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Die Säbelzahnkatze war kein Einzelgänger, sondern jagte im Rudel
Foto: © Wikimedia, Danteman, CC BY-SA 3.0 Lizenz

Die Säbelzahnkatze war kein Einzelgänger, sondern jagte im Rudel

Wenn sich Raubtiere im Rachen verletzen oder ihre Zähne verlieren, ist das in freier Wildbahn ihr sicherer Tod. Denn man braucht ein gesundes kräftiges Gebiss, um Beute zu machen. Doch das Smilodon, ein amerikanischer Verwandter der europäischen Säbelzahnkatze, scheint eine Strategie entwickelt zu haben, um derartige Jagdunfälle zu überleben.
Larisa DeSantis von der Vanderbilt Universität in Tennessee und ihre Kollegen haben Zähne von zahlreichen Säbelzahnkatzen der Art "Smilodon fatalis" untersucht, die vor 10.000 bis 50.000 Jahren im heutigen Kalifornien gelebt haben. Die meisten Fossilien stammen aus den Aphaltgruben der La Brea Tar Pits, einem bekannten Fundort für Fossilien aus dieser Zeit.
Bei ihren Analysen sind die Forscher auf mehrere Säbelzahnkatzen gestoßen, die schwere Verletzungen und Spuren von Infektionen im Rachenraum aufweisen. Dass diese Tiere danach noch jagen und Beute machen konnten, halten die Forscher für extrem unwahrscheinlich. Dennoch sind diese Smilodons nicht verhungert, sondern haben überlebt.

Schwere Verletzungen überlebt

Die Beutetiere der Smilodons waren vor 10.000 bis 50.000 Jahren viel größer und stärker als heutige Beutetiere, sagt Larisa DeSantis. Wenn sie sich wehrten und im Todeskampf um sich traten, konnten sie einem Smilodon leicht den Kiefer brechen oder Zähne aus der Zahnpfanne heraustreten. Und wenn ein Smilodon eine solche Verletzung erlitt, dann war die Säbelzahnkatze nicht mehr in der Lage, ihre Beutetiere zu reißen. Sie war zum Hungertod verdammt. Eigentlich.
Zu ihrem Erstaunen haben DeSantis und ihre Kollegen mehrere Säbelzahnkatzen gefunden, die eine solch schwere Verletzung überlebt haben. Und sie schafften das, indem sie sich in der Folgezeit ausschließlich von Weichteilen ernährt haben. Das belegen sogenannte Microwear-Muster auf den Zähnen der Tiere. Und da die verletzten Smilodons nicht mehr in der Lage waren, selbst zu jagen, vermuten die Forscher, dass sie von ihren Artgenossen mit Nahrung versorgt wurden.
Larisa DeSantis: "Das ist wirklich aufregend und ein klarer Beweis, dass Säbelzahnkatzen soziale Tiere waren, die in Rudeln gelebt und gejagt haben. So ein Verhalten kennt man von anderen Raubtieren dieser Zeit nicht."

Säbelzahnkatzen in Europa, Asien und Amerika

Die Säbelzahnkatze entstand vor 15 Millionen Jahren und ist in Europa vor 28.000 Jahren ausgestorben. Die amerikanischen Arten - Smilodon, Machairodus, Homotherium, Megantereon - haben etwas länger überlebt. Sie verschwanden erst vor etwa 10.000 bis 12.000 Jahren im Zuge der sogenannten Quartären Aussterbewelle.
Säbelzahnkatzen (volkstümlich auch Säbelzahntiger) konnten eine Schulterhöhe von 1,20 Meter erreichen und besaßen extrem lange, gebogenen Eckzähne, die bis zu 28 Zentimeter lang waren. Um diese langen Reißzähne in ihre Beutetiere schlagen zu können, waren Säbelzahnkatzen in der Lage, ihren Unterkiefer bis zu einem Winkel von 95 Grad aufzureißen. Heutige Großkatzen schaffen nur 70 Grad. Auffällig war auch der sehr kurze Schwanz, der dem eines heutigen Luchses ähnlich sah.

Rudeljagd auf Mammuts und Elefanten

Auch in Deutschland gab es Säbelzahnkatzen. Das belegen zahlreiche Fossilfunde. In Schöningen, wo vor 300.000 Jahren nachweislich Menschen gelebt haben (Schöninger Speere), hat man im Jahr 2012 mehrere Zähne dieser Raubtiere gefunden. Sie belegen, dass der Homo heidelbergensis und die Säbelzahnkatze damals Tür an Tür lebten. Ob sie sich gegenseitig gejagt haben, ist allerdings unklar.
Die Paläontologen diskutieren schon eine Weile darüber, ob die Säbelzahnkatzen Einzelgänger waren wie die heutigen Katzen oder Rudeltiere wie der Löwe. Die neue Studie unterstützt die Theorie vom Rudeltier. Dies deckt sich mit einigen Fossilfunden, die darauf schließen lassen, dass Säbelzahnkatzen auch Großsäuger wie Mammuts und Elefanten angegriffen haben. Dazu wäre ein einzelnes Tier niemals in der Lage gewesen.
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