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Alle heutigen Männer stammen von wenigen Krieger-Clans ab

Alle heutigen Männer stammen von wenigen Krieger-Clans ab
Durchlief die Menschheit vor 7000 Jahren einen genetischen Flaschenhals, weil die Menschen anfingen, Krieg gegeneinander zu führen?
Symbolbild
Vor 7000 bis 5000 Jahren durchlief die Menschheit einen genetischen Flaschenhals. Die Variabilität der Gene - und zwar vor allem die der Männer - nahm rapide ab. Der genetische Kollaps war so gewaltig, als hätten sich damals 17 Frauen einen Mann teilen müssen.
Man bezeichnet diesen Umbruch als Neolithischen Y-Chromosom-Flaschenhals. Und bis heute ist unklar, warum damals so viele männliche Gen-Linien ausgestorben sind. Forscher der amerikanischen Stanford Universität bieten nun eine Erklärung für diesen Chromosomen-Holocaust an.

Alle Männer eines Stammes waren eng verwandt

Es lag an den Clan-Strukturen der damaligen Zeit, sagen die US-Forscher. Die Clans (in Europa würden wir wohl Stämme sagen) bestanden vorwiegend aus Männern, die eng miteinander verwandt waren - Großvater, Vater, Enkel, Urenkel, Onkels und Neffen. Aufgefrischt wurde der Gen-Pool ausschließlich durch Frauen, die in die Clans "einheirateten". Doch Frauen vererben keine Y-Chromosomen. Die werden ausschließlich vom Vater an den Sohn weitergegeben.
Durch die abgeschotteten Clan-Strukturen besaßen alle Männer eines Stammes nahezu identische Y-Chromosomen. Sie waren sich sehr ähnlich. Umso größer waren die Unterschiede zwischen den Männern verschiedener Clans. Sie besaßen sehr unterschiedliche Y-Chromosomen. Es gab also genetische Vielfalt, aber nicht innerhalb der Clans.

Flaschenhals durch Krieg der Clans

Mit mathematischen Modellen und Computersimulationen haben die Stanford-Forscher analysiert, warum vor 7000 Jahren die genetische Vielfalt des Mannes so rapide abnahm. Und das Ergebnis lautet: Weil es die ersten "Kriege" gab. Die Clans kämpften erstmals um Lebensraum und Ressourcen. Und wenn die Männer eines Clans im Kampf getötet wurden, dann starb ihre genetische Linie komplett aus. Es gab einfach keine Onkels oder Cousins in anderen Clans, die Kinder zeugen konnten.
Vor 7000 bis 5000 Jahren nahm die genetische Vielfalt des Mannes rapide ab, sagen die Forscher. Und wir alle Stammen von den wenigen Clans ab, die das große Morden überlebt haben. Positiv könnte man sagen: Wir alle sind Nachfahren von Siegertypen - Survival of the Taffest. Weniger positiv lautet die Botschaft: Die Gene der harten, brutalen Männer haben sich durchgesetzt. Was so manches erklärt, was in den darauffolgenden 5000 Jahren passiert ist.

Wenn Gene einfach so verschwinden

Genetische Flaschenhälse sind keine Seltenheit. Auch die Menschheit hat schon mehrere durchlaufen. Den ersten gab es vor 1,2 Millionen Jahren, als es zu dramatischen Klimaveränderungen kam. Damals haben wahrscheinlich nur knapp 20.000 Menschen überlebt, die zu den direkten Vorfahren des Homo sapiens gehören.
Ein weiterer genetischer Kahlschlag ereignete sich vor 120.000 Jahren in Afrika. Eine Jahrtausende andauernde Kältewelle löschte fast alle Menschen aus. Nur wenige hundert Individuen sollen damals überlebt haben.
Ebenfalls zu einem genetischen Flaschenhals führte der Ausbruch der Super-Vulkans Toba vor 75.000 Jahren. Die Aschewolken dieser gewaltigen Eruption verdunkelten den Himmel für Jahrtausende und löschten erneut große Teile der Menschheit aus.
Eines haben all diese genetischen Flaschenhälse gemeinsam. Sie wurden durch Naturkatastrophen ausgelöst. Doch die Clan-Kriege, die vor 7000 Jahren begannen, scheinen der erste genetische Flaschenhals gewesen zu sein, für den der Mensch selbst verantwortlich war.
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