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Im Armageddon aus der Bibel gab es vor 3.500 Jahren sogar Vanille
Foto: © Avram Graicer, CC BY-SA 3.0 Lizenz

Im Armageddon aus der Bibel gab es vor 3.500 Jahren sogar Vanille

Die meisten Menschen stellen sich das biblische Armageddon, wo laut Offenbarung des Johannes die letzte Schlacht zwischen Gut und Böse ausgetragen wird, als finsteren Ort vor. Doch das wahre Armageddon (abgeleitet von Har Megiddo) war eine florierende bronzezeitliche Stadt, wo mit exotischen Waren gehandelt wurde und Menschen aus weit entfernten Regionen lebten.
Ist das Armageddon aus der Bibel frei erfunden oder gibt es ein reales Vorbild? Die Forscher sind sich da nicht einig. Allerdings glauben viele Archäologen, dass der Apostel Johannes eine reale Stadt in Sinn hatte, als er seine Offenbarung über die Apokalypse niederschrieb. Es soll sich um die archäologische Fundstätte Megiddo (Foto oben) im Norden Israels handeln, deren älteste Siedlungsspuren bis in die Neolithische Periode zurückreichen und die im 6. Jahrhundert v. Chr. aufgegeben wurde, als die Perser die Region eroberten.

Zuwanderer aus dem Kaukasus und moderne Medizin

Seine Blütezeite hatte Megiddo in der Bronzezeit, also vor ungefähr 3500 Jahren. Und aus dieser Zeit stammen auch mehrere Gräber, die amerikanische und israelische Archäologen im Jahr 2016 entdeckt haben. Und nach zwei Jahren Forschungsarbeit präsentierten sie erste Ergebnisse ihrer Untersuchungen beim Jahrestreffen der "American Schools of Oriental Research" in Denver.
Die Bewohner von Megiddo müssen Kontakt zu viel weiter entfernten Regionen gehabt haben, als man bislang dachte, sagt das Forscherteam. DNA-Analysen haben nämlich ergeben, dass drei Menschen, deren Fossilien man in den Gräbern gefunden hat, aus der Kaukasus-Region stammen. Sie müssen also mehr als 1300 Kilometer zurückgelegt haben, um nach Megiddo zu gelangen. Entweder waren es Migranten, die vom Wohlstand der Stadt angezogen wurden, oder Händler, die dort verstorben sind.
Ebenfalls bemerkenswert ist die Entdeckung eines Mannes, der offenbar am Schädel operiert wurde und noch eine Weile lebte, bevor er starb. Die Forscher vermuten, dass es in Megiddo schon in der Bronzezeit eine fortschrittliche Medizin gab.

Wie kam die Vanille nach Megiddo?

Doch der eigentliche Knaller folgte am Schluss. Studienleiterin Vanessa Linares von der Universität Tel Aviv und ihre Kollegen gaben bekannt, dass sie in drei Krügen, die als Grabbeigaben dienten, Spuren von Vanille gefunden haben. "Das war wirklich ein Schock", sagt Vanessa Linares.
Warum? Weil man bislang dachte, dass die Azteken die Vanille erfunden haben und dass sie erst im 16. Jahrhundert mit den spanischen Eroberern nach Europa gelangt ist. Die Spanier verfügten mehr als 200 Jahre über ein Vanille-Monopol, was darauf schließen lässt, dass die Pflanze im Rest der Welt unbekannt war.
Die Funde aus den Megiddo-Gräbern belegen nun, dass man die Vanille schon vor 3500 Jahren kannte. Eine kleine Sensation. Wahrscheinlich wurde sie aus Indien importiert, vermutet das Forscherteam. Was bedeuten würde: Nicht die Azteken haben die Vanille domestiziert, sondern die Inder. Allerdings scheint dieses Wissen mit dem Untergang der Indus-Kultur wieder verloren gegangen zu sein.

Zahlreiche blutige Schlachten

Die Stadt Megiddo existierte rund 4000 Jahre und war zu ihrer Blütezeit eine bedeutende Handesmetropole, deren Kontakte bis nach Südasien reichten und die Menschen aus weit entfernten Regionen anlockte. Und da fragt man sich, warum der biblische Johannes in seiner Offenbarung ausgerechnet Megiddo (Har Megiddo = Armageddon) auswählte, um dort die letzte Schlacht der Apokalypse stattfinden zu lassen.
Eine Erklärung könnte sein, dass Megiddo nicht nur ein wichtiger Handelsposten war, sondern auch strategische Bedeutung hatte. Ganz in der Nähe befindet sich ein Pass, der durch das Karmel-Gebirge führt. Wer ihn kontrolliert, hat große Macht. Und so fanden dort im Laufe der Jahrtausende zahlreiche verlustreiche Schlachten statt, an denen Kanaaniter, Ägypter, Aramäer und Assyrer beteiligt waren.
Sogar im 1. Weltkrieg und im sogenannten Palästinakrieg wurde auf dem Boden von Megiddo noch gekämpft. Die Briten besiegten dort 1918 die Truppen des Osmanischen Reiches und israelische Einheiten griffen dort 1948 Stellungen der arabischen Invasoren an.
Salopp könnte man sagen: Der Boden rund um Megiddo ist mit Blut getränkt. Insofern lag der gute Johannes vielleicht gar nicht so falsch, als er Megiddo zum apokalyptischen Armageddon machte.
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Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen.
Richard Dawkins

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