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Die ältesten Fossilien eines Homo sapiens außerhalb Afrikas

Die ältesten Fossilien eines Homo sapiens außerhalb Afrikas
Dieser 175.000 bis 200.000 Jahre alte Kiefer, der in Israel gefunden wurde, soll von einem modernen Menschen stammen.
Foto: © Rolf Quam
Ein neuer Fossilfund aus Israel soll belegen, dass der moderne Mensch Homo sapiens seinen Heimatkontinent Afrika schon vor 175.000 bis 200.000 Jahren verlassen hat. Das Fossil besteht aus einem Oberkiefer mit Zähnen, den Forscher in einer Höhle entdeckt haben.

Merkmale, die man nur vom modernen Menschen kennt

Wie Studienleiter Israel Hershkovitz von der Universität Tel Aviv und Co-Autor Rolf Quam von der State University of New York berichten, weist das Fossil zwar einige Merkmale auf, die man vom Neandertaler und anderen frühen Menschenformen kennt, aber ansonsten seien der Kiefer und die Zähne eindeutig dem Homo sapiens zuzuordnen.
Das Forscherteam hat CT-Scans und virtuelle 3-D-Modelle des Kiefers erstellt und mit anderen Fossilien von Hominiden aus Afrika, Europa und Asien verglichen. Die größte Übereinstimmung gab es mit dem modernen Menschen Homo sapiens. Damit wären es die ältesten Fossilien eines modernen Menschen, die man bislang außerhalb Afrikas gefunden hat.

Kultureller und genetischer Austausch

Professor Rolf Quam: "Der Fund aus der Mislya-Höhle ist eine außergewöhnliche Entdeckung. Er beweist, dass unsere Vorfahren Afrika viel früher verlassen haben, als wir bislang dachten."
Die ursprünglichen Merkmale des Kiefers und der Zähne deuten die Forscher als Beleg dafür, dass diese ersten Auswanderer über einen längeren Zeitraum Kontakt zu anderen Menschenarten hatten und sich auch mit ihnen vermischt haben. Quam: "Damals kam es zu einem kulturellen und biologischen Austausch."
Die Interpretation der Fossilien wird natürlich für Diskussionen sorgen. Denn bislang geht man davon aus, dass der moderne Mensch Homo sapiens erst vor 200.000 Jahren entstanden ist und den östlichen Mittelmeerraum frühestens vor 100.000 Jahren erreicht hat. Allerdings rütteln Fossilien aus Marokko und Werkzeugfunde von der arabischen Halbinsel (und jetzt auch der Kiefer aus Israel) kräftig an dieser Theorie.
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Es muß eine unvorstellbare grosse Zahl von Übergangsstufen zwischen allen lebenden und ausgestorbenen Arten gegeben haben. Von ihnen fehlt fast jede Spur. Wo sind sie geblieben?
Steve Jones

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