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Wo sich Neandertaler, Denisovas und Homo sapiens begegnet sind

Wo sich Neandertaler, Denisovas und Homo sapiens begegnet sind
Zähne und technologisch moderne Artefakte aus der Strashnaya Höhle im Altai-Gebirge, die wahrscheinlich vom frühen Homo sapiens stammen.
Foto: © Krivoshapkin et al.
MELTING POT SIBIRIEN Im Altai-Gebirge im Grenzgebiet zwischen Kasachstan, Russland und der Mongolei haben vor 40.000 Jahren Neandertaler und Denisova-Menschen über einen längeren Zeitraum Tür an Tür gelebt und gemeinsamen Nachwuchs gezeugt. Das belegen Fossilfunde und genetische Analysen aus der berühmten Denisova-Höhle. Doch russische Archäologen haben Hinweise darauf gefunden, dass es damals dort auch moderne Menschen gab.
Wie ein Forscherteam unter der Leitung von Andrey Krivoshapkin vom Institut für Archäologie an der Russischen Akademie der Wissenschaften berichten, sind sie in der nahegelegenen Strashnaya Höhle auf Knochenwerkzeuge und Fossilien gestoßen, die auf eine Besiedlung durch den modernen Menschen Homo sapiens hindeuten.

Moderne Technologien und Homo sapiens-Zähne

Die Funde stammen aus mehreren Fundschichten, die zwischen 45.000 und 20.000 Jahre alt sind. Es handelt sich um Anhänger aus Hirschzähnen, um Knochennadeln und dekorierte Knochen von Beutetieren, die auf moderne Verhaltsweisen hindeuten, wie man sie vom Homo sapiens kennt.
Außerdem haben die russischen Forscher acht Zähne gefunden, die von einem sieben bis neun Jahre alten Kind stammen. Die Morphologie dieser Zähne ähnelt Funden von der Insel Malta und 17.000 Jahre alten Zähnen aus der Fundstätte Afontova Gora. Es soll sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit den Zähnen amerikanischer Ureinwohner geben. Also wahrscheinlich Homo sapiens (eine DNA-Analyse war offenbar nicht möglich).

Melting-Pot im Altai-Gebirge

"Die Funde aus der Strashnaya Höhle sind ein klarer Beleg für das Vorhandensein modernen menschlichen Verhaltens in der Region", schreiben die russischen Forscher. Mit anderen Worten: Im Altai-Gebirge lebten vor 40.000 Jahren nicht nur Neandertaler und Denisovas, sondern auch frühe moderne Menschen.
Dies deckt sich mit einem Fossilfund aus Ust-Ischim in der Nähe von Omsk. Es handelt sich um einen Oberschenkelknochen eines modernen Menschen, der vor etwa 45.000 Jahren gelebt hat. Allerdings konnte man in der DNA dieses frühen Homo sapiens nur Neandertaler-Gene und keine Denisova-Gene nachweisen.
Es zeichnet sich mehr und mehr ab, dass das Altai-Gebirge für die jüngere Evolution des Menschen eine wichtige Rolle spielte. Die späten europäischen Neandertaler stammen von der Altai-Population ab und moderne Menschen in Melanesien besitzen Denisova-Gene. Möglicherweise war das Altai-Gebirge damals ein Melting Pot, in dem drei unterschiedliche Menschenarten gleichzeitig gelebt und sich genetisch vermischt haben.
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