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Sensationsfund in Algerien. Die Ostafrika Theorie wackelt gewaltig

Sensationsfund in Algerien. Die Ostafrika Theorie wackelt gewaltig
Dieses Oldowan-Werkzeug aus Algerien ist 2,4 Millionen Jahre alt und rüttelt an der Theorie, dass sich der Mensch in der Südhälfte Afrikas entwickelt hat.
Foto: © Sahnouni et al
SPEKTAKULÄR ALT Die Wiege der Menschheit wackelt mal wieder. Spanische Paläoanthropologen haben in Algerien Steinwerkzeuge und Tierknochen mit Schlachtspuren ausgegraben, die bis zu 2,4 Millionen Jahre alt sind. Die neuen Funde sind damit beinahe genauso alt wie die ältesten Werkzeug-Artefakte und Tierfossilien mit Bearbeitungsspuren aus Ostafrika.
Damit scheint klar, dass in der Zeit vor 2,0 Millionen Jahren nicht nur in Ost- und Südafrika Hominiden gelebt haben, sondern auch in Nordafrika - eine riesige Überraschung. Ob es sich bei diesen Hominiden um letzte Vertreter des Australopithecus, um frühe Menschenarten wie Homo rudolfensis oder Homo habilis oder gar um einen frühen Homo erectus handelte, ist unklar, denn menschliche Fossilien haben die Forscher nicht finden können.

Waren es Nachfahren der berühmten Lucy?

Für Studienleiter Mohamed Sahnouni vom "Centro Nacional de Investigacion sobre la Evolucion Humana" in Burgos sind die neuen Funde keine große Überraschung. Schließlich hat man den ältesten Vertreter des menschlichen Stammbaums, den 7 Millionen Jahre alten Sahelanthropus, im Tschad entdeckt. Und von dort sind es nur 2200 Kilometer nach Nordafrika, während Ostafrika 2400 Kilometer entfernt liegt.
Sileshi Semaw, Co-Autor der Studie, kann sich durchaus vorstellen, dass die Steinwerkzeuge und geschlachteten Tiere von Nachfahren der berühmten Lucy stammen. Der Australopithecus afarensis könnte vor 3,2 die Sahara durchquert und sich in Nordafrika ausgebreitet haben.

Oldowan-Technologie und Tierfossilien

Die Steinwerkzeuge gehören nach Angaben des Forscherteams zur sogenannten Oldowan-Kultur. Dabei handelt sich um noch recht einfach bearbeitete scharfkantige Steine, die von Hominiden oder frühen Menschen genutzt wurden, um Nahrung zu zerkleinern oder Fleisch aus Kadavern herauszuschneiden. Die Oldowan-Technologie wurde erst vor 1,5 - 1,7 Millionen Jahren durch den deutlich hochwertigeren Faustkeil ersetzt.
Dass die Oldowan-Werkzeuge tatsächlich genutzt wurden, um Fleisch von Knochen zu lösen, belegen fossile Tierknochen, die das Forscherteam in der gleichen Fundschicht entdeckt hat. Viele von ihnen weisen Kerben und Schnittmarken auf, die auf eine Bearbeitung hindeuten.
Um das Alter der Funde zu bestimmen, haben die Forscher drei Datierungstechniken verwendet - Paläomagnetismus, Elektronen-Spin-Resonanz-Methode und Leitfossilien (Schweine, Elefanten, Pferde). Alle drei kamen zu dem Ergebnis, dass die ältersten Werkzeug-Artefakte und Fossilien 2,4 Millionen Jahre alt sind.

Neues Bild von der Ausbreitung des Menschen

Die erstaunlich alten Funde aus Ain Boucherit in Algerien werfen ein neues Licht auf die frühe Entwicklungsphase des Menschen. Die alte Theorie, dass sich die Gattung Homo in Ostafrika entwickelt und von dort aus nach Nordafrika, den Nahen Osten, Asien und Europa ausgebreitet hat, wackelt. Wie es aussieht, gab es schon sehr früh überall in Afrika Hominiden oder frühe Menschenformen.
Die neuen Funde könnten erklären, warum man in Georgien 1,8 Millionen Jahre alte menschliche Überreste (Homo georgicus) gefunden hat. Möglicherweise stammen diese erstaunlich frühen Auswanderer gar nicht von ostafrikanischen Populationen ab, sondern von frühen Menschenformen, die sich in Nordafrika entwickelt haben.
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