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Wie intelligent waren Urmenschen, die kleine Gehirne besaßen?

Wie intelligent waren Urmenschen, die kleine Gehirne besaßen?
Welche Rolle spielte die Größe des Gehirns für die Evolution des Menschen? Waren Urmenschen mit kleinen Gehirnen dümmer?
Foto: © Pixabay, CC0
Viele Jahre dachte man, dass die Größe des Gehirns für die Evolution des Menschen eine entscheidende Rolle gespielt hat. Schließlich war das Denkorgan unserer Vorfahren von Generation zu Generation und von Menschenart zu Menschenart immer größer geworden. Und ein großes Gehirn, so glaubte man, kann mehr leisten als ein kleines.
Der Vormensch Australopithecus hatte ein Hirnvolumen von mageren 450 ccm. Der Homo erectus brachte es schon auf 900 ccm. Und der moderne Mensch schafft locker 1350 ccm. Und der ist, das wissen wir ja alle, der Klügste von allen (Vorsicht Spott).

Urmenschen mit sehr kleinen Gehirnen

In den letzten Jahrzehnten haben die Paläoanthropologen immer mehr archaische Menschenarten entdeckt, die sehr klein waren und sehr kleine Gehirne besaßen. Dazu zählen der Homo floresiensis (420 ccm), der Homo georgicus (600 ccm) und der Homo naledi (560 ccm). Trotzdem waren diese Menschen in der Lage, Steinwerkzeuge und Waffen herzustellen und auf die Jagd zu gehen. So viel dümmer als der Neandertaler und der Homo sapiens können sie also nicht gewesen sein.
Seither hat sich der Wind gedreht. Die Lehrmeinung lautet nun: Die Größe eines Gehirns sagt nichts über die Intelligenz aus. Viel wichtiger ist, wie dieses Gehirn vernetzt ist. Nicht die Quantität zählt, sondern die Qualität.

Studie über Gehirngröße und IQ

Unterstützt wird diese These von Forschern der Universität Wien, der Universität Göttingen und der Universität Tilburg. Sie haben für eine sogenannte Meta-Studie die Daten von 8000 Menschen ausgewertet, um herauszufinden, ob große Gehirne wirklich intelligenter sind als kleine.
Ergebnis der Untersuchung: Es gibt einen kleinen Zusammenhang zwischen Gehirnvolumen und Intelligenz. Aber der ist nur minimal und im Grunde zu vernachlässigen. Was ja auch Sinn macht, denn sonst wären Frauen dümmer als Männer. Ihr Gehirn ist 10 Prozent kleiner. Aber sie sind nicht dümmer.

Fortschritt durch Klimaschwankungen

Was bedeutet dieses Forschungsergebnis für die Paläoanthropologie? Nun ja, die alte Mär vom Menschen, der durch Evolution immer größere Gehirne entwickelte und immer intelligenter wurde, gehört auf den anthropologischen Müllhaufen. Es gab zu allen Zeiten Menschenarten mit großen Gehirnen und Menschenarten mit kleinen Gehirnen. Und beide scheinen beim IQ auf Augenhöhe gewesen zu sein.
Doch was brachte den Menschen dazu, immer bessere Werkzeuge und Waffen zu erfinden und schließlich so etwas wie Technik zu entwickeln. Die einfache Antwort könnte lauten: Es war nicht ein größeres Gehirn sondern das Klima. Immer wenn sich die Umwelt und das Nahrungsangebot dramatisch veränderten, musste der Mensch um sein Überleben kämpfen. Und das brachte seine grauen Zellen auf Trab. Der wahre Motor der Evolution war also nicht das Gehirn, sondern das Wetter.
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Darwin konsequent gedacht. Vielleicht stammt ja der Affe vom Menschen ab.
Paulus Terwitte

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