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Die Ernährung mit Fisch hat den modernen Menschen verändert

Die Ernährung mit Fisch hat den modernen Menschen verändert
Der Homo sapiens hat schon vor 29.000 Jahren mit Netzen gefischt. Und Angelhaken gibt es seit 42.000 Jahren. Hat der Fisch den modernen Menschen schlauer gemacht?
Fotomontage: © Pixabay / Yonsei University
Wissenschaftler der Universität Yonsei haben in einer südkoreanischen Höhle die ältesten Netzsenker (engl. Sinker, kl. Foto) der Welt gefunden. Mit diesen Steinen wurden schon vor 29.000 Jahren Fischernetze beschwert, um damit in Bächen und Flüssen kleine Fische zu fangen, so die koreanischen Forscher.
Dass es sich bei den gefundenen Kalksteinen tatsächlich um Netzsenker handelt, belegen tiefe Rillen, die an beiden Enden in die Steine geritzt wurden. Sie boten Schnüren halt, mit denen die Steine an den Fischernetzen befestigt wurden.
Die vierzehn Netzsenker aus Südkorea sind 15 bis 52 Gramm schwer und haben einen Durchmesser zwischen 37 und 56 Milimetern. Und eine Kohlenstoff-Datierung hat ergeben, dass sie 29.000 Jahre alt sind. "Damit verschiebt sich die Geschichte des Fischfangs mit Netzen um 19.000 Jahre in die Vergangenheit", sagt Han Chang-gyun, Direktor des Yonsei University Museums in Seoul.

Erster Angelhaken vor 42.000 Jahren

Deutlich älter als der Fischfang mit Netzen ist der Fischfang mit Angelhaken. Das belegt ein 42.000 Jahre alter Angelhaken, den Professor Sue O'Connor von der Australischen National Universität auf der Insel Osttimor ausgegraben hat. Er wurde aus der Schale einer Meeresschnecke hergestellt.
Auch an einem Unterkiefer aus China lässt sich ablesen, dass sich der Mensch in Asien schon früh von Meerestieren ernährt hat. Eine Isotopen-Untersuchung von Zähnen hat ergeben, dass diese Menschen schon vor 40.000 Jahren viel Fisch und Meeresfrüchte zu sich nahmen.

Der Fisch als neue Nahrungsquelle

Vieles deutet darauf hin, dass sich der Mensch vor etwa 45.000 Jahren eine neue Nahrungsquelle erschloss - den Fisch. Und alle Funde, die das belegen, werden dem modernen Menschen Homo sapiens zugeschrieben. Und so gibt es nicht wenige Forscher, die glauben, dass der Homo sapiens durch diese zusätzliche Nahrungsquelle einen großen Vorteil gegenüber anderen Menschenarten hatte, die damals ausstarben.
"Es scheint, als hätte der moderne Mensch eine vielfältigere Ernährung gehabt, zum Beispiel Fisch, die man vom Neandertaler nicht kennt", sagt zum Beispiel Dr. Michael Richards (Max Planck Institut, Universität British Columbia). Und diese zusätzliche Ressource könnte dem Homo sapiens während der Eiszeit das Überleben gesichert haben, während der auf Mammutfleisch spezialisierte Neandertaler von der Bildfläche verschwand.

Fischesser sind definitiv schlauer

Doch damit nicht genug. Die Ernährung mit Fisch und Meeresfrüchten könnte dem Homo sapiens noch einen weiteren Vorteil geboten haben. Er wurde schlauer. Forscher der Universität California haben nämlich herausgefunden, dass Menschen, die mindestens einmal pro Woche Fisch essen, mehr graue Gehirnzellen und einen 14 Prozent größeren Hippocampus (Zentrum für Gedächtnis und Lernen) besitzen.
Noch weiter gehen Forscher der Universität Göteborg. Sie sagen, dass Menschen, die viel Fisch essen, einen höheren IQ besitzen. Sie vermuten, dass das an den vielen Omega-3-Fettsäuren liegt, die im Fisch enthalten sind. Denn die fördern das Hirnwachstum.

Evolutionärer Schub vor 40.000 Jahren

Schaut man sich die Entwicklung des modernen Menschen Homo sapiens an, dann fällt auf, dass sich sein Verhalten vor etwa 40.000 Jahren änderte. Er begann, Skulpturen und Musikinstrumente herzustellen, Höhlenwände zu bemalen, neue Technologien und komplexere soziale Strukturen zu entwickeln. Und das könnte daran gelegen haben, dass er damit begonnen hatte, sich anders zu ernähren. Der Fisch auf seinem Speiseplan scheint seinem Denken neue Türen geöffnet zu haben. Türen, die dem Neandertaler und anderen archaischen Menschenformen verschlossen blieben.

Hat der Neandertaler Fisch gegessen?

Natürlich sind nicht alle Forscher mit dieser Theorie einverstanden. Sie verweisen auf 40.000 Jahre alte Muschelschalen und Delphin-Knochen aus Gibraltar, die man in einer Neandertaler-Höhle gefunden hat (Stringer et al.). Außerdem ist der älteste Angelhaken, den man in Europa gefunden hat, nur 19.000 Jahre alt - was allerdings nicht zwangläufig bedeuten muss, dass der europäische Homo sapiens erst zu diesem Zeitpunkt mit dem Fischfang anfing.
Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass es eine auffällige zeitliche Korrelation zwischen dem ersten Fischfang und neuen Verhaltensweisen und Technologien beim Homo sapiens gibt. Ob sich daraus eine Kausalität ableiten lässt, also dass die vielfältigere Ernährung und die Nährstoffe im Fisch dem Homo sapiens einen evolutionären Schub verpasst haben, müssen künftige Forschungen zeigen.
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