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Die moderne Medizin verändert den Körper des Homo sapiens

Die moderne Medizin verändert den Körper des Homo sapiens
Die moderne Medizin entpuppt sich gerade als Motor der menschlichen Evolution, sagt der Evolutionsbiologe Philipp Mitteröcker. Und das geht erstaunlich rasant.
Foto: © Universität Wien
DER KAISERSCHNITT EFFEKT Die Entwicklung des Menschen ist abgeschlossen, sagen viele Evolutionsbiologen. Dank Technologie und moderner Medizin gibt es keine evolutionären Anpassungen mehr. Doch Philipp Mitteröcker von der Universität Wien kommt in einem Beitrag für das Fachmagazin Nature Ecology & Evolution zu einem ganz anderen Ergebnis.
Vor allem die moderne Medizin entwickelt sich gerade zu einer treibenden Kraft der menschlichen Evolution, glaubt Mitteröcker. Sie bringt die Selektions-Kompromisse, die den menschlichen Körper geformt haben, aus dem Gleichgewicht. Und das geht erstaunlich schnell.

Der Kaiserschnitt verändert das weibliche Becken

Evolutionäre Veränderungen in modernen Gesellschaften - getrieben durch technologischen und medizinischen Fortschritt - können körperliche Eigenschaften innerhalb von Jahrzehnten verändern und damit auch gesundheitlich relevant sein, sagt Mitteröcker.
Der österreichische Evolutionsbiologe führt dafür zwei Beispiele an. Eines ist das weibliche Becken. So, wie es heute ist, handelt es sich um einen biologischen Kompromiss zwischen der Selektion für ein möglichst breites Becken, um eine sichere Geburt zu gewährleisten, und der Selektion für ein möglichst schmales Becken, um das Gewicht der inneren Organe zu tragen.
Doch seit immer mehr Kinder per Kaiserschnitt zur Welt kommen (in Deutschland sind es inzwischen ein Drittel aller Kinder), hat der Selektionsdruck für ein breites Becken deutlich abgenommen. Als Folge davon werden die Becken der Frauen immer schmaler - und die Babys immer größer.

Selektionsdruck und evolutionäres Gleichgewicht

Als zweites Beispiel nennt Philipp Mitteröcker den Gendefekt der Sichelzellanämie. Diese Krankheit ist schlimm, hat aber auch einen Vorteil. Menschen mit nur einem Sichelzellgen sind teilweise vor Malaria geschützt. Und indem man die Sichelzellanämie medizinisch bekämpft, schwächt man die Malaria-Resistenz.
Philipp Mitteröcker kommt zu dem Ergebnis, dass die Evolution des Menschen alles andere als abgeschlossen ist. Indem wir den Körper des Menschen durch moderne Medizin verändern, bringen wir die Balance zwischen den verschiedenen Selektionsdrucken aus dem Gleichgewicht. Und das kann ganz schnell zu körperlichen Veränderungen führen, die sich in wenigen Jahrzehnten abspielen.

Das Ende der natürlichen Geburt

Nehmen wir nur den Trend mit den immer schmaleren weiblichen Becken und den immer größeren Babys. Sollte sich das in den nächsten Jahrzehnten so fortsetzen, dann wird es bald nur noch wenige Frauen geben, die ihr Kind auf natürlichem Wege zur Welt bringen können. Und sollte unser modernes Gesundheitssystem - aus welchen Gründen auch immer - mal "ausfallen", dann dürfte es eine Katastrophe geben.
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EVOLUTION & MEINUNG

Es besteht eine konstante Tendenz allen beseelten Lebens, sich so weit zu vermehren, dass die verfügbare Nahrung nicht ausreicht.
Charles Darwin

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