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Die Fossilien sterben aus. Eine düstere Prognose für die Zukunft

Die Fossilien sterben aus. Eine düstere Prognose für die Zukunft
Fossilien von Vor- und Frühmenschen zu finden, ist schwer und wird immer schwieriger. Die bekannten Sedimentschichten sind abgearbeitet.
Symbolbild
Als die Paläoanthropologen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so richtig durchstarteten, machten sie viele spektakuläre Entdeckungen. Louis Leakey fand den Homo habilis, Richard Leakey den Homo rudolfensis, Donald Johanson die berühmte Lucy, David Lordkipanidze den Homo georgicus, Eudald Carbonell den Homo antecessor, Mike Moorwood den Homo floresiensis, Michel Brunet den Sahelanthropus und Martin Pickford den Orrorin tugenensis.
Die Paläoanthropologie war damals eine lebendige und florierende Wissenschaft, die sich zunehmender Popularität erfreute. Doch die Zahl spektakulärer Fossilfunde hat in den letzen Jahren stark abgenommen. Bis auf den Australopithecus sediba und den Homo naledi hat man nicht viel Neues finden können. Es hat den Anschein, als seien die Sedimentschichten, in denen man nach menschlichen Fossilien gräbt, abgearbeitet.

Dr. Dave Hone: Die Fossilien sterben aus

Dass es immer weniger Fossilfunde gibt, bestätigt auch der Paläontologe Dr. Dave Hone von der Queen Mary Universität in London. In einem Gastbeitrag für den britischen Guardian mit der Überschrift "The world's fossils are going extinct" (Die Fossilien sterben aus) hat er die Gründe dafür erläutert. Und sollte Hone recht haben, dann werden die Zeitungen künftig nur noch selten schreiben können: "Neuer Vorfahre des Menschen entdeckt".

Es gibt nur ein enges Zeitfenster für Fossilien

Fossilien sind selten. Experten schätzen, dass nur 1 Prozent aller Lebensformen, die einst die Erde bevölkert haben, fossil erhalten sind. Das hat mit der komplizierten Entstehung von Fossilien zu tun. Außerdem sind Fossilien in uralte Sedimentschichten eingebettet, die sich normalerweise tief unter der Erdoberfläche befinden. Fossilien erblicken nur das Tageslicht, wenn es zu starken geologischen Verwerfungen kommt, die diese uralten Gesteinsschichten in die Nähe der Erdoberfläche befördern. Und das ist selten.
Doch damit nicht genug. Oben angekommen, sind Fossilien Wind und Wetter ausgesetzt. Sie erodieren und werden zu Staub. Das kann je nach Beschaffenheit eines Fossils nur wenige Tage dauern, sagt Dave Hone. Er selbst habe schon Dinosaurier-Fragmente gefunden, die sicherlich mal tolle Fossilien waren. Doch Sonne, Wind und Regen haben sie zerstört. Es gibt sie nicht mehr.
Wissenschaftlern bleibt nur ein kleines Zeitfenster, um Fossilien zu entdecken, sagt Hone. "Kommst du zu früh, dann findest du nichts, kommst du zu spät, dann findest du ebenfalls nichts."

Ohne neue Sedimente keine neuen Funde

Überträgt man Hone's Argumentation auf die Paläoanthropologie, dann gibt es nur eine begrenzte Anzahl Sedimentschichten, die sich heute nahe genug an der Erdoberfläche befinden, um darin nach menschlichen Fossilien zu suchen. Und wie es aussieht, haben die Forscher die meisten davon abgearbeitet. Die Funde werden seltener. Das Zeitfenster schließt sich.
Was die Paläoanthropologie bräuchte, wären neue tektonische Verwerfungen, die die Erdoberfläche ordentlich durchwalken und neue Sedimentschichten ans Tageslicht befördern. Doch solche dramatischen geologischen Ereignisse sind selten.
Eine Alternative wäre, tief unter der Erdoberfläche nach Fossilien zu suchen. Doch das scheint angesichts des riesigen Aufwandes und der geringen Fundausbeute (alle bislang entdeckten menschlichen Fossilien füllen nicht mal eine Schrankwand) kein lohnenswertes Geschäft.
Dr. Dave Hone hat recht. Die Fossilien sterben aus. Und da überrascht es nicht, dass die Forscher immer wieder die gleichen alten Knochen aus den Regalen holen, um sie zum x-ten Mal neu zu untersuchen. Sie haben einfach nichts Besseres. Und die Wahrscheinlichkeit, dass man in naher Zukunft noch etwas Besseres findet, wird von Tag zu Tag kleiner.
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