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Bauen wir uns heute eine Hütte oder ziehen wir ins Höhlen-Hotel?

Bauen wir uns heute eine Hütte oder ziehen wir ins Höhlen-Hotel?
In eisigen Trundren nutzten die Neandertaler auch Mammutknochen, um sich Hütten zu bauen. Das belegt ein 44.000 Jahre alter Fund aus der Ukraine.
Fotomontage: © Ramuck
Die meisten Fossilfunde von Neandertalern stammen aus Höhlen oder wurden unter Felsvorsprüngen (sog. Abris) gefunden. Daher bezeichnet man die europäischen Urmenschen häufig als "Höhlenmenschen". Das hat sicherlich seine Berechtigung, ist aber nur die halbe Wahrheit.
Es gibt mehrere Fundorte, die belegen, dass die Neandertaler auch andere Möglichkeiten kannten, sich ein behagliches Lager für die Nacht zu schaffen. Die Palette reichte von einfachen Hütten aus Holz und Fellen bis hin zu massiveren Behausungen, die von Mammutknochen zusammengehalten wurden.

Steinkreise, Vertiefungen, Findlinge

Dass die Neandertaler schon sehr früh wussten, wie man Hütten baut, belegen 200.000 Jahre alte Lavasteine aus der Eifel, die ringförmig angeordnet waren und nach Ansicht der Experten dazu dienten, eine Zeltkonstruktion zu stabilisieren.
120.000 Jahre alt ist ein ähnliches Lager aus dem Rheinland. Dort haben Archäologen eine ovale Vertiefung entdeckt, die als Basis für eine einfache Hütte diente. Die Behausung bestand wahrscheinlich aus einem Holzgestell, das mit Gräsern oder Fellen bedeckt war. Dass dort Neandertaler gelebt haben, belegen 60 Werkzeugartefakte aus Feuerstein.
Ein weiterer Beleg für Neandertaler-Hütten stammt aus Nordhessen und ist 100.000 Jahre alt. Dort hat man nicht nur einen Steinkreis aus Findlingen, sondern auch eine Feuerstelle und fossile Knochen von Beutetieren gefunden - vor allem Mammuts und Wollnashörner.

Rundhütte aus Mammutknochen

Dass die Neandertaler nicht nur mit Steinen und Holz arbeiteten, um sich Unterschlüpfe zu bauen, belegt eine 44.000 Jahre alte Fundstätte in der Ukraine. Dort haben Archäologen die Überreste einer Rundhütte gefunden, die von Mammutknochen und Stosszähnen gestützt wurde. Zur Abdeckung wurden wahrscheinlich Felle und Leder verwendet.
Die Forscher vermuten, dass die Neandertaler in der Ukraine andere Rohstoffe nutzten, weil es damals in den eisigen Tundren dieser Region kaum Holz gab. Das belegen auch mehrere Feuerstellen, in denen man keine Holzüberreste gefunden hat, sondern nur Mammutknochen. Die Neandertaler verbrannten offenbar getrocknete Tierknochen, um sich in den frostigen Nächten warm zu halten.

Übernachtung im Höhlen-Hotel

Nach allem, was wir derzeit wissen, war der Neandertaler kein tumber "Caveman", der sich in ein dunkles Loch verkroch, sobald die Sonne unterging. Er passte sich den örtlichen Gegebenheiten an, nutzte die vorhandenen Ressourcen und plante seine Nachtruhe.
Dass man dennoch so viele Neandertaler-Fossilien in Höhlen gefunden hat, dürfte einen einfachen Grund haben. Der Neandertaler war auch nur ein Mensch. Und der ist bekanntlich von Natur aus faul. Warum sich die Mühe machen und aufwändig ein Lager errichten, wenn es vor Ort ein schickes Höhlen-Hotel gibt, in dem man die Nacht verbringen kann?
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