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Es gab keine Paläo Indianer. Aber mysteriöse frühe Südamerikaner

Es gab keine Paläo Indianer. Aber mysteriöse frühe Südamerikaner
Auch Schädel und Knochen aus der Lund Kollektion in Dänemark wurden genetisch analysiert. Sie stammen aus Brasilien und wurden im 19. Jahrhundert ausgegraben.
Foto: © Natural History Museum of Denmark
GENETISCHE SPURENSUCHE Ein internationales Genetiker-Team unter der Leitung von Dr. Victor Moreno-Mayar von der Universität Kopenhagen hat DNA aus den Knochen von 15 amerikanischen Fossilien isoliert und analysiert. Die meisten Funde sind älter als 10.000 Jahre und die Fundorte reichen von Alaska im Norden bis nach Patagonien im Süden des Kontinents.
Wie die Forscher im Fachmagazin Science berichten, haben sie nicht nur das Rätsel um den Spirit Cave Mann aus Nevada lösen können, sondern in brasilianischen Fossilien auch "rätselhafte genetische Signale aus Australasien" gefunden.

Geheimnis des Spirit Cave Mannes gelöst

Der 10.600 Jahre alte Spirit Cave Mann, den man 1940 in einer Grotte im US-Bundesstaat Nevada gefunden hat, ist die älteste natürlich entstandene Mumie der Welt. Und seit zwanzig Jahren wird über seine Herkunft gestritten, denn er scheint anatomisch betrachtet keine indianischen Wurzeln zu haben, sondern ähnelt frühen Europäern oder dem japanischen Volk der Ainu.
Das könnt ihr vergessen, sagen nun die Genetiker um Dr. Moreno-Mayar. Die Gene des Spirit Cave Mannes sind eindeutig indianisch. Es gab keine Paläo-Indianer, die Amerika vor den sibirischen Eiszeit-Jägern besiedelt haben. Der Spirit Cave Mann war definitiv ein früher Vorfahre der heutigen Ureinwohner Amerikas.

Alle Ur-Amerikaner waren eng miteinander verwandt

Schaut man sich das Erbgut aller 15 untersuchten Fossilien an - darunter eine Inka Mumie, ein Fossil aus Chile, menschliche Überreste aus der Lovelock Höhle in den USA und die Fossilien eines jungen Mädchens aus Alaska - dann gibt es deutliche Hinweise, dass all diese Menschen eng miteinander verwandt waren, sagen die Forscher. Und alle gehören zu den Vorfahren der heutigen Ureinwohner Amerikas.
Die eng beieinander liegenden Datierungen einiger Funde belegen nach Ansicht des Forscherteams, dass sich die ersten Amerikaner, die vor etwa 14.000 Jahren über die Beringstraße nach Alaska gelangt sind, mit "ungeheurer Geschwindigkeit" bis nach Südamerika ausgebreitet haben.

Rätselhaftes genetisches Signal in Südamerika

Eine spektakuläre Entdeckung haben die Forscher aber doch gemacht. Im Erbgut eines 10.400 Jahre alten Fossils aus Lagoa Santa in Brasilien haben sie Gene entdeckt, die man bei den heutigen Ureinwohnern Südamerikas nicht findet. Und diese Gene scheinen ihren Ursprung in Südasien oder Australien zu haben. Die Forscher sprechen von einem "rätselhaften australasiatischen Signal".
Dr. Victor Moreno-Mayar: "Dieses genetische Signal war entweder schon da, als die Ureinwohner Amerikas diese Region erreichten, oder es stammt von einer später eingewanderten Gruppe, die keine genetischen Spuren im Erbgut der heutigen Ureinwohner hinterlassen hat."
Heißt konkret: Entweder gab es in Südamerika schon Menschen unbekannten Ursprungs, als die sibirischen Eiszeit-Jäger dort eintrafen, oder Menschen unbekannten Ursprungs haben kurzzeitig Südamerika besiedelt und sind wieder ausgestorben, ohne sich mit den Vorfahren der heutigen Ureinwohner vermischt zu haben.

Kam auch die berühmte Luzia aus Australasien?

Es gab sie also doch, die Paläo-Amerikaner. Allerdings nur in Südamerika. Es scheint sich um eine kleine Population gehandelt zu haben, die isoliert lebte und keinen Kontakt zu den Vorfahren der heutigen Ureinwohner hatte.
Das "rätselhafte australasiatische Signal" lässt vermuten, dass diese Menschen ursprünglich aus dem Pazifik-Raum stammten und wahrscheinlich vor 12.000 Jahren mit Schiffen nach Südamerika gelangt sind.
Dieser Befund deckt sich mit anatomischen Analysen, die man mit den Fossilien der berühmten "Luzia" durchgeführt hat, die ganz in der Nähe gefunden wurde. Die junge Dame, die vor 11.000 Jahren lebte, soll den australischen Aborigines ähnlich gesehen haben.
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