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Diese Knochen wurden schon vor 115.000 Jahren als Werkzeuge genutzt

Diese Knochen wurden schon vor 115.000 Jahren als Werkzeuge genutzt
Diese "weichen Hämmer" haben kanadische Forscher in China ausgegraben. Sie bestehen aus Tierknochen und sind bis zu 115.000 Jahre alt.
Foto: © Doyon et al., PloS ONE
Kanadische Paläoanthropologen haben in China sieben Werkzeuge aus Tierknochen gefunden, die man auf ein Alter von 105.000 bis 115.000 Jahre datiert hat. Damit sind sie stolze 70.000 Jahre älter als alle bisherigen Knochenfunde dieser Art in Ostasien.
Wie Dr. Luc Doyon und seine Kollegen von der Universität Montreal im Fach-Journal PLoS ONE berichten, handelt es sich bei den Artefakten um sogenannte "Retouchers" - also um Tierknochen, die frühe Menschenformen genutzt haben, um Steinabschläge (Faustkeile, Flakes) herzustellen oder Steinwerkzeuge nachzubearbeiten. Man bezeichnet solche Werkzeuge aus Tierknochen auch als "weiche Hämmer".

Früher Einsatz von Tierknochen

"Auf den Knochen gefundene Gebrauchsspuren zeigen, dass im frühen Spätpleistozän in China Menschen gelebt haben, die mit den mechanischen Eigenschaften von Knochen vertraut waren und wussten, wie man sie nutzt, um aus Steinen Werkzeuge herzustellen", schreiben Doyon und seine Kollegen in ihrer Studie.
Um welche Menschenart es sich dabei handelte, ist allerdings unklar. Zwei unvollständige menschliche Schädel, die ganz in der Nähe ausgegraben wurden, weisen Neandertaler-Merkmale auf. Das würde zeitlich passen. Aber die Neandertaler haben - soweit wir zurzeit wissen - Ostasien nie erreicht.
Die kanadischen Forscher vermuten deshalb, dass es sich um eine Menschenart handeln muss, die sich auf dem Weg nach Asien mit den Neandertalern vermischt hat. In Frage kämen also der Homo sapiens und die geheimnisvollen Denisovas - oder eine bislang unbekannte Menschenform.

Drei Typen von Retouchers

Doyon und sein Team haben drei verschiedene Typen dieser Retouchers identifizieren können.
- Typ 1 bestand aus den Fußknochen von Landwirbeltieren und wurde zur Nachbearbeitung von Steinwerkzeugen eingesetzt.
- Typ 2 bestand aus Fragmenten langer Schenkelknochen, wie sie entstehen, wenn man große Beutetiere zerlegt. Mit ihnen wurden Steinwerkzeuge geschärft.
- Typ 3 stammt aus dem Geweih eines Hirsches. Mit diesen Knochen wurden Steinrohlinge aufgespalten, um scharfkantige Klingen zu erhalten.
Da alle Tierknochen in der Nähe einer Wasserstelle gefunden wurden, nehmen die Wissenschaftler an, dass der Mensch diesen Ort regelmäßig nutzte, um Beutetiere zu zerlegen.

Umstrittene frühe Funde

Seit wann der Mensch Tierknochen als Werkzeuge nutzt, ist in der Fachwelt umstritten. Es gibt sehr alte Fossilien aus Afrika, die von frühen Forscher-Ikonen wie Raymond Dart als Knochenwerkzeuge interpretiert wurden. Doch dann hat man festgestellt, dass Hyänenbisse ganz ähnliche Spuren auf fossilen Knochen hinterlassen, die von Werkzeuggebrauch praktisch nicht zu unterscheiden sind.
Relativ sicher belegt ist der Einsatz von Knochenwerkzeugen erst ab der Zeit des Mousterien (120.000 Jahre). So hat man in Frankreich die Schädelkalotte eines Neandertalers gefunden, die genutzt wurde, um Feuersteine zu bearbeiten. Und im deutschen Rhede wurde ein 80.000 Jahre alter Faustkeil ausgegraben, der komplett aus Mammut-Elfenbein bestand.
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