ANTROPUS
DER WEBLOG über die Evolution des Menschen
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Haben in der Steinzeit Menschen mit riesigen Superhirnen gelebt?

Haben in der Steinzeit Menschen mit riesigen Superhirnen gelebt?
So könnte der Homo capensis ausgesehen haben. Oder handelte es sich um frühe moderne Menschen mit einem Wasserkopf?
Symbolbild: Fotomontage
Wieviel Gehirnvolumen darf ein Mensch haben, um ihn noch als Homo sapiens einzuordnen? Schon seit Jahrzehnten wird über afrikanische Schädelfunde diskutiert, die ein außergewöhnlich großes Hirnvolumen aufweisen. Einige Forscher sprechen von den sogenannten Boskop Menschen (erster Fundort), andere vom Homo capensis. Hat es den wirklich gegeben?
Der erste Schädel eines Boskop Menschen wurde 1913 in Südafrika entdeckt. Und dieses Fossil besaß einen außergewöhnlich großen Gehirnschädel mit einem Volumen von 1850 ccm. Zum Vergleich: Ein heutiger Mensch bringt es auf etwa 1350 ccm. Später folgten weitere Funde solcher Megahirne, die sogar noch größer waren (2000 ccm).

Die Entdeckung des Homo capensis

Renommierte Forscher wie Robert Broom (Entdecker des Paranthropus robustus) und Raymond Dart (Entdecker des Australopithecus) haben diese außergewöhnlichen Fossilien damals untersucht und kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um eine unbekannte Menschenart handeln musste - den Homo capensis. Und es wurde viel darüber spekuliert, wie superintelligent diese Menschen gewesen sein müssen.
In den 1970er Jahren drehte sich der Wind. Die Paläoanthropologen kamen zu dem Ergebnis, dass solche Riesengehirne durchaus noch in die Bandbreite dessen fallen, was für den Homo sapiens normal ist. Entweder stammten diese übergroßen Gehirne von sehr großen Individuen oder von Menschen, die unter Hydrocephalus (Wasserkopfsyndrom) litten. Der Homo capensis wurde als Mythos zu den Akten gelegt und beschäftigte fortan nur noch Atlantis-Forscher und Prä-Astronautiker.

Ein Buch bringt die Diskussion wieder in Gang

Der Boskop Mensch schien beerdigt und vergessen. So wie viele andere Menschenarten, die Forscher in den letzten 150 Jahren entdeckt zu haben glaubten (Homo antiquus, Homo kanamensis, Homo gautengensis) und die von der Fachwelt ins Reich der Fabel verwiesen wurden.
Doch im Jahr 2008 veröffentlichten die beiden Neurowissenschaftler Gary Lynch and Richard Granger ihr Buch "Big Brain: The Origins and Future of Human Intelligence". Und in diesem Buch wurde die Legende vom hyperintelligenten Steinzeitmenschen zu neuem Leben erweckt. Lynch und Granger behaupteten ernsthaft, der Homo capensis sei eine einzigartige Menschenart gewesen, die deutlich intelligenter gewesen sein muss als der heutige Mensch.
Das Buch brachte den bekannten Paläoanthropologen John Hawks dermaßen auf die Palme, dass er auf seinem Blog eine vernichtende Kritik veröffentlichte. Er warf Lynch und Granger vor, völlig unreflektiert den Wissensstand von 1930 widergegeben und hundert Jahre paläoanthropologische Forschung ignoriert zu haben. Er bezeichnete das Buch als Science Fiction.

Ungewöhnlicher Homo sapiens oder unbekannte Menschenart?

Doch die Frage bleibt: Hat es den Boskop Menschen, den Homo capensis wirklich gegeben? Oder handelte es sich nur um außergewöhnlich große Vertreter des frühen Homo sapiens?
Letztlich geht es um die Frage: Ist ein um 30 Prozent größeres Gehirn noch normal? Fällt es in die Bandbreite dessen, was man dem Homo sapiens zubilligt? Oder hat es der Homo capensis verdient, als eigene Menschenart eingeordnet zu werden?
Völlig ungeklärt ist die Frage der Intelligenz. Früher dachte man, dass große Gehirne intelligenter sind als kleine Gehirne. Doch das scheint widerlegt. Die Unterschiede sind minimal. Selbst wenn es den Homo capensis wirklich gegeben hat - er muss kein Superhirn gewesen sein.
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