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Die ersten Amerikaner haben in Kanada ihre Fußspuren hinterlassen

Die ersten Amerikaner haben in Kanada ihre Fußspuren hinterlassen
Forscher haben in Kanada 13.000 Jahre alte Fußabdrücke freigelegt. Haben sich die ersten Amerikaner mit Booten ausgebreitet?
Foto: © Joanne McSporran
Vor etwa 15.000 Jahren gelangte der Homo sapiens über die Beringstraße von Sibirien nach Amerika. Dafür nutzte er eine Landbrücke, die sich während der letzten Eiszeit zwischen den beiden Kontinenten gebildet hatte. Und schon seit geraumer Zeit diskutieren die Forscher darüber, welche Route der Mensch anschließend nahm, um Amerika zu besiedeln.
Einige Forscher glauben, dass der Homo sapiens sich durchs Landesinnere ausbreitete (Clovis-Theorie). Sie begründen das mit 11.000 Jahre alten Werkzeugfunden und Pfeilspitzen, die man an vielen Orten in Nord- und Südamerika entdeckt hat. Andere Forscher bevorzugen die Küsten-Theorie. Der Mensch soll Boote genutzt und sich entlang der Küstenregionen ausgebreitet haben.

29 Fußspuren von drei Menschen

Bislang gab es für die Küsten-Theorie kaum handfeste Beweise, denn der Meeresspiegel war während der letzten Eiszeit deutlich niedriger als heute. Die damaligen Küstenregionen befinden sich heute tief im Meer - fast unmöglich, da etwas zu finden. Doch jetzt haben kanadische Anthropologen eine überraschende Entdeckung gemacht. An der Westküste Kanadas sind sie auf versteinerte Fußspuren gestoßen.
Wie ein Forscherteam unter der Leitung von Duncan McLaren von der Universität Victoria im Fachjournal PLOS One berichtet, haben sie an der Pazifikküste von British Columbia (Kanada) 29 versteinerte Fußspuren entdeckt, die von zwei Erwachsenen und einem Kind stammen. Und eine Radiokarbondatierung hat ergeben, dass diese Fußspuren wahrscheinlich 13.000 Jahre alt sind.

Zwei Besiedlungswellen?

"Diese Fußabdrücke sind ein ziemlich überzeugender Beweis dafür, dass es damals Seefahrer gab, die am Ende der letzten großen Eiszeit an der Westküste Kanadas gelebt haben", sagt Studienleiter Duncan McLaren. Und er hält es für ziemlich wahrscheinlich, dass sich diese Menschen später mit ihren Booten in Richtung Süden ausgebreitet haben.
Ist die Küsten-Theorie damit bewiesen? Stammen die 2000 Jahre jüngeren Clovis-Funde von Menschen, die das Landesinnere erst besiedelten, nachdem sie mit ihren Booten weit in Richtung Süden vorgedrungen waren?
Es gibt Forscher, die sehen die Sache ganz pragmatisch. Sie glauben, dass sowohl die Clovis- als auch die Küsten-Theorie richtig sind. Die ersten asiatischen Einwanderer sollen vor 15.000 Jahren die Küstenroute genommen haben. Doch vor 11.500 Jahren gab es eine zweite und deutlich größere Ausbreitungswelle, die durchs Landesinnere erfolgte. Das nennt man wohl zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen.

Die Vorfahren aller indigenen Amerikaner

Ob die Menschen, die vor 15.000 Jahren aus Sibirien kamen, wirklich die ersten Amerikaner waren, ist umstritten. Es gibt Werkzeug- und Fossilfunde aus Südamerika, die bis zu 30.000 Jahre alt sein sollen (Chile, Brasilien). Daher glauben einige Forscher, dass zumindest Südamerika deutlich früher besiedelt wurde - und zwar von Menschen, die mit Schiffen aus Mikronesien, Melanesien oder Australien (Südpazifik) kamen.
Allerdings kann man davon ausgehen, dass diese frühen Siedler - so es sie denn gegeben hat - bereits wieder ausgestorben waren, als die ersten "Asiaten" den amerikanischen Kontinent erreichten. Gen-Analysen haben nämlich ergeben, dass alle indigenen Völker Amerikas von jenen Menschen abstammen, die vor 15.000 Jahren die Beringstraße überquerten.
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