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Früher Werkzeuggebrauch oder nur Bissspuren von Krokodilen?

Früher Werkzeuggebrauch oder nur Bissspuren von Krokodilen?
Spuren von Werkzeuggebrauch oder Krokodilsbiss? Forscher der Universität Tübingen kommen zu einem klaren Ergebnis.
Foto: © Dikika Research Project
Immer wieder haben uns Paläoanthropologen in den vergangenen Jahren fossile Tierknochen präsentiert, auf denen Kratzer und Kerben zu sehen waren. Und dabei verkündeten sie stolz: "Das sind Spuren von Werkzeuggebrauch. Da hat jemand Fleisch von den Knochen geschnitten."
Nicht selten wurden daraus spektakuläre Schlüsse gezogen. So im Jahr 2010, als ein 3,4 Millionen Jahre alter Knochenfund aus Äthiopien als Beweis dafür dienen sollte, dass bereits der Vormensch Australopithecus afarensis Steinwerkzeuge benutzte und Fleisch verspeiste.
Ebenfalls nicht ohne war ein 130.000 Jahre alter Knochenfund aus den USA, aus dem Forscher im Jahr 2017 ableiteten, dass dort Vertreter des Urmenschen Homo erectus gelebt haben müssen.

Gewagte Interpretationen

In beiden Fällen handelte es sich um spektakuläre Interpretationen, die den Stand der Wissenschaft auf den Kopf stellten. Denn bis dato ging man davon aus, dass der Australopithecus keine Steinwerkzeuge nutzte und der Homo erectus Amerika nie erreicht hat. Und natürlich blieben diese gewagten Forschungsergebnisse nicht ohne Widerspruch.
Schon im Jahr 2010 wies Professor Tim White von der Universität Berkeley auf die Doktorarbeit von Jackson Njau hin, in der dieser ziemlich überzeugend dargelegt hatte, dass sich Werkzeugspuren auf Tierknochen nicht von Krokodilsbissen unterscheiden lassen. Und der renommierte Anthropologe Sileshi Semaw von der Universität Indiana erklärte in der New York Times: "Mich überzeugen diese Entdeckungen nicht."

Da haben wohl Krokodile zugebissen

Früher Werkzeuggebrauch oder Krokodilsbisse? Forscher der Universität Tübingen haben sich die fossilen Beweisstücke noch einmal angeschaut und mit modernster Technik untersucht. Und sie kommen zum gleichen Ergebnis wie die Kritiker. Es spricht vieles dafür, dass es sich nicht um Schnitt- und Schlagspuren von Steinwerkzeugen handelt, sondern um Krokodilsbisse, so Yonatan Sahle und seine Kollegen.
"Wer spektakuläre Schlüsse zieht, muss sehr starke Beweise vorlegen", hat Professor Tim White einmal gesagt. Kerben und Kratzer auf fossilen Tierknochen erfüllen dieses Kriterium (zurzeit) nicht. Und solange die Paläoanthropologen nicht in der Lage sind, Werkzeuggebrauch und Krokodilsbisse klar voneinander zu unterscheiden, sollten sie sich mit spektakulären Interpretationen zurückhalten.
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