ANTROPUS
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Der Homo sapiens breitete sich so schnell aus, weil er Angst hatte

Der Homo sapiens breitete sich so schnell aus, weil er Angst hatte
Floh der Homo sapiens vor seinen gefährlichen Nachbarn, als er sich so rasend schnell ausbreitete? Dazu gibt es eine interessante Theorie.
Symbolbild: © Pixabay, Public Domain
Der Homo erectus brauchte eine Million Jahre, um sich nach Asien und Europa auszubreiten. Der Homo sapiens schaffte das in weniger als 200.000 Jahren. Was trieb den modernen Menschen zu diesem enormen Tempo an?
Dr. Penny Spikins, eine Paläoanthropologin an der britischen Universität York, hat dazu eine interessante Theorie aufgestellt. Sie sagt: Es war die "dunkle Seite" des modernen Menschen Homo sapiens, die ihn dazu brachte, sich so schnell über alle Kontinente zu verstreuen und auch den letzten Winkel der Erde zu besiedeln.

Angst vor dem feindlichen Nachbarn

In einem interessanten Beitrag für das Fachmagazin Open Quaternary erläutert Dr. Penny Spikins diese These. Sie glaubt, dass es Gewalt und Aggressionen innerhalb der eigenen Gruppe waren, die frühe moderne Menschen dazu brachten, ihren Stammesgenossen den Rücken zuzukehren und sich ein neues Zuhause zu suchen.
Jeder Streit um eine Jagdbeute oder um eine schöne Frau konnte damals tödlich enden - ein vergifteter Speer und man war weg vom Fenster. Und bevor man sich dem Risiko aussetzte, Opfer eines solchen Konfliktes zu werden, packte man lieber seine sieben Sachen und zog von dannen.
Damals gab es wahrscheinlich viele solcher "Flüchtlinge", glaubt Penny Spikins. Und die begegneten sich dann irgendwo und bildeten neue Gemeinschaften - natürlich in sicherem Abstand zu ihren Feinden. Doch kaum war ein neuer Clan entstanden, da brachen neue Konflikte aus. Und wieder musste jemand das Weite suchen ...

Alles war besser als der Tod

Penny Spikins glaubt, dass diese Entwicklung vor etwa 100.000 Jahren begann. Das Tempo der Ausbreitung von Homo sapiens habe damals rasant zugenommen, schreibt die Forscherin. Und der moderne Mensch ließ sich dabei weder von reißenden Flüssen noch von staubtrockenen Wüsten oder von tosenden Meeren aufhalten - ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger Homo erectus, dessen Migrationsbewegungen endeten, wenn solche natürlichen Barrieren auftauchten.
Penny Spikins: "Die aktive Kolonisation von und durch hochgefährliches Terrain lässt sich allein durch pragmatische Entscheidungen nicht erklären. Es müssen starke Emotionen im Spiel gewesen sein."
Spikins' Theorie würde erklären, warum sich Menschen im eiskalten Sibirien und in der Wüste Gobi niedergelassen haben - es gibt wahrlich angenehmere Orte auf dieser Welt. Und es würde erklären, warum sich Menschen in kleine Boote setzten und stürmische Meere überquerten. Und es würde erklären, warum der Homo sapiens damals in Gebiete vordrang, in denen bereits "wilde" Neandertaler hausten. Der moderne Mensch hatte offenbar mehr Angst vor seinen mordlüsternen Artgenossen als vor dem Unbekannten. Alles war besser als der Tod, der zuhause auf einen lauerte.
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