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Der Homo naledi hatte ein winzig kleines, aber modernes Gehirn

Der Homo naledi hatte ein winzig kleines, aber modernes Gehirn
Schädelfossil eines Homo naledi. Die kleinen Menschen aus Südafrika hatten kleine, aber erstaunlich modern strukturierte Gehirne.
Foto: © John Hawks
Noch vor 350.000 bis 230.000 Jahren lebten in Südafrika kleine ursprüngliche Menschen, die mit einem extrem kleinen Gehirn (530 ccm) auskommen mussten. Und viele Forscher fragen sich: Wie ist es dieser "primitiven" Spezies gelungen, so lange zu überleben? Wie konnte sie mit Homo heidelbergensis (1200 ccm) und Homo sapiens (1350 ccm) konkurrieren? Die Antwort könnte lauten: Das Gehirn dieser Menschen war zwar klein, aber erstaunlich modern.
Als der Homo naledi vor einigen Jahren entdeckt wurde, staunten die Paläoanthropologen nicht schlecht. Das defintiv menschliche Wesen, das nur 1,50 Meter groß wurde, magere 40 Kilogramm auf die Waage brachte und ein Mini-Gehirn wie ein Australopithecus hatte, besaß auf der anderen Seite erstaunlich moderne, weil Homo sapiens-ähnliche Merkmale.

Erstaunlich modern strukturiertes Gehirn

Nun hat ein Forscherteam unter der Leitung von Ralph Holloway die Gehirnabdrücke von mehreren Naledi-Individuen untersucht. Und die Ergebnisse sind einmal mehr verblüffend. Obwohl das Gehirn des Homo naledi nur etwa ein Drittel so groß war wie das eines späten Homo erectus oder das eines Homo sapiens, weist es erstaunlich moderne Merkmale auf.
Wie die Forscher berichten, besitzt der Stirnlappen keine Kerbe mehr, wie man sie vom Australopithecus oder den Menschenaffen kennt. Und die linke und die rechte Hirnhälfte sind leicht verschoben - so wie beim modernen Menschen Homo sapiens. Kurz gesagt: Das Gehirn des Homo naledi war trotz seiner Bonsai-Größe ziemlich modern strukturiert.

Zweite Linie der menschlichen Evolution

Der Homo naledi stellt nach Ansicht des Forscherteams die alte Theorie in Frage, dass das Gehirn des Menschen im Laufe seiner Entwicklung immer komplexer und größer wurde - Menschenaffe 350 ccm, Australopithecus 450 ccm, Homo hablis 630 ccm, früher Homo erectus 900 ccm, später Homo erectus 1300 ccm, Neandertaler und moderner Mensch 1400 ccm.
Der Homo naledi scheint diesen Trend nicht mitgegangen zu sein. Er hatte ein kleines "modernes" Gehirn. Und das hatte Vorteile. Denn man muss viel Nahrung sammeln und viele Beutetiere erlegen, um ein großes Gehirn mit Energie zu versorgen.

Waren ihre Gehirne doch zu klein?

Nimmt man die geringe Körpergröße hinzu, dann scheint der Homo naledi eine Art Eco-Mensch gewesen zu sein, der von der Evolution darauf getrimmt wurde, mit möglichst wenig Ressoucen auszukommen. Und in diese Linie, die sich offenbar abseits von Homo erectus, Neandertaler und Homo sapiens entwickelte, scheinen auch der Homo floresiensis und der Homo georgicus zu passen.
Dass diese kleinen Menschenarten heute allesamt ausgestorben sind, lässt allerdings vermuten, dass ihre kleinen Gehirne vielleicht doch nicht so leistungsfähig waren wie die der "Großkopferten".
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