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Stand die Wiege der Menschheit auf einem hohen Berg in Kenia?

Stand die Wiege der Menschheit auf einem hohen Berg in Kenia?
Haben aufrecht gehende Hominiden den ostafrikanischen Graben schon früh verlassen und sich in den Bergen Kenias zum Menschen entwickelt?
Symbolgrafik: © H. Gilbert, K. Schick, CC BY-SA 3.0 Lizenz
FAUSTKEIL-FIEBER Bislang streiten sich Äthiopien und Südafrika um den Titel "Wiege der Menschheit". In beiden Ländern hat man sehr alte Fossilien von Hominiden und frühen Menschenformen gefunden. Doch möglicherweise gibt es bald einen dritten Konkurrenten - Kenia.
Auf einem Hochplateau am Fuße des Mount Kenia und in der Nähe des Aberdares Nationalparks hat ein internationales Forscherteam seine Zelte aufgeschlagen, um in den Bergen Kenias nach menschlichen Fossilien zu suchen. Ein ungewöhnlicher Plan, denn bislang konzentrierten sich die Paläoanthropologen auf das deutlich tiefer gelegene Rift Valley. Aber die Forscher haben da eine Idee.

Gab es so etwas wie einen Insel-Effekt?

Auf einem Berg nach alten menschlichen Fossilien suchen zu wollen, klingt zunächst mal nach einem verwegenen Unterfangen. Denn rund um den Mount Kenia ist es feucht und kalt, an 200 Tagen im Jahr fällt Regen, die Vegetation ist spärlich. Nicht gerade der ideale Lebensraum für frühe Menschenformen, die noch keine Kleidung kannten und nackt herumliefen.
Doch Professor Dr. Francis Kirera von der amerikanischen Mercer Universität und sein Kollege Dr. Ngalla Jillani, ein Anthropologe am National Museum von Kenia, haben da eine Idee, die sie als Insel-Effekt bezeichnen. Sie halten es für möglich, dass sich aufrecht gehende Hominiden schon vor Millionen von Jahren, als sich das Klima im Rift Valley verschlechterte und zusehends rauher wurde, in die kenianische Bergwelt zurückgezogen haben.Und möglicherweise hat sich dort der erste Mensch entwickelt.

Faustkeile belegen, dass es dort Menschen gab

Den Anstoß dazu, in der Bergwelt Kenias nach menschlichen Fossilien zu suchen, lieferte der örtliche Archäologe Richard Kinyua. Er fand nicht nur einen 4 Millionen Jahre alten Schweinezahn, der belegt, dass es in der Region sehr alte Sedimentschichten gibt, sondern ist bei seinen Grabungen auch auf 30 Steinwerkzeuge gestoßen, die denen des Urmenschen Homo erectus sehr ähnlich sehen.
Bislang konnten die Werkzeug-Artefakte nicht zuverlässig datiert werden. Aber da man in ihrer direkten Umgebung Fossilien von großen Pflanzenfressern - wahrscheinlich Antilopen - gefunden hat, nehmen die Forscher an, dass es sich um eine sogenannte Kill-Site handelte, wo Urmenschen ihre Jagdbeute zerlegt haben.

Die Wiege der Menschheit auf einem Berg?

"Das ist eine bedeutende Fundstelle, die bislang niemand untersucht hat", erklärte Dr. Jillani der kenianischen Tageszeitung Daily Nation, die als erste über die neue Ausgrabung berichtet hat. "Bislang dachte man, dass die Wiege der Menschheit im Rift Valley stand. Aber wir glauben, dass dem nicht so war."
Denkt man die Theorie der Forscher zu Ende, dann könnten in den Bergen Kenias jene frühen Menschenformen gelebt haben, die bislang im Fossilbestand fehlen und die Australopithecus und Mensch miteinander verbinden.
Doch das müssen die Forscher erst noch beweisen - und zwar mit Fossilien, die deutlich älter sind als zwei Millionen Jahre. Erst dann heißt es vielleicht, aber auch nur vielleicht: Die Wiege der Menschheit stand nicht in einem Tal, sondern auf einem Berg. Einem kenianischen Berg.
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