren und werden zum Teil noch kontrovers diskutiert.
Chris Stringer vom Natural History Museum in London hält die neuen Klimadaten für sehr hilfreich, weil sie die Auswirkungen des Klimas auf die Neandertaler dokumentieren. Allerdings glaubt er, dass noch weitere Faktoren am Werke waren, die zum Aussterben der Neandertaler geführt haben. Das Klima allein kann es nicht gewesen sein.
Richard Potts vom Smithonian Institut bringt es so auf den Punkt: "Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass unsere Spezies die Neandertaler nicht ausgerottet hat. Wir haben sie lediglich überlebt. Und die neue Studie liefert Anhaltspunkte dafür, warum das so war."
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