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Was ist eigentlich aus der Haut des Australopithecus sediba geworden?

Was ist eigentlich aus der Haut des Australopithecus sediba geworden?
Sehen wir hier zwei Millionen Jahre alte Hautfetzen eines Australopithecus sediba? Seit sieben Jahren warten wir auf eine Antwort.
Foto: © Lee Berger, Wits University
Im Jahr 2010 gab Professor Lee Berger von der südafrikanischen Universität Witwatersrand die Entdeckung eines neuen, bislang unbekannten Australopithecus bekannt. Er hatte den zwei Millionen Jahre alten Australopithecus sedida entdeckt. Ein Fund, der weltweit für Schlagzeilen sorgte.
Nur ein Jahr später setzte Berger noch einen drauf. Er gab öffentlich bekannt, dass er und sein Team in dem Gestein, in dem die Fossilien steckten, noch etwas sehr Ungewöhnliches entdeckt hatten. Etwas, das aussah wie Haut. Und zwar kein versteinerter Abdruck von Haut, sondern eine weiche, elastische Schicht mineralisierten Gewebes. Sediba-Haut.

Kann das wirklich organisches Material sein?

War so etwas möglich? Haut eines Vormenschen, die sich zwei Millionen Jahre lang erhalten hatte? Organisches Material eines Australopithecus, das man analysieren und in dem man nach DNA suchen konnte? Viele Experten waren skeptisch. Doch Lee Berger erklärte das mit der besonderen Beschaffenheit des Gesteins, in dem der Fund steckte.
Berger: "Wir haben herausgefunden, dass es sich nicht um gewöhnliches Gestein handelt, sondern um Fels, der organisches Material konserviert. Wir haben darin Pflanzenreste und Nahrungspartikel gefunden, die uns verraten, was diese Vormenschen gegessen haben."

Open Source Projekt gestartet

Zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen John Hawks rief Berger damals das "Malapa Soft Tissue Project" ins Leben. Er forderte seine Kollegen in aller Welt auf, sich an der Erforschung der vermeintlichen Australopitecus-Haut zu beteiligen.
Außerdem gab Lee Berger bekannt, dass ein Mineralologe der Universität Oslo dabei helfe, einen Weg zu finden, wie man die "Haut" mit einem Elektronenmikroskop untersuchen könne. Und wieder berichtete die internationale Presse groß über die Geschichte.

Sieben Jahre Schweigen im Walde

Seither sind sieben Jahre vergangen und man hat nie wieder etwas von der Sediba-Haut gehört. Weder Berger noch Hawks noch die Universität Witwatersrand haben je wieder etwas dazu veröffentlicht. Und wenn man die Website des Malapa Soft Tissue Project aufruft, dann erhält man eine Fehlermeldung. Die Seite wurde offenbar gelöscht.
Dafür gibt es drei mögliche Erklärungen. Entweder waren Berger und seine Kollegen zu sehr damit beschäftigt, den im Jahr 2015 entdeckten Homo naledi zu untersuchen, oder die Analyse der "Haut" dauert einfach sehr lange, oder die Sache hat sich als Fehlinterpretation entpuppt.
Womit wir bei einem grundsätzlichen Problem der Forschung wären. Wissenschaftler veröffentlichen ausschließlich positive Forschungsergebnisse. Über negative Resultate und nicht bestätigte Hypothesen erfährt man so gut wie nichts. Die Forscher haben offenbar Angst, dass ihre Reputation leidet und die Forschungsgelder ausbleiben.
Irgendwie verständlich. Und das System der großen Fachmagazine lässt wahrscheinlich gar nichts anderes zu. Science, Nature und Co. wollen Sensationen und keine Fehlschläge. Aber wenn man wie Lee Berger ständig die Aufmerksamkeit der Presse sucht und große Ankündigungen macht, dann kann man erwarten, dass er irgendwann sagt: "Sorry Freunde, wir haben uns geirrt." Oder: "Habt noch ein wenig Geduld, wir arbeiten dran." Und dazu hätte eine kurze Pressemitteilung der Universität Witwatersrand gereicht.
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