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DER WEBLOG über die Evolution des Menschen
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Stand die Wiege der Menschheit gar nicht in Afrika sondern in Europa?

Stand die Wiege der Menschheit gar nicht in Afrika sondern in Europa?
Vor 7 bis 5 Millionen Jahren sollen im europäischen Mittelmeerraum aufrecht gehende Hominiden gelebt haben. Darf das sein?
Symbolbild
Die Wiege der Menschheit stand in Afrika, ist doch ganz klar. Doch so ganz klar ist die Sache nicht mehr. Denn zwei Funde aus dem Mittelmeerraum rütteln an dieser Theorie.
Kehren wir mal kurz ins Jahr 1923 zurück. Damals waren die Paläoanthropologen noch fest davon überzeugt, dass der Mensch in Asien oder Europa entstanden sein musste. Eugene Dubois hatte in Asien den Homo erectus entdeckt, Deutschland feierte seinen Neandertaler, Frankreich hatte den Cro Magnon Menschen und England den Piltdown-Schädel (der sich später leider als Fälschung entpuppte).

Afrika? Wo bitte liegt Afrika?

Alles deutete darauf hin, dass der Mensch irgendwo auf der Linie London-Jakarta entstanden sein musste. Von Afrika war keine Rede. Doch nur ein Jahr später, 1924, fand Raimond Dart in Südafrika den ersten Australopithecus. Und obwohl schnell weitere Hominiden-Funde folgten, dauerte es Jahrzehnte, bis auch dem letzten Zweifler klar wurde, dass man schwer daneben gelegen hatte. Die Wiege der Menschheit stand definitiv nicht in Europa oder Asien, sondern auf dem schwarzen Kontinent.
Warum diese Geschichte? Weil sie deutlich macht, dass die wenigen Fossilien, die man bislang gefunden hat (alle Schädel, Knochen und Zähne würden locker in eine solide deutsche Schrankwand passen), zu Schnellschüssen und Fehlinterpretationen verleiten. Und deshalb sollten die Paläoanthropologen offen für Neues sein - auch wenn es der gängigen Lehrmeinung widerspricht.

Hominiden im Mittelmeerraum

Womit wir beim eigentlichen Thema wären. Deutsche Forscher haben in Rumänien und Griechenland Zähne gefunden, die von einem aufrecht gehenden Hominiden stammen (sollen). Die Fossilien sind 7,2 Millionen Jahre alt und damit älter als alle afrikanischen Funde. Und die Forscher haben sich erdreistet, eine provokante Frage zu stellen: Wäre es möglich, dass sich der ersten Hominide gar nicht in Afrika sondern im Mittelmeerraum entwickelt hat?
Unterstützung bekommen die deutschen Forscher von Wissenschaftlern der schwedischen Universität Uppsala. Denn die haben auf der Mittelmeerinsel Kreta 50 versteinerte Fußspuren ausgegraben, die ebenfalls von einem aufrecht gehenden Hominiden stammen (sollen). Und auch diese Funde sind sehr alt - 5,7 Millionen Jahre.

Alles Kokolores, oder was?

Sollte sich die wissenschaftliche Interpretation dieser Funde bestätigen, dann haben vor 7 bis 5 Millionen Jahren nicht nur in Afrika südlich der Sahara aufrecht gehende Hominiden gelebt, sondern auch im heutigen Mittelmeerraum. Und da scheint die Frage legitim: Ja, wo hat sich denn nun der Mensch auf seine Hinterbeine gestellt?
Das wissenschaftliche Establishment ist natürlich skeptisch. Schließlich wird da an einer Theorie gerüttelt, die sich nicht nur über Jahrzehnte bewährt hat, sondern auch ganz wunderbar zum Zeitgeist passt - Wir alle waren mal Afrikaner. Aber (siehe oben) man sollte immer offen für Neues sein. Schließlich hat sich schon so manche Theorie über die Entstehung des Menschen als das entpuppt, was der Volksmund salopp als Kokolores bezeichnet.
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