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Dass auch Fossil Luzia ein Opfer der Flammen wurde, ist ein Skandal

Dass auch Fossil Luzia ein Opfer der Flammen wurde, ist ein Skandal
Der Grossbrand im brasilianischen Nationalmuseum hat auch einen bedeutenden Fossilfund zerstört - Luzia, die älteste bislang entdeckte Südamerikanerin.
Foto: © Universität Manchester
In Rio de Janeiro ist das brasilianische Nationalmuseum komplett ausgebrannt. Und wahrscheinlich ist auch das berühmte Fossil Luzia ein Opfer der Flammen geworden. Ein großer Verlust für die paläoanthropologische Forschung.
Luzias Skelett wurde 1975 von französischen und brasilianischen Forschern unter der Leitung von Annette Laming-Emperaire entdeckt. Eine Datierung hat ergeben, dass die junge Frau vor etwa 11.500 Jahren gelebt hat. Zusammen mit dem Kennewick Man und der La Brea Woman gehört Luzia zu den wichtigsten menschlichen Fossilfunden auf amerikanischen Boden.

CNN meldet die Zerstörung der Fossilien

Noch ist unklar, ob Luzia wirklich zu den "Opfern" des Großbrandes in Rio de Janeiro gehört, doch US-Sender CNN meldet, dass nur wenige der insgesamt 20 Millionen Artefakte und Fossilien vor den Flammen gerettet werden konnten. Und Luzia soll nicht dazugehören.
Die Empörung in Brasilien ist riesig, denn man wirft den Verantwortlichen und vor allem der Regierung vor, aus Kostengründen den Brandschutz vernachlässigt zu haben. Auf Plakaten, die bei spontanen Demonstrationen hoch gehalten wurden, war zu lesen: "Ihr habt unser kulturelles Erbe zerstört."

Wer war Luzia und woher kam sie?

Wer Luzia war und wie sie nach Amerika gelangt ist, konnte bislang nicht geklärt werden. Einige Forscher glauben, dass sie eine Nachfahrin jener Asiaten war, die vor 14.000 Jahren die Beringstraße überquert und danach Amerika besiedelt haben.
Auf der anderen Seite weist Luzia's Schädel anatomische Merkmale auf, die auch von Negritos, Melanesiern oder australischen Aborigines stammen könnten. Und so ist Richard Neave von der Universität Manchester, der eine Gesichtsrekonstruktion von Luzia angefertigt hat (Foto oben), davon überzeugt, dass Luzia keine asiatischen Vorfahren hatte, sondern wahrscheinlich über den Südpazifik nach Amerika gelangt ist.
Forensiker haben herausgefunden, dass Luzia nur 1,50 Meter groß war und im Alter von 20 bis 25 Jahren zu Tode kam. Wie das geschah, ist schwer zu sagen. Möglicherweise war es ein Unfall oder sie wurde von einem Raubtier angegriffen. Fest steht nur, dass sie einen einsamen Tod starb, denn man hat außer Luzia's Teilskelett keine weiteren menschlichen Fossilien finden können.

Großer Verlust für die Forschung

Sollten Luzia's Überreste wirklich zerstört worden sein, dann hat die Paläoanthropologie einen enorm wichtigen Fund verloren - vergleichbar mit der afrikanischen Lucy oder dem im Landesmuseum Bonn aufbewahrten "Alten Mann aus dem Neanderthal". Denn Luzia's Überreste hätten dank neuer Forschungsmethoden noch wichtige Hinweise darauf liefern können, wie und wann Amerika vom Homo sapiens besiedelt wurde.
Der Großbrand im brasilianischen Nationalmuseum sollte überall auf der Welt die Alarmglocken klingeln lassen, denn dass derart bedeutende Kulturschätze der Menschheit zerstört werden, nur weil Regierungen meinen, beim Brandschutz sparen zu müssen, während sie den internationalen Großkonzernen praktisch Steuerfreiheit gewähren, kann einfach nicht sein.
Und so ist es kein Wunder, dass sich vor dem zerstörten Nationalmuseum in Rio de Janeiro die Menschen versammeln und gemeinsam rufen: "Weg mit Temer!" Brasiliens unter Korruptionsverdacht stehender Präsident Michel Temer reagierte auf seine Weise. Er schickte Polizei, die Tränengas gegen die Demonstranten einsetzte.
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