HOMO SAPIENS
Button
Menschen. Urmenschen. Hominiden
Forscher. Fossilien. Artefakte
Menübutton

Künstliche Intelligenz auf der Suche nach frühen Jägern und Sammlern

Künstliche Intelligenz auf der Suche nach frühen Jägern und Sammlern
Eine Technologie-Landkarte von Patagonien. Die gelben und purpurnen Punkte stehen für klassische Jäger und Sammler, die roten Punkte für Menschen mit nautischen Kenntnissen.
Foto: © Briz et al.
PALÄO RECHENKUNST Archäologen und Paläoanthropologen bekommen ein neues Helferlein - Artificial Intelligence. Also künstliche Intelligenz. So bezeichnet man Computerprogramme, die aus ihren Daten lernen und ihre Algorithmen eigenständig verbessern.
Argentische und spanische Forscher haben nun ein solches AI-Programm genutzt, um die Lebensräume und Technologien von Jägern und Sammlern zu analysieren, die in den letzten 12.000 Jahren in Patagonien an der Südspitze Südamerikas gelebt haben.

Werkzeug-Technologien und ihre Verbreitung

Wie Studienleiter Ivan Briz i Godino und seine Kollegen im Fachjournal "Royal Society Open Science" berichten, haben sie ihren Computer mit allen verfügbaren archäologischen Daten gefüttert, die es zurzeit über Patagonien gibt. Ziel war es, die bislang entdeckten Werkzeug-Technologien und die Lebensräume der Menschen, die sie genutzt haben, in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Und was der Computer herausgefunden hat, ist durchaus interessant.
"Wir haben zwei Technologie-Pakete identifiziert" sagt Ivan Briz i Godino. "Das eine stammt von Jägern und Sammlern, die sich ausschließlich an Land aufgehalten haben, das andere von Populationen, die nautische Kenntnisse besaßen."

Eine weitere Besiedlungswelle vor 6000 Jahren

Die ersten modernen Menschen, die Patagonien vor 12.000 Jahren besiedelt haben, waren typische Jäger und Sammler, wie man sie aus vielen Regionen auf der Erde kennt, sagen die Forscher. Sie zogen durchs Land, jagten Tiere, sammelten Beeren und Früchte, stellten Stein- und Knochenwerkzeuge her.
Doch vor etwa 6000 Jahren tauchte in Südamerika ein neuer Menschentypus auf. Diese Menschen waren "Wasserratten". Sie kannten Kanus und Harpunen, fingen Fische und stellten Schmuck aus Muschelschalen her. Die Ausbreitungsrouten dieser neuen Südamerikaner lassen vermuten, dass sie aus dem Südpazifik kamen und sich über die Flüsse und Seen Patagoniens ins Landesinnere ausgebreitet haben.
Der AI-Computer hat auch einige Regionen ausgemacht, in denen sich diese beiden Jäger- und Sammler-Kulturen begegnet sind. Wahrscheinlich haben sie dort Wissen und Technologien ausgetauscht, so das Forscherteam.

Neue Perspektiven für Archäologen und Paläoanthropologen

Sollte stimmen, was die Forscher und ihr Computer-Helferlein herausgefunden haben, dann stammten die ersten Menschen in Patagonien wahrscheinlich von Jägern und Sammlern ab, die vor 14.500 Jahren über die Beringstraße nach Amerika gelangt sind und sich landeinwärts in Richtung Süden ausgebreitet haben. Doch vor 6000 Jahren bekamen sie Gesellschaft. Menschen aus dem Südpazifik, die sich mit Booten und Fischfang auskannten, erreichten Südamerika und breiteten sich dort ebenfalls aus.
Künstliche Intelligenz kann Archäologen und Paläoanthropologen künftig dabei helfen, archaische Gesellschaften, ihre Standorte und mögliche Kontakte untereinander sehr effizient und genau zu bestimmen, sagen die argentischen und spanischen Forscher. Zum einen, weil es nun möglich ist, sehr große Datenmengen auszuwerten, zum anderen, weil ein Computer keine subjektiven Vorurteile kennt.
Denisova-Mensch trug eine schicke Tiara aus Mammut-Elfenbein
Künstliche Intelligenz auf der Suche nach frühen Jägern und Sammlern
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
PALÄO UPDATE
Indien: Unbekanntes Volk hinterlässt rätselhafte Petroglyphen

EVOLUTION & MEINUNG

Ich habe, glaube ich, die Zwischenstufe zwischen Tier und Homo sapiens gefunden. Wir sind es.
Konrad Lorenz

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren

Schädelform: Wieviel Neandertaler steckt eigentlich in ihrem Kopf?
PALÄO NEWS
Wilde Landnahmen durch Bauern zerstören die Nazca-Linien
Die Neandertaler nutzen ihre Hände anders als der Homo sapiens
Paläon - Subventionsgrab oder erhaltenswertes Forschungsmuseum?
Übersicht: Alle neuen Beiträge in chronologischer Reihenfolge »