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Luzia's Fossilien sind beschädigt, aber zu 80 Prozent erhalten

Luzia's Fossilien sind beschädigt, aber zu 80 Prozent erhalten
Das Ausgrabungsteam präsentiert einige Überreste von Luzia, die kein Opfer der Flammen wurden. Nun hofft man, zumindest den Schädel des Fossils rekontruieren zu können.
Foto: © SeasSoul, CC BY SA 4.0 Lizenz
"Luzia lebt", verkündete gestern Alexander Kellner, der Direktor des brasilianischen Nationalmuseums in Rio. Man hat in den Trümmern des im September total ausgebrannten Gebäudes 80 Prozent des kostbaren Fossils identifizieren und einsammeln können.
Natürlich befinden sich Luzia's Überreste nach dem verheerenden Großbrand in keinem guten Zustand. Der Schädel ist durch die Hitze geborsten und fragmentiert, viele Knochen weisen Beschädigungen und Brandspuren auf. Dennoch ist die Museumsleitung optimistisch, zumindest Luzias Schädel rekonstruieren zu können - auch wenn bislang unklar ist, wie das finanziert werden soll.

Ein sehr bedeutender Fossilfund

Luzia gehört zu den ältesten und wichtigsten menschlichen Fossilien, die man in Südamerika entdeckt hat. Die versteinerten Knochen stammen von einer nur 1,50 Meter kleinen und etwa 20 Jahre alten Frau, die vor ca. 11.240 bis 11.700 Jahren im heutigen Brasilien gelebt hat.
Luzia gibt den Forscher nach wie vor Rätsel auf. Zum einen, weil sie ungewöhnlich alt ist und eine erstaunliche frühe Besiedlung Südamerikas dokumentiert. Zum anderen, weil sie negroide Züge aufweist, die so gar nicht zur Theorie passen wollen, dass Amerika von Sibirien aus besiedelt wurde.
Luzia hat anatomisch mehr Ähnlichkeit mit frühen Menschenformen aus Afrika und Australien als mit sibirischen Eiszeit-Jägern. Möglicherweise gehörte sie zu einer Population, die schon in Südamerika lebte, lange bevor die ersten Asiaten die Beringstraße überquerten.

Rekonstruktion ist eine Frage des Geldes

Dass Luzia den verheerenden Großbrand überlebt hat, verdankt sie ihrem Aufbewahrungsort. Die Fossilien befanden sich nämlich nicht nur in einem gut isolierten Schrank, sondern auch in einer Metallbox.
Archäologin Claudia Rodrigues, die das Ausgrabungsteam leitet: "Die Stücke haben sich verändert, sind beschädigt, aber wir sind optimistisch in Bezug auf den Fund und alles, was er repräsentiert."
Museumsleiter Alexander Kellner hofft, dass zumindest Luzia's Schädel rekontruiert werden kann. Ob und wann das stattfindet, ist allerdings unklar, denn bislang fehlen dafür die finanziellen Mittel. Kellner: "Wir kämpfen im Kongress für das Budget."
Die brasilianische Regierung wurde nach dem Großbrand im Nationalmuseum heftig kritisiert. Denn man hatte der bedeutenden Sammlung (20 Millionen Fossilien) die Mittel zusammengestrichen und den Brandschutz vernachlässigt. Tausende Menschen gingen nach dem verheerenden Feuer auf die Straße und riefen: "Ihr habt unser kulturelles Erbe zerstört!"
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Darwin konsequent gedacht. Vielleicht stammt ja der Affe vom Menschen ab.
Paulus Terwitte

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