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Im Tibetischen Hochland haben vor 40.000 Jahren Menschen gelebt

Im Tibetischen Hochland haben vor 40.000 Jahren Menschen gelebt
Ausgrabungen auf dem Tibetischen Hochplateau Quinghai. Forscher haben dort Spuren einer frühen Besiedlung gefunden. Unklar ist, um welche Menschenart es sich handelte.
Foto: © IVPP
EISLIEBHABER Auf dem Hochplateau Qinghai im Tibetischen Hochland haben schon vor 30.000 bis 40.000 Jahren Menschen gelebt. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in einer neuen Studie, die im Fachmagazin Science veröffentlicht wurde.
Die Forscher haben Steinwerkzeuge und andere Hinterlassenschaften "menschlicher Vorfahren" gefunden, die auf eine längere Besiedlung schließen lassen. Die neuen Funde sind 20.000 Jahre älter als alle bisherigen Artefakte aus der Region.

Kein schöner Ort, um dort zu leben

Das Tibetische Hochland gehört zu den unwirtlichsten Lebensräumen auf der Erde. Es befindet sich in 5000 Metern Höhe, die Luft ist dünn, es ist das ganze Jahr über sehr kalt, und es fällt kaum Regen. Und im Frühjahr peitschen heftige Sandstürme über die staubtrockene Hochebene. Kein Ort, wo man sich niederlässt, wenn es angenehmere Alternativen gibt.
Trotzdem haben dort frühe Menschen gelebt, sagen Dr. Zhang Xiaoling and Prof. Gao Xing vom Forschungsinstitut IVPP, das zur Chinesischen Akademie der Wissenschaften gehört. Offenbar waren diese frühen Menschen in der Lage, sich diesem extremen Lebensraum anzupassen und den dortigen Naturgewalten zu trotzen.
"Das späte Pleistozän war eine entscheidende Phase für die menschliche Evolution", schreiben die Forscher in ihrer Studie. "Damals entwickelten sich moderne Verhaltensweisen und die kognitiven Fähigkeiten verbesserten sich. Dadurch war der Mensch plötzlich in der Lage, sich einer breiteren Palette von Umgebungen anzupassen."

Leider hat man keine Fossilien gefunden

Um welche Menschenart es sich handelte, die damals die eisige Bergwelt Tibets besiedelte, ist nicht so ganz klar. Die chinesischen Forscher sprechen vorsichtig von "frühen anatomisch und verhaltensmäßig modernen Menschen". Also früher Homo sapiens. Aber es gibt noch eine zweite Theorie.
John Olsen von der University of Arizona, der zum erweiterten Forscherteam gehörte, glaubt, dass es sich auch um Denisova-Menschen gehandelt haben könnte. Dafür führt er drei Argumente ins Feld.

Was für die Denisova-Theorie spricht

1. Die Denisovas, die vor 40.000 Jahren im Altai-Gebirge gelebt haben, müssen sich irgendwann nach Melanesien ausgebreitet haben. Denn dort haben sie sich mit modernen Menschen vermischt. Und das Tibetische Hochplateau liegt praktisch auf dem Weg, wäre eine logische Route.
2. Die Steinwerkzeuge, die man gefunden hat, haben größere Ähnlichkeit mit Funden aus Sibirien, wo die Denisovas gelebt haben, als mit Funden aus China.
3. Man weiß, dass die heutigen Tibeter Gene von den Denisovas geerbt haben, die ihnen dabei helfen, in großen Höhen zu atmen. Also müssen die Denisovas ebenfalls dazu in der Lage gewesen sein. Sie müssen sich irgendwann an diesen Lebensraum angepasst haben.
Leider haben die Forscher keine Fossilien und auch keine DNA-Spuren im Gestein finden können. Und so kann man zurzeit nur darüber spekulieren, zu welcher Menschenart die ersten Tibeter gehörten.
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