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Auch in Australien gab es Löwen. Allerdings waren das Beuteltiere
Foto: © Wells, Camens

Auch in Australien gab es Löwen. Allerdings waren das Beuteltiere

In Australien gab es bis vor 45.000 Jahren ein gefährliches Raubtier - den Beutellöwen (Thylacoleo carnifex). Bislang wusste man sehr wenig über diesen gefräßigen Räuber. Doch nun hat man in zwei Höhlen neue Fossilien und ein beinahe vollständiges Skelett gefunden.
Wie Roderick T. Wells und Aaron B. Camens von der Flinders Universität in Adelaide berichten, ist es ihnen dank der neuen Knochenfunde erstmals gelungen, das ganze Skelett und den Bewegungsapparat des Beutellöwen zu rekonstruieren.

Der Beutellöwe griff aus dem Hinterhalt an

Der Beutellöwe war, wie schon der Name verrät, ein Beuteltier wie die Kängurus. Er brachte seinen Nachwuchs schon als Embryo zur Welt und trug ihn in seinem Beutel (Marsupium) herum, bis er flügge wurde. Ein biologisches Konzept, das sich vor allem in Australien und Neuguinea durchgesetzt hat und deutlich von den Plazenta-Tieren auf den anderen Kontinenten unterscheidet.
Der Beutellöwe wurde etwa 1,50 Meter lang und brachte über 100 Kilogramm auf die Waage, berichten Wells und Camens im Fachmagazin Plos One. Es handelte sich also um einen sehr kompakten, aber muskelbepackten Räuber, der wahrscheinlich nicht sehr beweglich war. Die Forscher vermuten daher, dass er seine Beutetiere aus dem Hinterhalt überraschte und auch Aas fraß.

Seine Vorfahren waren Pflanzenfresser

Viele anatomische Merkmale, zum Beispiel der kräftige Schwanz und die Schulterblätter, lassen vermuten, dass der Thylacoleo carnifex ein guter Kletterer war, der sich häufig auf Bäumen aufhielt. Seine Anatomie ähnelte in gewisser Weise der des deutlich kleineren Tasmanischen Teufels. Allerdings schreiben Wells und Camens in ihrer Studie: "Der Beutellöwe war anders als jedes Tier, das es heute gibt. Nichts ist mit ihm vergleichbar."
Sehr ungewöhnlich sind die Muskelansätze des Gebisses, schreiben die australischen Forscher. Sie ähneln denen von Pflanzenfressern. Daher glauben Roderick T. Wells und Aaron B. Camens, dass der Beutellöwe von einem reinen Pflanzenfresser abstammt, der sich erst sehr spät zum Raubtier entwickelt hat.
Da man in der Komatsu Höhle und in der Flight Star Höhle Fossilien mehrerer verschiedener Beutellöwen gefunden hat, nehmen die australischen Forscher an, dass es sich um soziale Wesen handelte, die in Rudeln lebten. Zumindest in diesem Punkt scheinen die australischen Räuber ihrem afrikanischen Pendant ähnlich gewesen zu sein.

Wurde der Beutellöwe vom Menschen ausgerottet?

Nach allem, was man derzeit weiß, entstand der Beutellöwe vor 1,8 Millionen Jahren und starb vor 45.000 Jahren aus. Da just zu diesem Zeitpunkt der Homo sapiens in Australien aufkreuzte, wird natürlich darüber spekuliert, ob der moderne Mensch den Thylacoleo carnifex ausgerottet hat. Doch eindeutige Belege gibt es dafür nicht.
Einige Forscher glauben, dass der Beutellöwe bereits ausgestorben war, als die Vorfahren der heutigen Aborigines den australischen Kontinent erreichten. Allerdings gibt es in Westaustralien eine Felszeichnung, die ein Tier zeigt, das dem Beutellöwen ziemlich ähnlich sieht. Ob es sich dabei tatsächlich um einen Thylacoleo carnifex handelt, ist aber unter den Experten umstritten.
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