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Die berühmte Luzia stammt genetisch von den Clovis-Indianern ab

Die berühmte Luzia stammt genetisch von den Clovis-Indianern ab
Luzias Schädelanatomie weist auf afrikanische oder australische Vorfahren hin. Doch genetisch war sie eine Clovis-Indianerin, so brasilianische Experten.
Foto: © Andre Strauss, Caroline Wilkinson
DER RUF DER GENE Nun haben auch brasilianische Forscher, die an der großen Gen-Studie über die Herkunft der ersten Amerikaner teilgenommen haben, ihre Forschungsergebnisse veröffentlicht. In vielen Punkten decken sich die Erkenntnisse der Südamerikaner mit denen ihrer europäischen und amerikanischen Kollegen. Aber es gibt auch einige Punkte, die sie anders sehen.
Wie Andre Menezes Strauss von der Universität Sao Paulo und seine Kollegen berichten, wurde der amerikanische Kontinent in drei Wellen besiedelt. Die erste ereignetet sich vor 15.000 bis 16.000 Jahren. Sie führte den Homo sapiens nach Nordamerika (Clovis-Kultur) und etwas später nach Mittel- und Südamerika.

Zwei große und eine kleine Migrationswelle

Eine zweite Migrationswelle gab es nach Ansicht der Forscher vor 9000 Jahren. Erneut breiteten sich Jäger und Sammler-Gruppen aus dem Norden nach Mittel- und Südamerika aus und ersetzten die Urbevölkerung. Und eine dritte, etwas kleinere Migrationwelle soll es vor 4500 Jahren gegeben haben.
Nach Ansicht der brasilianischen Genetiker stammen alle drei Migrationswellen von nordamerikanischen Populationen ab, die man als Clovis-Indianer bezeichnet. Das gilt auch für die 11.000 bis 9000 Jahre alten Fossilfunde aus der Region Lagoa Santa, zu der auch die berühmte Luzia gehört.
Tabita Hünemeier von der Universität Sao Paulo: "Ein wichtiges Ergebnis unserer Studie lautet, dass Luzia und ihre Verwandten von der nordamerikanischen Clovis-Kultur abstammen. Luzia hatte keine afrikanischen Wurzeln. Die Idee, dass Südamerika zweimal von Populationen unterschiedlicher Herkunft besiedelt wurde, ist falsch."

Luzia und ihre Verwandten sind ausgestorben

"Überraschenderweise haben diese Menschen keine identifizierbaren Spuren im Erbgut der heutigen Ureinwohner Südamerikas hinterlassen", sagt Studienleiter Andre Menezes Strauss. "Vor ungefähr 9000 Jahren verschwinden ihre Gene. Ihre DNA ist in jüngeren Fossilen nicht mehr nachweisbar. Wie und warum es dazu kam, wissen wir noch nicht."
Allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass längst nicht alle menschlichen Überreste, die man in Mittel- und Südamerika gefunden hat, von genetischen Nachkommen der Clovis-Indianer stammen. Jedenfalls hat man bei einigen Fossilien keine entsprechende DNA finden können. Außerdem ist man auf DNA gestoßen, die der von Menschen aus dem Raum Australien, Neuseeland, Neuguinea und Melanesien ähnelt.
Dies deutet auf ein komplexeres Gesamtbild hin und lässt vermuten, dass es weitere Wanderungsbewegungen gab, die es noch zu erforschen gilt. Schließlich sind 49 untersuchte Fossilien nicht gerade die Welt. Ja nicht mal Südamerika.

Seltsame Gene, die nicht ins Bild passen

Fassen wir also noch mal zusammen: Alle drei Besiedlungswellen nach Mittel- und Südamerika weisen genetische Bezüge zu den Clovis-Indianern auf, deren Existenz in Nordamerika gut belegt ist und die wahrscheinlich von jenen Eiszeit-Jägern abstammen, die vor 16.000 Jahren die Bering-Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska überquert haben.
Es gibt keinerlei genetische Hinweise, dass die 11.000 Jahre alte Luzia und ihre Zeitgenossen einen anderen Ursprung hatten als die Clovis-Indianer. Die Theorie, dass Luzia afrikanisch oder melanesisch aussah und von Menschen abstammte, die mit Schiffen nach Südamerika gelangt sind, wäre damit vom Tisch.
Die Menschen, die vor 11.000 bis 9000 Jahren in Mittel- und Südamerika gelebt haben, sind nicht die Vorfahren der heutigen Ureinwohner. Sie haben keinerlei Spuren im Erbgut hinterlassen. Dies deutet darauf hin, dass es vor 9000 Jahren in Mittel- und Südamerika zu einem breiten Bevölkerungsaustausch kam - Hintergrund unklar.
Last but not least: Auch die brasilianischen Forscher sind auf mysteriöse Gene gestoßen, die in Richtung Australasien (Australien, Neuseeland, Neuguinea, Melanesien) weisen. Bislang weiß keiner so recht, was man mit dieser Erkenntnis anfangen soll.
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