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Miguelon war weder Homo heidelbergensis noch Neandertaler

Miguelon war weder Homo heidelbergensis noch Neandertaler
Miguelon lebte vor 430.000 Jahren in Nordspanien. Er soll ein Homo heidelbergensis gewesen sein. Doch seine Zähne waren die eines Neandertalers.
Foto: © Dorieo, CC BY-SA 3.0 Lizenz
ZURÜCK ZU HOMO SPEC. Die 6700 fossilen Knochen von 28 Menschen, die man in der nordspanischen Höhle Sima de los Huesos (Atapuerca) gefunden hat, stammen wahrscheinlich gar nicht vom Homo heidelbergensis. Zu diesem Ergebnis kommen spanische Forscher, die Eckzähne aus der spanischen "Knochenhöhle" mit denen von Neandertalern aus Südosteuropa verglichen haben.
Die Zähne aus der Sima de los Huesos besitzen bereits alle Merkmale, die typisch für den Neandertaler sind und ihn deutlich von anderen Menschenarten unterscheiden, sagt Studienleiterin Cecilia García Campos von der "Dental Anthropology Group" des Forschungszentrums CENIEH (Centro Nacional de Investigacion sobre la Evolucion Humana).

Vergleich mit 130.000 Jahre alten Neandertaler-Zähnen

Die Sima-Fossilien wurden in den 90er Jahren entdeckt und aufgrund ihrer Anatomie und ihres Alters (430.000 Jahre) als Homo heidelbergensis klassifiziert. Der bekannteste Fund ist der eines erstaunlich gut erhaltenen Schädels (Nummer 5), den die Entdecker Miguelon getauft haben. Die Fossilien füllten damals die evolutionäre Lücke zwischen dem Homo antecessor, der vor 800.000 Jahren gelebt hat, und dem Neandertaler, der vor 200.000 Jahren entstand.
Diese Menschen gehörten nicht zu Homo heidelbergensis, sagen nun Cecilia García Campos und ihre Kollegen. Sie haben Zähne der Sima de los Huesos-Population mit 130.000 Jahre alten Neandertaler-Zähnen aus der kroatischen Krapina-Höhle verglichen.
Sowohl das obere Zahnbein (Dentin) als auch das Zahnbein der Zahnwurzel ähneln dem eines Neandertalers, sagen die spanischen Forscher. Das gleiche gilt für den sehr dünnen Zahnschmelz, der absolut typisch für die Neandertaler ist und sie von allen anderen Menschenarten unterscheidet.

Drei weitere Studien unterstützen diese Theorie

Schon im Jahr 2014 hat ein Forscherteam unter der Leitung von Juan Luis Arsuaga Zweifel geäußert, dass es sich bei den Fossilien aus der Sima de los Huesos tatsächlich um Vertreter von Homo heidelbergensis handelt. Unterstützung bekamen sie von zwei nachfolgenden Gen-Studien, die beide zu dem Ergebnis kamen, dass die Fossilien in die evolutionäre Entwicklungslinie des Neandertalers gehören.
"Unsere Zahnstudie zeigt ebenfalls, dass die Individuen aus der Sima de los Huesos sehr eng mit den Neandertalern verwandt waren und dass es eine enge Beziehung zwischen den mittelpleistozänen Homininen aus Atapuerca und den Neandertalern gibt, die später in Europa gelebt haben", sagt Cecilia García Campos.
Garcia Campos geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie glaubt, dass sich die typischen Zahnmerkmale der Neandertaler schon vor 800.000 Jahren beim Homo antecessor entwickelt haben. Damit wäre der Homo heidelbergensis als Vorfahre des Neandertalers aus dem Rennen.

Der gute Miguelon ist nun ein Homo spec.

Die neue Studie wirft natürlich viele Fragen auf. Gab es schon vor 430.000 Jahren frühe Neandertaler? Haben direkte Vorfahren der Neandertaler und der Homo heidelbergensis längere Zeit Seite an Seite gelebt? Oder existierte parallel zum Homo heidelbergensis (500.000 - 300.000 Jahre) eine zweite europäische Menschenart, die sich zum Neandertaler weiterentwickelt hat? Bislang dachte man, dass der Homo heidelbergensis der Vorfahre des Neandertalers war.
Immer mehr Forscher sagen: Die Fossilien aus Nordspanien waren kein Homo heidelbergensis, aber auch noch keine richtigen Neandertaler. Der gute Miguelon ist zum Homo spec. geworden - zu einer unbekannten Menschenart.
Und das hat Konsequenzen. Schließlich repräsentieren die spanischen Funde etwa 90 Prozent aller Fossilien aus dem mittleren Pleistozän. Wahrscheinlich gehören alle Fossilien aus Europa, die man bislang dem Homo heidelbergesis zugeordnet hat, noch einmal auf den Prüfstand.
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Es ist absurd und absolut unsinnig zu glauben, dass eine lebendige Zelle von selbst entsteht. Aber dennoch glaube ich es, denn ich kann es mir nicht anders vorstellen.
Ernest Kahane

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