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Die menschliche Hand entstand, weil Knochenmark so lecker ist

Die menschliche Hand entstand, weil Knochenmark so lecker ist
Eine Testperson beim Herstellen eines Faustkeils. Noch mehr Kraft ist erforderlich, um einen Knochen aufzubrechen.
Foto: © Erin Marie Williams-Hatala
Die Anatomie der menschlichen Hand ist ein kleines Kunstwerk und einzigartig im Reich der Primaten. Sie erlaubt nicht nur den sogenannten Präzisionsgriff, sondern ist auch erstaunlich kräftig. Und bislang ging man davon aus, dass sich diese "moderne" Anatomie entwickelte, weil der Mensch irgendwann anfing, Werkzeuge herzustellen, Nüsse zu knacken und Fleisch zu zerkleinern.
All diese typisch menschlichen Aktivitäten erfordern viel Kraft und haben die Hand des Menschen anatomisch geprägt, argumentieren die Forscher. Evolution by Doing, könnte man sagen. Doch eine Tätigkeit, die ebenfalls dazu beigetragen hat, die Hand des Menschen kräftiger zu machen, wurde bislang unterschätzt - das Aufbrechen von Knochen, um an das nahrhafte Rückenmark zu gelangen.

Experimente mit Testpersonen

Tracy Kivell ist Professorin und experimentelle Anthropologin an der Universität Kent. Und sie hat durch zahlreiche Testreihen mit 39 verschiedenen Probanden herausgefunden, dass das Herstellen von Steinwerkzeugen und das Aufbrechen von Knochen viel mehr Kraft erfordert als das Nüsseknacken und das Zerschneiden von Fleisch mit einem Steinmesser.
Die Kraft, die frühe Menschenformen aufwenden mussten, um Nüsse zu knacken oder Fleisch zu zerteilen, reichte wahrscheinlich nicht aus, um die Anatomie der menschlichen Hand zu verändern, glaubt Kivell. Deutlich anders sah es bei der Herstellung von Faustkeilen aus. Und die meiste Kraft wird benötigt, wenn Menschen Knochen aufbrechen, um das Rückenmark zu essen.

Der Mensch als Knochenbrecher

Den größten Kraftaufwand und Druck hat Tracy Kivell bei ihren Experimenten an Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger gemessen. Und dieser Kraftaufwand hat wahrscheinlich über viele Jahrtausende und Generationen dazu geführt, dass sich die menschliche Hand anatomisch veränderte.
"Das Essen von Knochenmark spielte eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der menschlichen Hand", schreibt Tracy Kivell im Fachmagazin "The Journal of Human Evolution". Möglicherweise sogar eine größere als die Werkzeugkultur. Und das Essen von Rückenmark mit seinem hohen Nährwert könnte die Geschicklichkeit des Menschen zusätzlich gefördert haben.

Kontroverse um den Australopithecus

Vor drei Jahren hat Tracy Kivell zusammen mit ihrem Kollegen Matthew Skinner bereits eine Studie veröffentlicht, nach der der Vormensch Australopithecus africanus bereits eine menschenähnliche Hand besaß und ähnlich nutzte wie die frühen Vertreter der Gattung Homo. Und sie leiteten daraus ab, dass schon der Australopithecus africanus Steinwerkzeuge nutzte und Fleisch aß.
Diese Interpretation ist in der Fachwelt äußerst umstritten. Die meisten Paläoanthropologen gehen davon aus, dass Werkzeuggebrauch und Fleischverzehr erst begannen, als vor etwa 2,6 Millionen Jahren die Gattung Homo - also der Mensch - entstand. Wer recht hat, ist zur Zeit völlig offen. Die Chancen stehen etwa Fifty-Fifty.
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EVOLUTION & MEINUNG

Der Nachweis der Evolution ist nach wie vor erstaunlich lückenhaft. Ironischerweise haben wir im Hinblick auf evolutionäre Zwischenstufen heute sogar weniger vorzuweisen als zu Darwins Zeiten.
David M. Raup

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