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Madagaskar reloaded. Erste Jagd schon vor 10.500 Jahren

Madagaskar reloaded. Erste Jagd schon vor 10.500 Jahren
Werkzeugspuren auf den fossilen Knochen eines Elefantenvogels beweisen, dass der moderne Mensch Madagaskar viel früher besiedelt hat, als man bislang dachte.
Fotos: © Monnier (1), ZSL (1)
Immer mehr alte Theorien lösen sich in Schall und Rauch auf. So auch die, dass der Homo sapiens die Insel Madagaskar erst vor 4000 - 2400 Jahren besiedelt hat und nur wenige Jahrtausende brauchte, um alle großen Tiere auf der Insel in seinen Kochtöpfen verschwinden zu lassen.
Wissenschaftler der Zoological Society of London berichten im Fachmagazin Science Advances, dass sie auf den 10.500 Jahre alten Fossilien eines Elefantenvogels Spuren von Werkzeuggebrauch gefunden haben. Der moderne Mensch muss die Insel also mindestens 6000 Jahre früher besiedelt haben, als man bislang dachte.

Der Homo sapiens hat die großen Tiere ausgerottet

Bis dato schien die Sache klar. Der Mensch erreichte Madagaskar vor der ostafrikanischen Küste frühestens vor 4000 Jahren. Und vor 1000 Jahren war die gesamte Megafauna auf der Insel verschwunden - Nilpferde, Riesenschildkröten, Riesenlemuren und die gewaltigen Elefantenvögel. Das passte und ergab ein logisches Bild. Der Neuankömmling Homo sapiens hatte diese Arten bejagt und ausgerottet.
Doch nun belegen Spuren von Werkzeuggebrauch auf den fossilen Knochen eines Elefantenvogels, dass es schon vor 10.500 Jahren Menschen auf Madagaskar gab. Und das bedeutet, dass die großen Tiere und der Mensch mindestens 9000 Jahre Seite an Seite gelebt haben.

Wir brauchen jetzt eine ganz neue Theorie

Studienleiter Dr. James Hansford: "Ich glaube, dass wir nun eine radikal neue Theorie brauchen, um den enormen Verlust an Biodiversität auf der Insel zu erklären. Der Mensch hat 9000 Jahre mit den Elefantenvögeln und anderen heute ausgestorbenen Tierarten zusammen gelebt. Und den größten Teil dieses langen Zeitraums scheint die Anwesenheit des Homo sapiens nur einen begrenzten negativen Einfluss gehabt zu haben."
"Der Mensch hat Madagaskar offenbar schon am Ende der Eiszeit besiedelt", sagt Co-Autorin Professor Patricia Wright von der Stony Brook Universität in New York. "Und wir wissen nicht, wer diese Menschen waren. Wir wissen lediglich, dass sie keine Spuren im Erbgut der heutigen Bevölkerung hinterlassen haben. Sie müssen ebenfalls ausgestorben sein."

Ei eines Elefantenvogels wiederentdeckt

Der Elefantenvogel war ein riesiger Laufvogel, der bis zu 3 Meter groß und 400 Kilogramm schwer werden konnte. Da sich Madagaskar bereits in der Kreidezeit vom afrikanischen Kontinent gelöst hatte, gab es diese Mega-Vögel nur auf der ostafrikanischen Insel. Und bislang waren sich die Paläontologen weitestgehend einig, dass ihr Aussterben auf den Einfluss des Menschen zurückzuführen ist.
Das 10.500 Jahre alte Fossil, auf dem man jetzt Kerben menschlicher Steinwerkzeuge entdeckt hat, wurde bereits im Jahr 2009 in einem Flussbett im Süden von Madagaskar ausgegraben - zusammen mit den Überresten vieler anderer Beutetiere. Man nimmt an, dass es sich um eine sogenannte Kill Site handelte, wo menschliche Jäger regelmäßig ihre Beute zerlegt haben.
Erst im April dieses Jahres hat man im Archiv eines US-amerikanischen Naturkundemuseums ein fossiles Ei eines Elefantenvogels wiederentdeckt. Das Museum hatte es in den 1930er Jahren angekauft und dann offenbar vergessen. Das Ei ist 30 Zentimeter hoch, hat einen Umfang von 70 Zentimetern und wiegt über 1 Kilogramm.
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Je unwahrscheinlicher, aus statistischer Sicht, ein Vorgang ist, desto weniger können wir annehmen, dass er durch blinden Zufall geschah.
Richard Dawkins

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