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Die ersten Amerikaner haben Jahrtausende in Alaska gelebt

Die ersten Amerikaner haben Jahrtausende in Alaska gelebt
Der 9000 Jahre alte Zahn eines Kleinkindes aus Alaska schlummerte siebzig Jahre im Archiv eines dänischen Museums, bevor er im Jahr 2016 wiederentdeckt wurde.
Foto: © NPS, Jeff Rasic
ALASKISCHE FISCH-PHOBIE Die ersten Menschen, die über die Beringstraße nach Amerika gelangt sind, haben sich lange in Alaska aufgehalten, bevor sich einige von ihnen in Richtung Süden aufmachten, um den Kontinent zu besiedeln. Außerdem mochten die ersten Amerikaner keinen Fisch.
So lautet - grob umrissen - das Ergebnis einer neuen Studie, die Forscher der University of Alaska im Fachmagazin Science veröffentlicht haben. Sie haben den Zahn eines etwa 1,5 Jahre alten Kleinkindes untersucht, das vor 9000 Jahren auf der Seward Halbinsel gelebt hat.

Kinderzahn nach 70 Jahren wiederentdeckt

Der Zahn wurde bereits 1949 von einem dänischen Archäologen entdeckt, aber wohl nicht als bedeutsam eingestuft. Und so landete er im Archiv eines dänischen Museums, wo er siebzig Jahre lang vor sich hinschlummerte. Als der Archäologe Dr. Jeff Rasic vom National Park Service in Alaska im Jahr 2016 die alten Funde noch einmal durchforstete, wurde der 9000 Jahre alte Kinderzahn wiederentdeckt.
Heute weiß man, dass der Zahn von einem etwa 1,5 Jahre alten Kleinkind stammt und mehr als doppelt so alt ist wie alle anderen bislang in der Region entdeckten menschlichen Fossilien. Und umfangreiche Isotopen-Analysen sowie der Vergleich mit 640 Kilometer entfernten und 2500 Jahre jüngeren Funden hat ergeben, dass das Kind zur ausgestorbenen Bevölkerungsgruppe der "Ancient Beringians" gehörte - also zu den ersten Menschen, die den hohen Norden Amerikas von Sibirien aus besiedelt haben.

Diese Menschen haben Jahrtausende in Alaska gelebt

Das Forscherteam der University of Alaska in Fairbanks kommt nach einer erneuten Analyse des Zahns sowie der Erstellung von Populationsmodellen durch Experten der Universität Ottawa zu dem Ergebnis, dass die alten Beringer wahrscheinlich Jahrtausende in Alaska gelebt haben und nicht schnell weitergezogen sind. Offenbar ließ es sich dort gut aushalten und es gab keinen Grund, die Region zu verlassen.
Die Forscher haben noch eine weitere interessante Entdeckung gemacht. Im Zahn des Kindes konnten sie keine Isotopen finden, die auf den Verzehr von Fisch oder anderen Meeresfrüchten hindeuten. Das ist untypisch für die Region und sehr ungewöhnlich angesichts der Tatsache, dass das Kind auf einer Halbinsel gelebt hat.

Küstenbewohner, die keinen Fisch aßen?

"Die Nahrungsquellen des Kindes waren völlig terrestrisch", schreiben die Forscher. "Das ist sehr ungewöhnlich, denn der Meeresspiegel war damals schon fast auf das heutige Niveau angestiegen und es muss jede Menge Meeresressourcen gegeben haben."
Warum die ersten Amerikaner, die irgendwann ausgestorben sind, ohne Spuren im Erbgut der heutigen Ureinwohner hinterlassen zu haben, keinen Fisch aßen, ist unklar. Vielleicht mochten sie einfach keinen Fisch. Oder das 1,5 Jahre alte Kleinkind sagte "Bäh", wenn ihm seine Mutter einen gegrillten Seelachs unter die Nase hielt.
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