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Es gibt kein Gay Gen, aber eine seltene Kombination solcher Gene

Es gibt kein Gay Gen, aber eine seltene Kombination solcher Gene
Laut Evolutionstheorie müsste die Homosexualität längst ausgestorben sein. Ist sie aber nicht. US-Genetiker glauben eine Antwort auf diese Frage gefunden zu haben.
Foto: © Amanda Downing, CC BY 2.0 Lizenz
US-Forscher haben vier Gen-Varianten entdeckt, die für homosexuelles Verhalten beim Menschen verantwortlich sein sollen. Sie befinden sich auf den Chromosomen 7, 11, 12 und 15. Die neuen Forschungsergebnisse wurden beim Jahrestreffen der American Society of Human Genetics vorgestellt.
Andrea Ganna vom Broad Institute in Cambridge und seine Kollegen haben die Daten von fast 500.000 Menschen ausgewertet, von denen sowohl Erbgut-Analysen als auch Angaben über ihr sexuelles Verhalten vorliegen. Anschließend suchten sie nach genetischen Markern, die vor allem bei Menschen mit homosexuellen Verhaltensweisen auftreten.

Sechs Prozent hatten schon gleichgeschlechtlichen Sex

Den Begriff Homosexualität haben die Forscher sehr weit gefasst. Schon ein einziger sexueller Kontakt mit dem eigenen Geschlecht wurde als homosexuelles Verhalten gewertet. Danach lebten 450.939 der Probanden ausschließlich heterosexuell, 26.890 gaben an, schon einmal gleichgeschlechtlichen Sex gehabt zu haben. Das sind etwa 6 Prozent, was sich mit bisherigen Bevölkerungsstudien deckt.
Anschließend suchten die Forscher nach Gen-Varianten, die bei Homosexuellen deutlich häufiger vorkommen als bei rein heterosexuellen Menschen. Und auf vier Chromosomen wurden sie fündig.

Es ist eine seltene Kombination seltener Gene

Zwei der entdeckten Gen-Varianten sind vor allem bei homosexuellen Männern weit verbreitet, sagen die Forscher. Eine davon befindet sich auf dem Chromosom 15. Diese Genvariante scheint auch Einfluss auf die Glatzenbildung zu haben.
Eine zweite Gen-Variante befindet sich auf Chromosom 11 und steuert die Geruchsrezeptoren. Andrea Ganna bemerkt in diesem Zusammenhang, dass der Geruchssinn großen Einfluss darauf hat, ob wir einen anderen Menschen sexuell anziehend finden oder nicht.
Fazit der Forscher: So etwas wie ein einzelnes, klar zu definierendes "Gay Gen" gibt es offenbar nicht. Das menschliche Sexualverhalten und die "Nicht-Heterosexualität" werden wahrscheinlich durch viele kleine genetische Effekte beeinflusst. Es scheint das Zusammenspiel mehrerer "abweichender" Gene zu sein, das zu homosexuellen Verhaltensweisen führt.

Auffällig viele psychische Erkrankungen

Die Forscher haben eine weitere interessante Beobachtung gemacht. Die von ihnen neu entdeckten Gen-Varianten auf den Chromosomen 7, 11, 12 und 15 scheinen auch das Risiko für psychische Erkrankungen zu erhöhen. Das gilt sowohl für Männer als auch für Frauen. Die Palette reicht von Depressionen und Schizophrenie bis hin zu bipolaren Störungen.
Allerdings glauben Andrea Ganna und seine Kollegen nicht, dass es da einen direkten Zusammenhang gibt. Ganna: "Wir nehmen an, dass Personen, die sich nicht-heterosexuell verhalten, häufiger diskriminiert werden und daher häufiger Depressionen entwickeln."

Homosexualität widerspricht Darwin's Evolutionstheorie

Bis heute ist unklar, warum es Homosexualität gibt. Denn eigentlich passt sie nicht in Darwin's Evolutionstheorie. Nicht-heterosexuelles Verhalten führt logischerweise nicht zu Nachwuchs und sollte eigentlich längst in einer evolutionären Sackgasse geendet sein. Ist es aber nicht.
Die neue Studie liefert einen interessanten Erklärungsansatz dafür, warum es beim Menschen, bei den Menschenaffen und mehreren hundert Tierarten homosexuelles Verhalten gibt. Es handelt sich um kein "Gay-Gen", das genetisch vererbt wird, sondern um das Zusammenspiel mehrerer selten auftretender Gen-Varianten. Ob man homo oder hetero ist, hängt offenbar davon ab, wieviele dieser seltenen Gene man besitzt.
Alles in allem ist anzumerken, dass die Homosexualität so gut wie unerforscht ist. Zwar fiel schon dem berühmten Aristoteles vor 2300 Jahren auf, dass weibliche Paviane Sex haben, und man weiß, dass 60 Prozent aller sexuellen Aktivitäten bei den Bonobo-Schimpansen zwischen Weibchen stattfinden, aber in den letzten Jahrzehnten hatten nur wenige Forscher den Mumm, sich mit diesem "heiklen" Thema zu beschäftigen. Insider munkeln, dass es da Vorbehalte gibt, weil man sich nicht dem Verdacht aussetzen will, Interesse an dem Thema zu haben, weil man selbst homosexuell ist.
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