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Der Mensch ist jetzt ein Affe. Musste das wirklich sein, Freunde?

Der Mensch ist jetzt ein Affe. Musste das wirklich sein, Freunde?
Ist der Schimpanse ein Mensch und der Mensch ein Affe? Hat man den Menschen voreilig zum Menschenaffen gemacht?
Symbolbild
Seit knapp zehn Jahren ist der Mensch kein Mensch mehr, sondern ein Menschenaffe. Damals entschlossen sich die Paläoanthropologen, eine neue Klassifizierung einzuführen. Sie steckten Orang-Utan, Gorilla, Schimpanse und Mensch in eine Schublade mit der Aufschrift "Hominidae" und degradierten den Menschen und seine aufrecht gehenden Vorfahren zur Untergruppe der "Hominini".
Warum dieser Umbruch? Weil die Genetiker festgestellt hatten, dass Gorilla und Schimpanse (angeblich) enger mit dem Menschen verwandt sind als mit dem Orang-Utan. Also "degradierte" man den Menschen zum Menschenaffen und gruppierte ihn zu den Gorillas und Schimpansen (Homininae) und machte den Orang-Utan zum "Ponginae".

Ist der Schimpanse ein Homo troglodytes?

Die neue Systematik ist umstritten und wird bis heute nicht von allen Forschern unterstützt. Denn bis dahin hatte man mit einem klaren und übersichtlichen Modell gearbeitet. Die Orang-Utans, die Gorillas und die Schimpansen waren Menschenaffen (Pongidae) und der Mensch und seine ausgestorbenen Vorfahren Hominiden (Hominidae). Umgangssprachlich sagte man Pongoiden (Menschenaffen) und Hominiden (Menschen). Es gab also eine klare Trennlinie zwischen Affe und Mensch.
Das neue Modell hat diesen Grenzzaun brachial eingerissen und für ein terminologisches Chaos gesorgt. So gibt es Forscher, die den Schimpansen zum Menschen machen möchten (Homo troglodytes), während andere Wissenschaftler die neue Systematik komplett ablehnen und den Menschen und seine Vorfahren weiterhin als Hominiden bezeichnen, um ihn von den Menschenaffen abzugrenzen.

Ähnlich und doch ganz anders

Mal abgesehen von der Tatsache, dass "Hominini" albern und nach einer neuen Kinderschokolade klingt, stellt sich die Frage, ob es wirklich eine gute Idee war, den Menschen zum Menschenaffen zu machen. Schließlich lebte der letzte gemeinsame Vorfahre von Orang-Utan, Gorilla, Schimpanse und Mensch vor über 12 Millionen Jahren. Und auch die Aufspaltung in Schimpanse und Mensch hat schon mehr als 5 Millionen Jahre auf dem Buckel.
Außerdem sind die morphologischen Unterschiede zwischen den heutigen Menschenaffen und dem Menschen erheblich. Die Menschenaffen haben ein Fell, der Mensch nicht. Die Menschenaffen haben eine vorstehende Schnauze, der Mensch nicht. Die Menschenaffen laufen noch auf allen Vieren herum, der Mensch auf zwei Beinen.
Außerdem haben die Menschenaffen massive Eckzähne und eine "Affenlücke" zwischen Schneide- und Eckzahn, der Mensch nicht. Die Menschenaffen haben einen opponierbaren großen Zeh, der Mensch nicht. Die Menschenaffen haben ein langes schmales Becken, der Mensch ein kurzes, breites. Die Menschenaffen haben kleine Gehirne (400-550 ccm), der Mensch ein sehr großes (1300-1400 ccm).

Über die Beweiskraft der Gene

Was spricht eigentlich dafür, dass der Mensch ein Menschenaffe sein soll? Nun ja, es ist vor allem der genetische Code. Die DNA von Mensch und Schimpanse ist zu 98,7 Prozent identisch. Die von Mensch und Gorilla zu 97,7 Prozent. Doch beweist das wirklich, dass die drei Gattungen zur gleichen Familie gehören? Schließlich weisen auch das Erbgut des Hausschweins und die Gene des Menschen eine Übereinstimmung von 90 Prozent auf.
Außerdem ... was wissen wir schon über die Gene? Wenig. Die Molekulargenetik ist eine sehr junge Wissenschaft. Sie ist nicht mal 70 Jahre alt. Also so etwas wie eine Baby-Wissenschaft. Und die Genetiker haben allenfalls eine rudimentäre Vorstellung davon, welche Funktionen die Gene ausüben, welche Aminosäuren sie codieren und was diese Aminosäuren bewirken.

Buchstabenketten ohne Sinn

Salopp könnte man sagen: Wir kennen zwar die Buchstaben des Buches "DNA" und ihre Anordnung, aber wir verstehen die Worte nicht. Vielleicht hat ja die Basenkette CTG beim Menschen eine ganz andere Funktion als bei Schimpanse und Gorilla. Schließlich haben Forscher längst herausgefunden, dass der genetische Code nicht so universell ist, wie man lange dachte. Es gibt Zellen, die interpretieren die gleichen Gen-Sequenzen unterschiedlich.
Vor diesem Hintergrund war es vielleicht voreilig, den Menschen zum Menschenaffen zu machen. Schließlich käme auch niemand auf die Idee, einen Fiat Punto als Mercedes einzuordnen, nur weil sich die Räder, das Lenkrad und der Motor an den gleichen Stellen befinden. Der Unterschied steckt bekanntlich im Detail. Und die sind bei Menschenaffe und Mensch noch nicht ausreichend erforscht.
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