ANTROPUS
DER WEBLOG über die Evolution des Menschen
MenschenUrmenschenHominiden
Menübutton

Fluch oder Segen? Ein kritischer Blick auf die Neolithische Revolution

Fluch oder Segen? Ein kritischer Blick auf die Neolithische Revolution
War die Entstehung von Sesshaftigkeit, Ackerbau und Viehzucht wirklich ein Segen für den Menschen? Es gibt viele Anthropologen, die das kritisch sehen.
Symbolbild
Vor etwa 10.000 Jahren legten die ersten Menschen ihre traditionelle Lebensweise als Jäger und Sammler ab. Sie wurden sesshaft und fingen an, Ackerbau und Viehzucht zu betrieben. Man bezeichnet diesen Kulturwandel als Neolithische Revolution.
In den Lehrbüchern wird die Neolithische Revolution als eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit gefeiert. Doch es gibt Anthropologen, die das ganz anders sehen. Schon vor 20 Jahren bezeichnete der berühmte Evolutionsbiologe Jared Diamond die Erfindung von Ackerbau und Viehzucht als "The Worst Mistake in the History of the Human Race".

Eine lange Liste negativer Auswirkungen

Darren Curnoe, Paläoanthropologie-Professor an der australischen Universität von New South Wales, sieht das ähnlich. In einem Beitrag für das Debatten-Portal "The Conversation" listet er Punkt für Punkt auf, welche negativen Folgen die neue sesshafte Lebensweise mit Landwirtschaft und Viehzucht für den Menschen hatte.
- Die Landwirtschaft hat unseren Planeten dramatisch verändert. Was mit dem Niederbrennen und der Rodung kleiner Waldstücke begann, um Platz für Äcker und Weiden zu schaffen, hat im Laufe der Jahrtausende zur Vernichtung ganzer Ökosysteme geführt.
- Die Menge der verfügbaren Nahrungsmittel hat zwar deutlich zugenommen, aber die Ernährung ist einseitig geworden. Während Jäger und Sammler bis zu 150 verschiedene Wildpflanzen gegessen haben, sind es heute nur noch eine Handvoll.
- Die einseitige Ernährung hat die Anatomie des Menschen verändert. So ist der Gesichtsschädel deutlich kleiner geworden. Und weil Kiefer und Zähne keine Zeit hatten, sich diesem anatomischen Wandel anzupassen, sind die Praxen der Kieferorthopäden heute pickepacke voll.
- Vor der Erfindung der Landwirtschaft lebten auf der Erde nur 8 Millionen Menschen. Heute sind es über 7 Milliarden - Tendenz rasant steigend. Und diese extreme Überbevölkerung ist zu einer Gefahr für den Fortbestand der Menschheit geworden.
- Das enge Zusammenleben von Mensch und Tier hat zu einer dramatischen Ausbreitung von Infektionskrankheiten geführt. 75 Prozent aller heutigen Infektionskrankheiten sind Zoonosen, also Krankheiten, die vom Haustier auf den Menschen übertragen werden.
- Ackerbau und Viehzucht haben die Gene des Menschen negativ verändert. 85 Prozent aller Genevarianten, die heute Krankheiten verursachen, sind parallel zur bäuerlichen Lebensweise entstanden.
- Sesshaftigkeit und Vorratshaltung haben zur Entstehung von Besitz und Reichtum geführt. Dass es heute Arm und Reich gibt, verdanken wir der Neolithischen Revolution. Und um den Reichtum werden seit Jahrtausenden brutale Kriege geführt.

Ja, es war der größte Fehler der Menschheit

Darren Curnoe kommt am Ende seines Beitrages zum gleichen Ergebnis wie Jared Diamond. Evolutionsbiologisch, soziologisch und ökologisch war die Neolithische Revolution eine verhängnisvolle Entwicklung, die dem Menschen mehr Nach- als Vorteile gebracht hat.
Und so lautet der letzte Satz seines Artikels: "Jared Diamond hatte Recht, die Erfindung der Landwirtschaft war ohne Zweifel der größte Fehler in der Geschichte der Menschheit." Allerdings fügt Curnoe gleich hinzu, dass die Dinge nun mal sind, wie sie sind, und dass wir das Rad nicht zurückdrehen können.
Das sah der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau noch anders. Er schrieb bereits im 18. Jahrhundert: "Wir haben uns verrannt. Wir müssen umkehren mit unserer Kultur, zurück zur Natur, um dann, dort angelangt, einen neuen Weg, einen besseren Weg, den Weg zum Glück zu finden."
Hey Fossil, bist Du schon eine Art oder mögen die dich nicht?
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
Little Foot sieht ganz cool aus. Aber wann kommt endlich die Studie?
PALÄO UPDATE
Fit für die Arktis: Denisova Gene haben Inuit winterfest gemacht
Wir sind, um es einmal so zu formulieren, eigentlich nur die Neandertaler von morgen.
Hoimar von Ditfurth
PALÄO CLASSICS - 1907
Homo heidelbergensis
Foto: © Zarateman, CC0
War dieser Goliath der Vorfahre von Neandertaler und Homo sapiens?
PALÄO CLASSICS - 2003
Homo floresiensis
Foto: © Ismoon, CC BY-SA 4.0 Lizenz
Die seltsamen Zwergmenschen von der indonesischen Insel Flores
Am Anfang war der Fisch. Warum die frühen Japaner sesshaft wurden
X