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Forschung 2018: Studien, die für dicke Schlagzeilen gesorgt haben

Forschung 2018: Studien, die für dicke Schlagzeilen gesorgt haben
Spitzenforschung aus Deutschland. Svante Pääbo wurde mit dem Körber-Preis ausgezeichnet. Ein Rückblick auf das anthropologische Forschungsjahr 2018.
Foto: © Karsten Möbius, MPI
JA WO GRABEN SIE DENN? Das Forschungsjahr 2018 ist fast worüber. Was haben wir Neues über die Evolution des Menschen und seine Entwicklung zum anatomisch modernen Menschen erfahren? Es ist Zeit, noch einmal die letzten zwölf Monate Revue passieren zu lassen.
Soviel vorweg: Den großen, aufregenden Kracher - zum Beispiel die Entdeckung einer neuen Menschenart - gab es in diesem Jahr nicht. Aber wir haben viel Neues über die Neandertaler, den Ursprung des Menschen und die Höhlenmalerei der Steinzeit erfahren.

Die Legende vom todesmutigen Neandertaler

Lange dachte man, dass die Neandertaler todesmutige Jäger waren, die große Beutetiere im Nahkampf erlegten und sich dabei häufig verletzt haben. Schließlich kannten sie weder Wurfspeer noch Pfeil und Bogen, mussten also ganz nah ran, um mit ihren Stoßspeeren Beute zu machen.
Doch eine Fossilien-Analyse der Universität Tübingen hat ergeben, dass sich die Neandertaler bei der Jagd nicht häufiger verletzt haben als der Homo sapiens. Wahrscheinlich nutzten sie andere Jagdmethoden (Treibjagd, Fallen), um Mammuts und Nashörner zur Strecke zu bringen.

Neues vom Höhlenmaler

Bislang ging man davon aus, dass es der moderne Mensch Homo sapiens war, der die Höhlenmalerei mit figürlichen Darstellungen (Jagdszenen) erfunden hat. Und das soll vor etwa 30.000 Jahren in Europa gewesen sein. Doch das kann so nicht stimmen. Archäologen haben auf der indonesischen Insel Borneo eine 40.000 bis 45.000 Jahre alte Höhlenzeichnung entdeckt, die kräftig an dieser Theorie rüttelt.
Außerdem scheinen einige Höhlenbilder deutlich älter zu sein, als man bislang dachte. Ein internationales Forscherteam hat mehrere spanische Höhlenmalereien neu datiert und kommt zu dem Ergebnis, dass sie mindestens 67.000 Jahre alt sind. Sollte das stimmen, dann müssen sie vom Neandertaler stammen. Und das wäre eine faustdicke Überraschung.

Mischling aus Neandertaler und Denisova

Für dicke Schlagzeilen sorgte eine Gen-Analyse, die Forscher des Max Planck Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig durchgeführt haben. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass ein 13-Jähriges Mädchen, das vor 90.000 Jahren in der sibirischen Denisova-Höhle lebte, ein Mischling aus Neandertaler und Denisova-Mensch war.
Hier muss man allerdings anmerken, dass es nach wie vor Forscher gibt, die Zweifel haben, ob die Fremd-DNA, die man im Erbgut von Neandertaler und Homo sapiens gefunden hat, tatsächlich von einer bislang unbekannten, physisch nachweisbaren Menschenart (Denisovas) stammt. Möglicherweise handelt es sich um Gene, die durch die Vermischung mit Homo erectus oder Homo heidelbergensis ins Erbgut von Neandertaler und Homo sapiens gelangt sind.

Sensationell alte Werkzeugfunde

Die Gattung Homo, also der Mensch, ist vor zwei Millionen Jahren in der Südhälfte Afrikas entstanden, steht in allen Lehrbüchern. Wahrscheinlich in Äthiopien oder Südafrika. Doch Steinwerkzeugfunde der Oldowan-Kultur und fossile Überreste von geschlachteten Beutetieren aus Algerien und China rütteln an dieser Theorie. Diese Funde sind zwischen 2,2 und 2,4 Millionen Jahre alt. Stand die Wiege der Menschheit also gar nicht im Süden Afrikas, sondern viel weiter nördlich?

Alfred Hitchcock lässt grüßen

Frühe Menschenformen scheinen einen bislang unterschätzen Feind gehabt zu haben - Vögel. Auf der indonesischen Insel Flores hat ein 1,80 Meter großer Riesenstorch Jagd auf den Zwergmenschen Homo floresiensis gemacht. Und ein europäisches Neandertaler-Kind wurde ebenfalls von einem großen Vogel gefressen. Die gefiederten Nachfahren der Dinosaurier, die in der Steinzeit noch deutlich größer waren als heute, scheinen ganz gerne mal einen (kleinen) Menschen verspeist zu haben.

Deutsche Paläo-Genetik weltweit führend

Last but not least: Das Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig gehörte auch im Jahr 2018 zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen für Paläogenetik. Das belegen mehrere Preise, mit denen die Leipziger Forscher ausgezeichnet wurden.
Svante Pääbo erhielt den mit 750.000 Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft und Viviane Slon wurde vom Wissenschaftsmagazin Nature unter die Top Ten der wichtigsten Wissenschaftler des Jahres 2018 gewählt. Deutsche Forschung, die weltweit an der Spitze steht. Das können nur noch ganz wenige Disziplinen von sich behaupten.
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EVOLUTION & MEINUNG

Die größte Tragödie in der Wissenschaft überhaupt ist der Tod einer wunderschönen Hypothese durch die Hand einer hässlichen Tatsache.
Thomas Henry Huxley

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