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Forscher entdecken Mammutrippe mit seltsamen Ritzspuren

Forscher entdecken Mammutrippe  mit seltsamen Ritzspuren
Diese Mammutrippe aus der schwäbischen Höhle "Hohler Fels" weist 186 Markierungen auf, die sich bislang niemand erklären kann.
Foto: © Hilde Jensen, Universität Tübingen
Archäologen der Universität Tübingen haben im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren einen ungewöhnlichen Mammutknochen präsentiert, den sie in der Höhle "Hohler Fels" auf der Schwäbischen Alb, einem Mittelgebirge in Süddeutschland, gefunden haben.
Wie Professor Nicholas Conard und sein Team berichten, ist der Mammutknochen 30.000 bis 35.000 Jahre alt, 44 Zentimeter lang, 5,1 Zentimeter breit und 2,1 Zentimeter dick. Der Knochen wurde definitiv von Menschen bearbeitet, sagen die Forscher, und er weist seltsame Ritzspuren und Kerben auf, die man sich bislang nicht erklären kann.

Wozu dienten die 186 Markierungen?

Ganz besonders auffällig ist die dickere Kante der Mammutrippe. Man sieht ganz deutlich zwei Reihen von Markierungen, die jemand hineingeritzt hat. Eine besteht aus 83 Strichen, die andere 90 Strichen. An anderer Stelle gibt es noch weitere 13 Einschnitte, die etwas länger und schwächer sind.
Warum ritzt ein früher moderner Mensch 186 Markierungen in einen Mammutknochen? Welchen Zweck verfolgte er damit? Hat er etwas gezählt?
Professor Conard: "Wir vermuten stark, dass die Rippe als Informationsträger diente. Eine Art von Kalender ist natürlich naheliegend, aber die Zahlen 83, 90 und 13 ergeben für uns kein klares System. Vielleicht ging es auch um Jagdbeute, Menschen, Mondzyklen."

Zahlreiche bedeutende Funde aus fünf weiteren Höhlen

Die Karsthöhle "Hohler Fels" ist eine von sechs Höhlen auf der Schwäbischen Alb, in denen Urgeschichtler und Archäologen in den letzten Jahrzehnten bedeutende Funde aus der Zeit vor 40.000 bis 30.000 Jahren gemacht haben. Dazu zählen eine Venusfigur aus Mammutelfenbein, eine Knochenflöte, die Miniatur eines Höhlenlöwen und der berühmte Löwenmensch.
Man nimmt an, dass die Kunstobjekte und Werkzeugartefakte vom Homo sapiens stammen, der damals Europa besiedelte. Doch hunderprozentig erwiesen ist das nicht, denn man hat keinen einzigen fossilen Knochen finden können, um die Menschenart zu bestimmen. Theoretisch käme auch der Neandertaler infrage - zumindest für die älteren Funde aus dem Aurignacien.
Die Funde aus den sechs Höhlen, die inzwischen Weltkulturerbe sind, zeichnen das Bild einer jungsteinzeitlichen Community, deren Mitglieder viel Sinn für Kunst und Musik hatten. Und da man bislang nirgendwo auf der Welt etwas Vergleichbares gefunden hat, liegt der Verdacht nahe, dass der Homo sapiens diese Fertigkeiten auf seiner langen Reise von Afrika nach Europa entwickelte.

Kluge Köpfe sollen den Forschern helfen

Der Mammutknochen mit den 186 Ritzspuren gibt den Forschern allerdings Rätsel auf. Ist er ein früher Beleg dafür, dass die ersten Europäer der Art Homo sapiens bereits so etwas wie Mathematik kannten? Oder haben sie sich bereits mit Astronomie beschäftigt?
Auf der Facebook-Seite des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren (www.facebook.com/urmu.de) haben die Forscher alle schlauen Köpfe dazu aufgerufen, Vorschläge zu machen, wozu die Ritzspuren und Kerben gedient haben könnten. Vielleicht hat ja jemand eine geniale und überzeugende Idee.
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