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Erstaunliche Parallelen zwischen den Philippinen und der Insel Flores

Erstaunliche Parallelen zwischen den Philippinen und der Insel Flores
Ein versteinerter Rhinozeros-Knochen von den Philippinen. Er ist 700.000 Jahre alt und weist Werkzeugspuren auf, die auf eine Schlachtung durch eine frühe Menschenform hindeuten.
Foto: © Ingicco et al.
Die ältesten Spuren des Menschen auf den Philippinen waren bislang nur 67.000 Jahre alt. Man nimmt an, dass sie von modernen Menschen stammen. Doch nun haben französische und philippinische Forscher Steinwerkzeuge und Tierknochen mit Bearbeitungsspuren ausgegraben, die 700.000 Jahre alt sind.
Der spektakulärste Fund ist das beinahe vollständig erhaltene Skelett eines philippinischen Nashorns (Rhinoceros philippinensis), das vor 100.000 Jahren ausgestorben ist. Und seine versteinerten Knochen weisen Kerben und Ritzungen auf, die auf eine Schlachtung hindeuten. Unterstützt wird diese Theorie von mehreren Dutzend Steinwerkzeugen, die das Forscherteam ganz in der Nähe des Tieres gefunden hat.

Erste Menschen vor über 700.000 Jahren

Dr. Thomas Ingicco vom Museum National d'Histoire Naturelle in Paris und sein Kollege M. Clyde Shago vom Philippinischen Nationalmuseum sind inzwischen davon überzeugt, dass zumindest die Insel Luzon, wo man die Fossilien und Artefakte gefunden hat, schon vor über 700.000 Jahren besiedelt war. Unklar ist allerdings, um was für eine Menschenart es sich handelte. Menschliche Fossilien haben die Forscher nicht finden können.
Ein Rätsel ist auch, wie diese frühen Menschen auf die Philippinen gelangt sind. Denn zum Archipel im Pazifischen Ozean gibt es seit 2,6 Millionen Jahren keine Landverbindung.
Ingicco und Shago halten zwei Szenarien für möglich. Entweder beherrschten diese frühen Menschen schon die Seefahrt oder eine kleine Gruppe wurde von einem Typhoon überrascht, rettete sich auf umgestürzte Mangrovenbäume und wurde von der Meeresströmung zu den Philippinen getrieben, wo sich die Überlebenden an Land retteten und eine neue Population gründeten.

Erstaunliche Parallelen zur Insel Flores

Der Fall erinnert ein wenig an die indonesische Insel Flores, auf der man im Jahr 2003 den Zwergmenschen Homo floresiensis entdeckt hat. Auch diese kleine Population scheint vor 700.000 Jahren auf die Insel gelangt zu sein. Das belegen ein Unterkiefer und sechs Zähne, die man im Jahr 2016 gefunden hat. Und auch zu Flores gab es damals keine Landbrücke.
Da zwischen den Philippinen und Flores "nur" 1700 Kilometer liegen und weil beide Inselreiche etwa zur gleichen Zeit besiedelt wurden, könnte man spekulieren, dass es damals in der Region eine große Naturkatastrophe gab (vielleicht einen Tsunami), durch die mehrere Menschengruppen, die bis dato in den Küstengebieten Südchinas gelebt hatten, auf die Philippinen und auf die indonesischen Inseln verschlagen wurden.
Was aus dem Homo floresiensis wurde, scheint klar. Er ist vor 60.000 Jahren ausgestorben. Wahrscheinlich erging es den ersten Menschen auf den Philippinen ähnlich, denn die 700.000 Jahren alten Funde von der Hauptinsel Luzon sind die einzigen, die man bislang gefunden hat. Die Inselgruppe wurde erst 630.000 Jahre später ein zweites mal besiedelt - vom modernen Menschen Homo sapiens.
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