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Die Neandertaler kannten Medizin. Und einige waren sogar Vegetarier

Die Neandertaler kannten Medizin. Und einige waren sogar Vegetarier
Wenn Neandertaler krank wurden, dann wussten sie, welche Pflanzen sie essen mussten, um Schmerzen zu lindern und Krankheiten zu heilen.
Foto: © Tiia Monto, CC BY-SA 3.0 Lizenz
Die Neandertaler haben sich regional sehr unterschiedlich ernährt. Außerdem scheinen sie medizinische Kenntnisse darüber besessen zu haben, wie bestimmte Pflanzen wirken. So lautet das Ergebnis einer Zahnstudie, die australische Wissenschaftler durchgeführt haben.
Forscher der Universität Adelaide haben die DNA im Zahnstein von vier Neandertalern analysiert, um herauszufinden, was sie gegessen haben. Zwei der Zahnfossilien stammen aus der belgischen Spy Höhle, die beiden anderen aus der spanischen Höhle von El Sidron. Alle vier Funde sind zwischen 42.000 bis 50.000 Jahre alt. Eine fünfte Zahnprobe aus Italien konnte nicht analysiert werden, weil die DNA bereits zu stark fragmentiert war.

Fleischesser und Vegetarier

Die beiden Neandertaler-Gruppen scheinen sich sehr unterschiedlich ernährt zu haben, sagen die australischen Forscher. Die DNA-Spuren in der Plaque der belgischen Zahnfossilien deuten darauf hin, dass diese Menschen vor allem Wollnashörner und Schafe gegessen haben - garniert mit ein paar wilden Pilzen.
Überraschend anders sah die Speisekarte der beiden spanischen Neandertaler aus. Sie scheinen Vegetarier gewesen zu sein. Es gibt keine DNA-Spuren fleischlicher Nahrung. Die Neandertaler aus El Sidron haben sich vor allem von Pinienkernen, Moosen, Pilzen und sogar Baumrinde ernährt, so die Forscher. Ein für Neandertaler sehr ungewöhnliches Verhalten.

Früher Nachweis für Naturmedizin

Besonders interessant waren die Zähne eines Neandertalers aus El Sidron, der anscheinend unter einem Zahnabszess litt und chronischen Durchfall hatte (man hat DNA-Spuren des Erregers gefunden). Um die Schmerzen und Durchfallsymptome zu lindern, soll der Mann regelmäßig auf Pappelholz und Pflanzen herumgekaut haben, in denen der Wirkstoff Salicylsäure sowie Schimmelpilze (Antibiotika) enthalten waren. Diese Stoffe nutzt man heute für Aspirin und Penicillin.
Dass wir diese DNA-Spuren von Heilpflanzen nur beim kranken Mann gefunden haben, kann kein Zufall sein, sagen die Forscher. Er wollte offenbar seine Schmerzen lindern und seine Darmerkrankung behandeln. Die Neandertaler müssen über medizinische Kenntnisse verfügt haben.

Neandertaler ganz ohne Fleisch?

Die Ergebnisse der neuen Studie decken sich mit einer Untersuchung aus dem Jahr 2012, als Forscher per Isotopen-Analyse nachweisen konnten, dass die Neandertaler regelmäßig Schafgabe und Kamille gegessen haben, obwohl diese Pflanzen so gut wie keinen Nährwert besitzen und sehr bitter schmecken. Man nahm schon damals an, dass diese Pflanzen als Medizin dienten und dass die Neandertaler von ihrer entzündungshemmenden Wirkung wussten.
Im Zahnplaque ausgestorbener Menschenformen nach Fremd-DNA zu suchen, um herauszufinden, was sie gegessen haben, ist ein interessanter neuer Ansatz. Bislang hat man solche Analysen ausschließlich mit Isotopen gemacht. Allerdings muss man abwarten, wie zuverlässig die neue Technik ist. Zumindest die Beobachtung, dass in Spanien Neandertaler gelebt haben sollen, die überhaupt kein Fleisch aßen, ist - nennen wir es mal sehr ungewöhnlich.
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Mir ist bis heute noch kein Problem - wie kompliziert auch immer - begegnet, dass sich nicht durch den richtigen Blickwinkel noch stärker verkomplizieren ließe.
Paul Alderson

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