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Eine Mutation machte den Menschen zum besten Läufer der Welt

Eine Mutation machte den Menschen zum besten Läufer der Welt
Experimente mit gentechnisch veränderten Mäusen beweisen, dass der Mensch vor 3 bis 2 Millionen Jahren durch eine Mutation zum Ausdauerläufer wurde.
Symbolbild
Der Mensch ist ein ungeheuer guter Ausdauerläufer. Nur dadurch waren und sind Jäger und Sammler in der Lage, Beutetiere stundenlang zu verfolgen, bis sie erschöpft zusammenbrechen. Man nennt das Hetzjagd.
Doch warum kann der Mensch so gut laufen? Schließlich haben unsere Vorfahren als Affen in den Bäumen gehockt. Und auch die ersten aufrecht gehenden Hominiden (Sahelanthropus, Ardipithecus, Australopithecus) scheinen keine Nurmis (berühmter finnischer Marathonläufer) gewesen zu sein.

Eine Mutation hat den Menschen verändert

Dass der Mensch ein so exzellenter Ausdauerläufer ist, verdankt er einer Mutation, die sich vor 3 bis 2 Millionen Jahren durchgesetzt hat, sagen Forscher der University of California in San Diego. Durch diese Mutation wurde das Gen CMAH deaktiviert, was zu zahlreichen Veränderungen im menschlichen Körper führte.
Zuckermoleküle wurden plötzlich anders verwertet, die Muskelkapazität verbesserte sich, die Beine wurden länger, die Gesäßmuskeln stärker. Und dieses Paket neuer Eigenschaften verschaffte den Vorfahren des Menschen einen selektiven Vorteil gegenüber ihren archaischen Brüdern und Vettern.

Experimente mit Labormäusen

Dass das Gen CMAH beim Menschen inaktiv ist, aber bei den Schimpansen noch aktiv, hat man schon vor zwanzig Jahren herausgefunden. Und es wurde schon damals vermutet, dass die Inaktivität dieses Gens großen Einfluss auf den Stoffwechsel des Menschen hat und ihn von seinen nächsten lebenden Verwandten unterscheidet. Doch handfeste Beweise gab es für diese Theorie bislang nicht.
Das hat sich nun geändert. Wie Ajit Varki und Jon Okerblom von der University of California im Fachmagazin Proceedings of the Royal Society B berichten, ist es ihnen gelungen, CMAH bei Labormäusen zu deaktivieren. Und anschließend verglichen sie die Laufleistungen dieser gentechnisch veränderten Mäuse mit denen ihrer unveränderten Artgenossen.

Gentechnisch veränderte Mäuse laufen länger

"Wir haben die Belastungsleistung aller Tiere evaluiert und eine erhöhte Leistung der gentechnisch veränderten Tiere beim Laufband-Test und nach 15 Tagen freiwilligen Laufens festgestellt", sagt Studienleiter Jon Okerblom.
Die Mäuse, denen das Gen fehlte, waren resistenter gegen Erschöpfung, hatten eine erhöhte Zellatmung, bildeten mehr Muskelmasse an den Hinterbeinen, wurden besser mit Blut und Sauerstoff versorgt.
"Überträgt man diese Ergebnisse auf den Menschen, dann ist es wahrscheinlich, dass unsere frühen Vorfahren einen selektiven Vorteil hatten, der ihnen beim Wechsel von den Bäumen zu einem dauerhaften Leben als Jäger und Sammler in offenen Landschaften half", sagt Ajit Varki.

Mutation als Reaktion auf einen alten Erreger

Warum es vor 3 bis 2 Millionen Jahren zu dieser vorteilhaften Mutation kam, ist noch unklar. Aber die US-Forscher vermuten, dass sie durch einen heute ausgestorbenen Krankheitserreger ausgelöst worden sein könnte. Dieser Erreger übte offenbar soviel evolutionären Druck auf die kleine Population aus, dass sich eine Gen-Mutation durchsetzte, die der Krankheit Paroli bot - und "nebenbei" den Stoffwechsel des Menschen veränderte.
Natürlich gibt es noch viele offene Fragen. Zum Beispiel die, ob die Deaktivierung des Gens CMAH wirklich die einzige Mutation war, die dem Menschen Beine machte. Aber die Labortests mit den Mäusen lassen zumindest vermuten, dass CMAH eine wichtige Rolle spielte.
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Wir sind, um es einmal so zu formulieren, eigentlich nur die Neandertaler von morgen.
Hoimar von Ditfurth

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