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Knochenmesser aus Nordafrika repräsentiert eine neue Technologie

Knochenmesser aus Nordafrika repräsentiert eine neue Technologie
Dieses Knochenmesser aus der Rippe eines großen Säugetieres repräsentiert eine neue Werkzeugtechnologie, die sich vor 90.000 Jahren in Nordafrika entwickelte.
Foto: © Bouzouggar et al.
Rund 1,5 Millionen Jahre lang nutzte der Mensch relativ einfach bearbeitete Faustkeile aus Stein, um Werkzeuge und Waffen herzustellen. Und egal, wo man diese Stone-Tools ausgegraben hat, sie waren sich überall sehr ähnlich. Das Erscheinungsbild und die Herstellungstechnik weisen kaum Unterschiede auf.
Das änderte sich vor etwa 100.000 Jahren. Plötzlich tauchten regional neue Werkzeuge und Waffen auf, die nicht nur filigraner, spezialisierter und beiseitig bearbeitet waren, sondern auch einen anderen Werkstoff nutzen - den Tierknochen.

Andere Werkzeuge als in Südafrika

Ein Forscherteam unter der Leitung von Abdeljalil Bouzouggar hat in Marokko ein frühes Beispiel dieser neuen Werkzeugkultur gefunden, das sich deutlich von gleichaltrigen Funden in Südafrika unterscheidet. Es handelt sich um ein 12 Zentimeter langes Knochenmesser, das aus der Rippe eines großen Säugetieres hergestellt wurde. Und eine Datierung der Fundschicht hat ergeben, dass das Werkzeug-Artefakt rund 90.000 Jahre alt ist.
Bouzouggar und seine Kollegen vermuten, dass das Knochenmesser dazu genutzt wurde, um relativ weiche Materialien zu zerschneiden - zum Beispiel Tierfelle.
"Das Werkzeug und die Art und Weise, wie es hergestellt wurde, unterscheiden sich erhebllich von ähnlich alten Artefakten aus Südafrika, ähneln aber zwei Knochenwerkzeugen aus der El Mnasra Höhle in Marokko", schreiben die Forscher in ihrer Studie. "Wir vermuten daher, dass sich damals in Nordafrika eine neue, einheitliche Knochentechnologie entwickelte."

Beleg für komplexeres Denken

Warum es vor 90.000 Jahren zu dieser regional begrenzten Weiterentwicklung der Werkzeugtechnologie in Nordafrika kam, während die Menschen in Südafrika weiterhin Herstellungsverfahren und Materialien verwendeten, die schon der Homo erectus kannte, ist noch unklar. Allerdings vermuten die Forscher, dass es damals in Nordafrika eine Klimaveränderung gab, die den Menschen zwang, komplexer zu denken und spezialisiertere Werkzeuge und Waffen herzustellen, um zu überleben.
Silvia Bello, Co-Autorin der Studie, erklärt: "Die Menschen in Nordafrika waren plötzlich in der Lage, sehr komplexe und kontrollierte Handlungen auszuführen, um solche spezialisierten Knochenmesser herzustellen. Und diese markante neue Technologie war vor rund 100.000 Jahren einzigartig in Nordafrika."

Es waren keine Neandertaler

Die Funde aus Nordafrika und speziell aus Marokko werden der Aterien-Kultur zugeschrieben, die vor etwa 130.000 Jahren auftauchte und bis vor 40.000 Jahren nachweisbar ist. Sie zeichnet sich gegenüber den subsaharischen Werkzeugtechnologien durch deutlich leichtere und kleinere Stielspitzen, Kratzer, Schaber und Bohrer aus, die aus Feuerstein bestanden und an Holzschäften befestigt wurden. Und vor etwa 100.000 Jahren kam dann der Tierknochen als Werkstoff hinzu.
Als man die ersten Fossilien und Werkzeugartefakte der Aterien-Kultur fand, dachte man noch, dass es sich um Neandertaler handelte, die sich über die Levante nach Nordafrika ausgebreitet hatten. Doch das ist inzwischen widerlegt. Die Träger der Aterien-Kultur waren moderne Menschen der Art Homo sapiens. Und die Fossilien ähneln 100.000 Jahre alten Funden aus dem heutigen Israel.
Eine Erbgut-Analyse von Menschen, die vor 14.000 Jahren im heutigen Marokko gelebt haben, hat ergeben, dass es eine genetische Verbindung nach Spanien gibt. Ob diese Gene erst im 8. Jahrhundert mit den Mauren nach Spanien gelangt sind oder ob schon Vertreter der viel älteren Aterien-Kultur die Straße von Gibraltar überquert haben, ist allerdings unklar.
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