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Feuerschlagen: War der Neandertaler cleverer als der Homo sapiens?

Feuerschlagen: War der Neandertaler cleverer als der Homo sapiens?
Ein Neandertaler-Faustkeil, der angeblich dazu genutzt wurde, um zusammen mit Pyrit Feuer zu schlagen. Der Fund wirft einige Fragen auf.
Foto: © Sorensen et al.
Die Menschen der Steinzeit kannten drei Methoden, Feuer zu machen. Die älteste Technik bestand darin, glühende Äste von Waldbränden zu sammeln und die Glut so lange wie möglich zu konservieren. Später fand der Mensch dann heraus, dass Feuer entsteht, wenn man zwei Hölzer kräftig aneinander reibt. Und gegen Ende der Steinzeit wurde dann das Feuerschlagen erfunden.
Bislang ging man davon aus, dass es der moderne Mensch Homo sapiens war, der das Feuerschlagen entdeckt hat. Die ältesten Belege dafür stammen aus Europa und sind etwa 32.000 Jahre alt. Doch nun sagen niederländische Forscher, dass die Neandertaler diese Technik schon vor 50.000 Jahren beherrscht haben. Hat der Homo sapiens beim Neandertaler abgekupfert?

Das Feuerschlagen erfordert viel Wissen

Feuerschlagen ist eine komplexe Technik und erfordert viel Wissen. Es reicht nämlich nicht, zwei Feuersteine oder gar zwei einfache Steine gegeneinander zu schlagen und damit einen Zunderschwamm zu entzünden. Die Funken sind nicht heiß genug. Es entsteht kein Feuer.
Um Feuer zu schlagen, benötigt man einen Feuerstein, der aus Siliziumdioxid besteht, und ein eisenhaltiges Mineral wie Pyrit. Nur wenn man diese beiden Komponenten nutzt, entstehen Funken, die heiß genug sind, um einen Zunderschwamm oder anderes leicht brennbares Material in Brand zu setzen.

Waren die Neandertaler so schlau?

Für das Feuerschlagen braucht man also Grips und geologisches Wissen. Und bislang ging man davon aus, dass es der moderne Mensch Homo sapiens war, der diese Technik erfand. Dem Neandertaler traute man allenfalls zu, die alte Holz-auf-Holz-Methode gekannt zu haben. Doch dabei könnte es sich um einen Irrtum handeln.
Andrew Sorensen von der Universität Leiden und seine Kolleginnen Emilie Claud und Marie Soressi haben auf 50.000 Jahre alten Neandertaler-Faustkeilen, die aus Feuerstein bestanden, mikroskopisch kleine Spuren nachweisen können, die darauf hindeuten, dass diese Werkzeuge zusammen mit Pyrit dazu genutzt wurden, Funken zu schlagen und Feuer machen.
Sorensen: "Es sind die Spuren, die man bekommt, wenn man mit einem Stück Pyrit gegen einen Feuerstein schlägt. Und da wir diese Spuren auf allen untersuchten Feuerstein-Faustkeilen gefunden haben, gehen wir davon aus, dass diese Technik bei den Neandertalern weit verbreitet war."

Leider kein Nachweis von Pyrit

Sollte stimmen, was die niederländischen Forscher "diagnostiziert" haben, dann hat der Neandertaler das Feuerschlagen 17.000 Jahre vor dem Homo sapiens erfunden. Und da man das älteste Feuerbesteck eines modernen Menschen in Europa gefunden hat (Vogelherdhöhle), liegt der Verdacht nahe, dass sich der Homo sapiens diese Technik bei den Neandertalern abgeschaut hat.
Voraussetzung für diese These ist natürlich, dass Sorensen und seine Kollegen die mikroskopischen Abnutzungsspuren auf den Neandertaler-Faustkeilen richtig interpretiert haben. Denn der Faustkeil aus Feuerstein war in der Steinzeit ein häufig gebrauchtes Alltagswerkzeug, das für alle möglichen Tätigkeiten genutzt wurde. Die Kerben und Kratzer könnten auch andere Ursachen haben. Denn Pyrit, die zweite Komponente, die zum Feuerschlagen benötigt wird, haben die niederländischen Forscher nicht nachweisen können.
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Steve Jones

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