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Neandertaler-Gene bleiben. Es sei denn, wir haben Sex mit Afrikanern

Neandertaler-Gene bleiben. Es sei denn, wir haben Sex mit Afrikanern
Alle Europäer und Asiaten besitzen Gene, die sie vom Neandertaler geerbt haben. Und es findet keine negative Selektion mehr statt, sagen deutsche Genetiker.
Foto: © Rawansari, CC BY-SA 3.0 Lizenz
DER NEANDERTALER IN UNS Vor etwa 50.000 bis 70.000 Jahren sind sich Neandertaler und moderner Mensch begegnet und haben Mischlinge gezeugt. Und Spuren dieser genetischen Vermischung findet man im Erbgut aller heutigen Nicht-Afrikaner. Je nach Individuum besitzen sie zwischen 1 bis 4 Prozent Neandertaler-DNA.
Bislang nahm man an, dass es ursprünglich mehr Neandertaler-Gene waren. Viele sollen in den letzten 45.000 Jahren durch negative Selektion wieder verschwunden sein. Das heißt, Neandertaler-Gene, die für den Homo sapiens unvorteilhaft oder sogar schädlich waren, wurden von der Natur wieder aussortiert. Und diese Selektion soll nach wie vor stattfinden.

Vermischung mit Afrikanern statt negative Selektion

Forscher des Max Planck Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig sehen das anders. In einer neuen Studie kommen sie zu dem Ergebnis, dass nur wenig negative Selektion stattfand und dass viele Neandertaler-Gene nur verschwunden sind, weil sich Europäer und Asiaten regelmäßig mit afrikanischen Populationen vermischt haben.
Durch den ständigen Genfluss zwischen Europa, Asien und Afrika wurden viele Gene, die Europäer und Asiaten vom Neandertaler geerbt hatten, wieder durch "original" Homo sapiens-Gene ersetzt, schreiben Martin Petr, Svante Pääbo, Janet Kelso und Benjamin Vernot im Fachmagazin PNAS.
Dass ältere Studien zu dem Ergebnis kamen, dass die Neandertaler-DNA im Erbgut von Europäern und Asiaten in den letzten 45.000 Jahren durch negative Selektion ständig abgenommen hat und weiterhin abnimmt, führen die Max Planck-Forscher darauf zurück, dass bei diesen Berechnungen der Genfluss zwischen Afrika und dem Rest der Welt nicht berücksichtigt wurde.

Wir bleiben "Neandertaler forever"

Natürlich hat es auch negative Selektion gegeben, sagen Martin Petr, Svante Pääbo und ihre Kollegen. Aber die spielte sich in den ersten 100 Generationen nach der Vermischung mit dem Neandertaler ab. Danach blieb der Anteil der Neandertaler-DNA relativ stabil. Zu Veränderungen kam es nur noch, wenn sich Europäer und Asiaten mit Afrikanern vermischt haben.
Sollten die Ergebnisse der Leipziger Forscher, die auf komplizierten Modellrechnungen und genetischen Simulationen beruhen, korrekt sein, dann sind die 1 bis 4 Prozent Neandertaler-DNA, die heutige Europäer und Asiaten in sich tragen, nicht mehr "gefährdet" und relativ stabil. Wir bleiben "Neandertaler forever". Es sei denn, es kommt zu einem erheblichen Genfluss von afrikanischen Populationen nach Europa und Asien.

Neue Gene vom Homo erectus?

Mit anderen Worten: Die Selektion der Neandertaler-Gene in Europäern und Asiaten ist längst abgeschlossen. Alle Gene, die wir vom Neandertaler geerbt haben, sind sapiens-kompatibel und haben sich bewährt. Sie werden nicht mehr verschwinden. Die einzige Chance, sie wieder loszuwerden, besteht darin, sich mit Afrikanern zu vermischen, die dem Neandertaler nie begegnet sind.
Ob es sich dabei dann tatsächlich um "echte" Homo sapiens-Gene handelt, ist allerdings fraglich. Denn inzwischen weiß man, dass sich einige afrikanische Völker noch in den letzten 60.000 Jahren mit Urmenschen-Populationen vermischt haben. Die Neandertaler-DNA wird dann möglicherweise durch späte Homo erectus-DNA ersetzt.
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Wäre der Mensch wirklich intelligent, dann sähe die Welt besser aus.
Georg Wilhelm Exler

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