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Hybriden: (Un)Heimliche Begegnung mit einer vierten Menschenart

Hybriden: (Un)Heimliche Begegnung mit einer vierten Menschenart
Jaume Bertranpetit und Oscar Lao haben genetische Spuren einer weiteren Menschenart entdeckt, mit der sich der Homo sapiens in Asien und Ozeanien vermischt haben soll.
Fotomontage: © Pilar Rodriguez, CC BY-NC / Antropus Lizenz
TRIPLE HYBRIDEN Als der moderne Mensch Afrika verließ und sich nach Asien und Europa ausbreitete, hat er sich nicht nur mit den Neandertalern und den Denisova-Menschen vermischt, sondern auch mit einer dritten bislang unbekannten menschlichen Spezies.
Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Gen-Studie, die Forscher des Institute of Evolutionary Biology, des Centro Nacional de Analisis Genomico (beide Spanien) und der Universität Tartu (Estland) im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht haben.

Drittes Vermischungsereignis

Jaume Bertranpetit, Oscar Lao und Mayukh Mondal sind im Erbgut heutiger Asiaten und Ozeanier auf Gene gestoßen, die vermuten lassen, dass es in den letzten 50.000 Jahren nicht nur den Homo sapiens, den Neandertaler und die Denisovas gab, sondern auch noch eine vierte Menschenart.
Studienleiter Jaume Bertranpetit: "Vor etwa 80.000 Jahren begann das sogenannte 'Out of Africa', als afrikanische Populationen, die ausschließlich aus modernen Menschen bestanden, den afrikanischen Kontinent verließen und sich auf andere Kontinente ausbreiteten. Wir wissen, dass sie sich dort mit den Neandertalern und den Denisovas vermischt haben."
Bertranpetit weiter: "Schon seit geraumer Zeit wird vermutet, dass es möglicherweise ein drittes Vermischungsereignis mit einer weiteren Spezies gab. Aber bislang konnte das nicht mit Gewissheit nachgewiesen werden."

Gen-Sequenzen wie im Altai-Gebirge

Das scheint den spanischen und estnischen Genetikern nun gelungen zu sein. Dank künstlicher Intelligenz und ausgeklügelter Computer-Algorithmen (Bayes-Statistik) sind sie im Erbgut heutiger Asiaten und Ozeanier auf Gen-Sequenzen gestoßen, die weder vom Neandertaler noch vom Denisova-Menschen stammen, sondern - ihrer Merinung nach - von einer bislang unbekannten vierten Menschenart.
Die Gene, die die Forscher im Erbgut von Asiaten und Ozeaniern nachgewiesen haben, stimmen mit einer DNA-Probe aus dem Altai-Gebirge überein, die von einem Neandertaler-Denisova-Mischling stammt. Der Vater dieses Mischlings war allerdings kein reinrassiger Denisova, sondern seine Vorfahren hatten sich bereits mit den Neandertalern vermischt - so die Theorie.

Die Gene stammen von einer vierten Art

Die spanischen und estnischen Forscher sehen das anders. Sie sind davon überzeugt, dass die ungewöhnliche Gen-Kombination aus dem Altai-Gebirge kein Einzelfall war, sondern dass die Fremd-DNA von einer bislang unbekannten menschlichen Spezies stammt, die damals in Asien und Ozeanien weit verbreitet war.
Die "vierte Art" könnte durch die Vermischung von Neandertaler und Denisova-Mensch entstanden sein, spekulieren die Forscher. Oder sie hat sich schon vor langer Zeit von der Linie der Denisovas abgespalten.
Gab es also in den letzten 50.000 Jahren nicht nur Homo sapiens, Neandertaler und Denisovas, sondern noch eine vierte Menschenart? Möglich wäre es. Schließlich hat man den Denisova-Menschen auch erst im Jahr 2010 entdeckt.
Allerdings räumt Mayukh Mondal von der Universität Tartu ein, dass die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind. Mondal: "Deshalb können wir andere Erklärungen zurzeit nicht ausschließen."
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EVOLUTION & MEINUNG

Der Nachweis der Evolution ist nach wie vor erstaunlich lückenhaft. Ironischerweise haben wir im Hinblick auf evolutionäre Zwischenstufen heute sogar weniger vorzuweisen als zu Darwins Zeiten.
David M. Raup

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